Junge deutsche Songwriter : Sieben Lockenköpfe im Test

Bendzko, Prosa, Bourani, Meyer, Bunger, Wahl, Poisel: So viele deutsche Songwriter! Wer soll da noch durchblicken? Eine Gegenüberstellung der jungen Schmerzensmänner.
© Alexander Gnädinger

Tim Bendzko

Alter: 26

Lockenfaktor: Spitzenmäßig

Zusatzinformation: Wäre beinahe Fußballprofi geworden, spielte in der Jugend von Union Berlin

Ausstattung: Üppig, aber trotzdem leise dahintrippelnde Popmusik, die noch den kleinsten gemeinsamen Nenner so erfolgreich ausfüllt, dass Bendzko vom Bundesvision Songcontest bis zum Bambi zuletzt alles gewonnen hat.

Songzeile: "Ich bin ohne Worte/ Ich finde die Worte nicht/ Ich hab keine Worte für dich."

Gesamteindruck: Ein farbloser Popstar für eine farblose Generation

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Jammermusik

Nett distanzierte Ironiesierung der modernen deutschen "Jammermusik". Sorry, aber ich kann nicht anders, als für mich persönlich diese nach innen gekehrte, meist gehaucht und hervorgepresst vorgebrachte Musikrichtung als "Janmmersongs" oder "Jammermusik" zu bezeichnen. Die geht mir schon länger auf den Senkel.
Nach dem Techno-Irrsinn der 90er, einer Musikrichtung, die eigentlich nur ein Lied kannte, und der Nicht-Musik des monotonenen Laber-Rap, ist es ja sehr erfrischend, dass wieder mehr Jungs (wo bleiben die Mädels?) den Mut haben, richtige handgemachte Musik zu machen. Aber muss es denn gleich wieder so ein inhaltlich und musikalischer Einheitshaferbrei sein?
Ok, zugegeben, Differenzierungen gibt es, Meyer und Wahl bringen musikalisch mehr Pepp und Prosa könnte es vielleicht auch besser. Aber dennoch, Musik sollte Höhen und Tiefen haben und sich nicht im Moll des Jammertales erschöpfen.

So, jetzt könnt ihr über mich herfallen, ihr getroffenen Seelen!

Danke für diesen Artikel.

Ich habe mich durch die Videos gewühlt. Nun, Musik ist Geschmacksache, klar. Als klassischer Musiker mit Hang zu Elektro war ich wirklich erstaunt, wie mittelmäßig bis Schüttelfrostartig diese Musik ist. Darin eingebettet kleine Groschenromantexte. Das gibt mir wirklich zu denken. Ich will nicht unfair sein, es ist bestimmt schwer einen guten Songtext zu schreiben, ich selbst habe das noch nie gemacht, stelle mir diese Arbeit aber sehr zäh vor.

Ich weiss, ich bin unendlich gemein, weil ich diese Nachwuchsbarden jetzt schwer disse, aber Jungs: Erzählt doch mal was in euren Texten. Und versucht es doch mal so zu erzählen, wie ich es noch nicht gehört habe. Und eure Musik ist...nun ja, sie ist poppig. Ja, Pop kann toll sein, wenn man mal ein wenig damit experimentiert. So 'ne Oktave hat nicht viele Töne, aber man kann damit 'ne Menge machen. Es gibt auch schwere Bässe, die auf der Richterskala meines Bauches ne glatte 12 kriegen. Es gibt Bleeps, und Bips, Drills und Crashs, cracks und lows, pichtes...unendliche Möglichkeiten.

Ich erinnere mich an einen Künstler Namens James Blake. Ein so großes Talent, der Pop in eine andere Dimension hievt. Der mutig ist, schräg, und seine Stimme großartig einsetzt. Der Poesie in seine Texte packt, echte Wörter, die eure Themen behandeln aber...nun ja, anders, neu, ungehört sind.

Hört euch seine Songs an und fang noch mal von vorne an. Das wünsche ich mir.
Vielleicht liegt es daran, dass James keine Locken hat. Oder fast keine.

Gruss