Lauryn-Hill-Konzert Besuch der alten Miss
Lauryn Hill singt wieder! Oder klingt da nur ein rostiges Saxofon? Das ausverkaufte Konzert im Berliner Tempodrom war atemlos und enttäuschend.
© Britta Pedersen dpa/lbn

Lauryn Hill im ausverkauften Tempodrom
Laurynhill. Kommt. Nachdeutschland. Wahnsinn! Atemlose Fans, zwei ausverkaufte Hallen in Berlin und Mülheim. Selten so seltener Besuch. Sie lässt sich Miss Lauryn Hill rufen und ist doch eigentlich eine komplizierte Madame. Immer zu spät, oft launisch, religiös versponnen, öffentlichkeitsscheu. Aber die Erinnerung an ihre warme, wundervoll ehrliche Soul-Stimme und ihre pointierten Raps verdrängt alle Missklänge.
Lauryn Hills große Zeit liegt lang zurück. Sie begann 1996 mit den Fugees und endete um die Jahrtausendwende im Nachhall ihres fabelhaften Solodebüts The Miseducation of.... Als ihr bisher einziges Studioalbum erschien, war sie 23, Mutter eines Sohnes. Heute ist sie 36, Mutter von sechs Kindern.
Die Prioritäten sind klar: Musik ist schön, aber nicht alles. Das Geschäft drumherum kann einem Künstler schon den Spaß verderben. Nur, warum dann diese Tour? Mit dem Konzert im Berliner Tempodrom jedenfalls hat sie sich keinen Gefallen getan.
Im Grunde ist Lauryn Hill ein übergroßes, multiples One-Hit-Wonder. Ihr Material umfasst rund zwanzig Songs, die meisten davon sehr bekannt, absolut mitgrölgeeignet. Sie weiß das. Und sie kennt die Erwartungen ihrer Fans. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich vor aller Augen selbst zu reproduzieren.
Allerdings ist die vergangene Dekade nicht spurlos an ihr vorüber gezogen. Ihre Stimme klingt mittlerweile wie ein altes Saxofon, das im Blues-Regen verrostet ist. Die feinen Phrasierungen von einst sind einem heiseren Bellen gewichen. Für längere Bögen fehlt ihr die Luft. Die wichtigen Melodietöne, die nun außerhalb ihrer Reichweite liegen, lässt sie gleich vom Background-Chor singen. Das alles ist so traurig – man möchte aus Solidarität mit Salbei gurgeln. Allein ihre Rap-Einlagen fließen.
Als könne Hyperaktivität über den Stimmverlust hinwegtäuschen, peitscht Lauryn Hill ihre Band durch das Set. Auf der Flucht vor alten Dämonen hat sie Hits wie Ex-Factor, Doo Wop, Everything Is Everything einfach verkleidet: dekonstruierte, hektische, stilistisch überfrachtete Versionen, die der Schönheit der Originale keinen Raum lassen. Bloß nichts ausspielen, nichts aussingen, keine nostalgischen Gefühle wecken! Noch dazu ist der Sound im Saal so mies, als spiele die Band hinter einem nassen Vorhang.
Lauryn Hill windet sich öffentlich unter der Last ihres verblichenen Erfolgs – atemlos wie ihre Fans im Augenblick des Kartenkaufs. Es kann eigentlich nur einen Grund für diese Tour geben: Sie ist alt geworden und braucht das Geld.
- Datum 27.01.2012 - 14:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
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...mit welcher Illusion die Autorin dieses Artikels zum Konzert gegangen ist...Natürlich gehen 13 Jahre und 6 Kinder nicht spurlos an einen vorbei. Und auch wenn die ersten 3 Songs gewöhnungsbedürftig waren und (meiner Meinung nach) vor allem durch dem deletanten Tontechniker unhörbar wurden, gab sie sich danach echte Mühe und wurde auch entspannter! Jemand, der wirklich davon ausgeht, dass Lauryn Hill noch genauso klingt, wie vor 13 Jahren, der hat sich nicht mit ihr und ihren Botschaften auseinandergesetzt.
Für mich persönlich war das Konzert der absolute Hammer und ich bereue keinen Cent, den ich dafür ausgegeben habe!
"Fantasy is what people want, but reality is what they need"
Lauryn Hill
Ich würde sagen, mindestens das halbe Set hat sie mit schlechtem Sound gespielt (wer auch immer daran Schuld war). Und auch nach der kurzen Korrekturpause wurde es einfach nur lauter, aber nicht besser. Ähnlich beurteilt es der Kollege von der Berliner Morgenpost (http://www.morgenpost.de/...). Sogar Handyvideos vom Konzert in Stockholm klingen besser (Youtube).
Und was die Stimme angeht: Das ist doch einfach Trainingssache. Eine Stimme kann reifen, aber ihre klingt leider, wie beschrieben, einfach eingerostet.
Fanden Sie nicht, dass die Arrangements und ihr Auftreten sehr hektisch wirkten?
Ich würde sagen, mindestens das halbe Set hat sie mit schlechtem Sound gespielt (wer auch immer daran Schuld war). Und auch nach der kurzen Korrekturpause wurde es einfach nur lauter, aber nicht besser. Ähnlich beurteilt es der Kollege von der Berliner Morgenpost (http://www.morgenpost.de/...). Sogar Handyvideos vom Konzert in Stockholm klingen besser (Youtube).
Und was die Stimme angeht: Das ist doch einfach Trainingssache. Eine Stimme kann reifen, aber ihre klingt leider, wie beschrieben, einfach eingerostet.
Fanden Sie nicht, dass die Arrangements und ihr Auftreten sehr hektisch wirkten?
Ich würde sagen, mindestens das halbe Set hat sie mit schlechtem Sound gespielt (wer auch immer daran Schuld war). Und auch nach der kurzen Korrekturpause wurde es einfach nur lauter, aber nicht besser. Ähnlich beurteilt es der Kollege von der Berliner Morgenpost (http://www.morgenpost.de/...). Sogar Handyvideos vom Konzert in Stockholm klingen besser (Youtube).
Und was die Stimme angeht: Das ist doch einfach Trainingssache. Eine Stimme kann reifen, aber ihre klingt leider, wie beschrieben, einfach eingerostet.
Fanden Sie nicht, dass die Arrangements und ihr Auftreten sehr hektisch wirkten?
Liebe Autorin, liebe weitere Mitleser.
Es stimmt schon und gilt überall.... unser aller Meinung ist subjektiv.
Und so sage ich in diesem Sinne, daß ich voll und ganz der Meinung der Autorin bin!
Hocherfreut über den Besuch einer meiner Jugendheldinnen hab ich gleich die Karten bestellt....im Dezember 2011. Doch vielleicht hätte ich die ersten Kritiken abwarten sollen..
Nach Monaten der Vorfreude sind wir nach Berlin gerast (Job und Kinder lassen sich ja auch nicht ohne weiteres wegorganisieren mitten in der Woche..), um unsere Fuffzsch-Eusen-Karten abreißen zu lassen.
Nach dem schon sehr zerhackten Dj-Set, in das vom sicher nicht unfähigen Dj permanent reingequakt wurde, war die Vorfreude dann zwischenzeitlich am Höhepunkt. Trotzdem.....Ms. Hill ließ unter Ehrenbezeugungen auf sich warten... nunja... da dachte man noch "gehörthaltzurShowblabla".
wird fortgesetzt...
...
Aber als wir dann hören mußten, was wir hören mußten....ist mir zwischenzeitlich echt der Kragen geplatzt. Von den verhunzten schönen Liedern und der nicht mehr funktionstüchtigen Stimme mal abgesehen, war die Tontechnik derart.......mir fehlen da echt die Worte!!!! Schlecht ist gar kein Ausdruck! Blechern, brüllend, Tinnitus hervorrufend, Kopfschmerz bereitend (v.a. in Kombination mit dem anstrengenden Stroboskop-Licht....)... sind nur einige lexikalische Einheiten, die ich da anbringen könnte. Ich dachte: "Wo bin ich hier? Wieviel habe ich doch gleich für die Karte geblecht? Welchen Musikstil wollte ich eigentlich hören? Und welch technische Voraussetzungen kann ich für das Geld erwarten?" Ich kannte die Antwort - habe jahrelang selbst in einem Club mit Konzerten unterschiedlichster Coleur gearbeitet.
Bin dann zur Tontschnik gegangen...aber die Security hat auch nur mit den Schultern gezuckt und gesagt, daß doch 2 Stunden Soundcheck gemacht worden wären...
ich dachte, ich spinne.
Bei aller Liebe zu Ms. Hill...aber DAS!!! WAR GAR NIX.
Ich hab´heute noch Kopfschmerzen.
Schade.
Die schlechte Tonqualität kann ihnen da immer wieder begegnen. Das ist so in dem Schuppen. Nachdem ich mich 5 mal geärgert habe, gehe ich nun nicht mehr dort hin.
Wirklich schade nach all den Jahren. Meine ersten Konzerte im Westen noch im alten Tempodrom waren John Lee Hooker und Screamin' Jay Hawkins. Gott, war das schön...
Die schlechte Tonqualität kann ihnen da immer wieder begegnen. Das ist so in dem Schuppen. Nachdem ich mich 5 mal geärgert habe, gehe ich nun nicht mehr dort hin.
Wirklich schade nach all den Jahren. Meine ersten Konzerte im Westen noch im alten Tempodrom waren John Lee Hooker und Screamin' Jay Hawkins. Gott, war das schön...
Die schlechte Tonqualität kann ihnen da immer wieder begegnen. Das ist so in dem Schuppen. Nachdem ich mich 5 mal geärgert habe, gehe ich nun nicht mehr dort hin.
Wirklich schade nach all den Jahren. Meine ersten Konzerte im Westen noch im alten Tempodrom waren John Lee Hooker und Screamin' Jay Hawkins. Gott, war das schön...
fand ich Dj Rampage. Am Ende hat er leider David Guetta die Hand gegeben und hat die Stimmung im Publikum ziemlich vermiest. Lauryn Hill hat sich tapfer geschlagen, ich fand es großartig, sie live erleben zu dürfen und ihre Stimme war ja auch schon bei MTV unplugged vor Jahren etwas angeschlagen. Letztendlich ist diese tiefe Stimme auch ein wenig sexy. Vor allem bekommt die Band ein großes Lob!
"Fantasy is what people want, but reality is what they need"
Auch das Konzert in Mülheim war garantiert kein Höhepunkt, aber wer das hier sieht, darf hoffen, dass diese Frau noch nicht ihr letztes Wort gesprochen hat:
http://www.youtube.com/wa...
Man wünscht ihr eine Auszeit von familiärem, religiösen und medialem Stress, ein paar gute Produzenten und einige neue, entspanntere Rhythmen. Auch gereift und und ein wenig verrückt lässt sich wundervolle Musik machen. Chances are few? Hoffentlich nicht, in diesem Fall.
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