Klassische Komposition Friedrich Cerha erhält Siemens-Musikpreis
Er gilt als Nobelpreis der klassischen Musik: In diesem Jahr geht der mit 200.000 Euro dotierte Siemens-Musikpreis an den österreichischen Komponisten Friedrich Cerha.
© Manu Theobald/Ernst von Siemens Musikstiftung/dpa

Der österreichische Komponist Friedrich Cerha
Der österreichische Komponist und Dirigent Friedrich Cerha wird mit dem Ernst von Siemens Musikpreis 2012 geehrt. Seine zahlreichen Uraufführungen der vergangenen Jahre belegten eindrucksvoll seine Schaffenskraft und schöpferische Neugier, begründete die Ernst von Siemens Musikstiftung ihre Entscheidung. Die mit 200.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als eine der wichtigste Ehrungen – als inoffizieller Nobelpreis – in der klassischen Musik und soll am 22. Juni in München überreicht werden.
Cerha sei "ein Meister beeindruckender Klanglandschaften", heißt es in der Begründung der Jury. Der gebürtige Wiener hat sich vor allem der Avantgarde verschrieben. Zu seinen bekanntesten Orchesterarbeiten zählen Impulse und Hymnus. Zudem vervollständigte er die Oper Lulu von Alban Berg, deren Uraufführung 1979 in Paris stattfand.
"Es ist es mir eine Ehre, in dieser Gilde zu stehen", sagte der 85-jährige Musiker nach Bekanntwerden der Auszeichnung. "Die Preisträger sind die führenden Köpfe der zeitgenössischen Musik." Allerdings bleibe ein Dilemma: "Man bekommt Preise dann, wenn man sie nicht mehr braucht." Die Ehrung nehme er "gelassen entgegen, ebenso wie ich den Angriffen in den 1960er Jahren gelassen begegnet bin."
Pionier der zeitgenössischen Musik
Cerha wurde am 17. Februar 1926 in Wien geboren. Als Kind lernte er Geige und erhielt Unterricht in Musiktheorie und Komposition. Er studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie und promovierte mit 24 Jahren. In den sechziger Jahren war er als Pionier an der Entwicklung der zeitgenössischen Musiksprache entscheidend beteiligt.
Mit seinem klaren Kompositionsstil und seinem reichen Werk wurde er bald zu einem der bekanntesten Vertreter des aktuellen Musikgeschehens. 1958 begründete er das Kammerensemble die reihe mit, das in Konzerten und mit einer Schriftenreihe moderne Werke vorstellte und weit über Wien hinaus wirkte. Seine Kompositionen stehen weltweit bei zahlreichen Festivals und Konzerten auf dem Spielplan.
Preise für Nachwuchskünstler
Bei der Auszeichnung im Juli sollen auch die Förderpreise der Ernst von Siemens Stiftung für junge Komponisten vergeben werden. Je 35.000 Euro gehen an den Briten Luke Bedford, an Zeynep Gedizlioglu aus der Türkei und an den Deutschen Ulrich Alexander Kreppein. Mit weiteren rund 2,4 Millionen Euro unterstützt die Stiftung nach eigenen Angaben zeitgenössische Musikprojekte in aller Welt, darunter Konzerte, Kompositionsaufträge, Wettbewerbe und Akademien.
Die Ernst von Siemens Stiftung verleiht den Preis seit 1974. Das Geld stammt aus dem privaten Vermögen ihres Gründers. In den vergangenen drei Jahren ging der Hauptpreis an Aribert Reimann, Michael Gielen und Klaus Huber.
- Datum 26.01.2012 - 11:10 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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