ESC-Vorentscheid Singen im Bakuum
Der 21-jährige Roman Lob hat den Weg durchs Tal der Spannungslosen gefunden: Er wird Deutschland im Mai beim Eurovision Song Contest in Baku vertreten.
Wer hätte gedacht, dass man sich nach zwei Jahren des innerdeutschen Eurovisionswahns tatsächlich Lena Meyer-Landrut zurückwünschen würde! Die Energie, die sie ausstrahlte, und die Begeisterung, die ihr schräger Lolita-Charme auslöste, sind mittlerweile verflogen. Und es sieht so aus, als habe der ESC wieder vorlandrut'sche Gleichgültigkeitswerte erreicht.
Großen Anteil daran hatte die diesjährige Auswahlsendung Unser Star für Baku, deren Konzept im Vergleich zu parallel laufenden Castingshows wie The Voice of Germany oder gar dem immerblöden Deutschland sucht den Superstar wie eine Kaffeefahrt mit Heizdeckenverkaufsveranstaltung wirkte. Tranige Moderatoren, eine indifferent begeisterte Jury um den Vorsitzenden Thomas D. und erschreckend farblose Teilnehmer brachten miese Einschaltquoten.
Roman Lob hat nun den langen Weg durchs Tal der Spannungslosen gefunden, er wird am 26. Mai in Baku für Deutschland singen. Der 21-jährige Industriemechaniker aus Neustadt/Wied galt schon zu Beginn des Castings als Favorit, seine Mitbewerber eher als Statisten.
Handzahm mit solider Stimme
Lob trägt Jeans und Holzfällerhemd, Dreitagebart und Käppi, hat sich große Löcher in die Ohren und viel Farbe unter die Haut stechen lassen. Ein sympathischer Indieboy, handzahm vor den Kameras und irgendwievollsüßunkonventionell genug für die Bäckereiverkäuferin, die einst auch Guildo Horns Nussecken mochte.
Seine Stimme ist solide, er übt schon lang und hat auch vor fünf Jahren bei DSDS sein Glück versucht. Den Finalsong Standing Still, den Jamie Cullum für die Show komponiert hat, trägt Lob sauber vor und bleibt stets innerhalb der Grenzen allerweltläufiger Powerpopnummern, wie sie Snow Patrol oder Kings of Leon millionenfach verkauft haben.
Aber kann er damit auf eine Spitzenplatzierung in Baku hoffen? Wohl kaum. Das große, internationale Eurovisionspublikum scheint zu schwanken zwischen überdrehtem Trash und heißgelüftetem Kitsch. Lenas Sieg im Jahr 2010 markierte lediglich eine Zäsur, nach der die Zuschauer wieder zu altem Schmonz zurückfanden. Roman Lob wird in Aserbaidschan als netter Junge aus Deutschland gelten, aber musikalisch wie charismatisch nicht sonderlich auffallen.
Darüber muss niemand – außer der ARD und Stefan Raab – traurig sein. Vielmehr zeigt es ganz plastisch, dass sich wahre Showtalente nicht am Fließband produzieren lassen. Dass Charisma nicht trainierbar ist. Dass Worte wie topabgeliefert, toppräsent, topabgerufen, topgrandios oder topbedient noch keine gute Jury ausmachen. Dass Lena Meyer-Landrut, obwohl sie uns so unglaublich auf die Nerven gegangen ist, doch ein Schätzchen war. Und dass der Eurovision Song Contest stattfinden kann, ohne dass ganz Deutschland hinschauen muss.
- Datum 17.02.2012 - 06:05 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 37
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weil der Friseur es will. Hatte ich übrigens mit gleichem Tenor gestern abend noch um 22.15 Uhr als Blogbeitragtitel: http://unterwaeltigt.de/?...
Eine ganz unheilige Allianz aus Raab'scher Lustlosigkeit und schwäbischer Unfähigkeit war das. Und zwar im Ganzen, von der ersten Minute an. Grau-en-haft. Dazu im Finale sechs Beiträge, die sich problemlos, selbst mit rudimentärsten Kenntnissen von Audioschnittprogrammen innerhalb von 3,5 Minuten in eine endlos Belanglospopnummer hätten zusammendrechseln lassen.
Und all das, nachdem in den letzten Jahren (nicht nur Lena-Jahren), das Ganze durchaus wieder Freude gemacht hatte. Aber nomen est omen: Germany standing still - zero points!
Roman Lob hat verdient gewonnen. Auch der unsäglich bräsigen Lena ist er sowohl sängerisch als auch vom ganzen Auftritt her weit voraus. Das von Jamie Cullum komponierte "Standing Still" ist ein Hit - zeitloser Pop - und wie gemacht für Roman. "Satellite" war dagegen ein Kinderlied, gesungen von einem 18-jährigen Kleinkind. Die dauermeckernden Forums-Gartenzwerge hier sollten mal schön den Rand halten, denn von guter Musik scheinen sie - und Frau Weiser - keine Ahnung zu haben. Roman fühlt die Musik, die er singt. Lena hat nur versucht, ihre Vorbilder (wie Kate Nash) zu kopieren und oszillierte dabei zwischen ungelenk und gekünstelt, aber niemals musikalisch. Mit Roman Lob haben wir jetzt endlich einen Kandidat, der wirklich musikalisch ist und dazu noch bescheiden und sympathisch. Das ist wohl zuviel des Guten für den hier versammelten Netz-Pöbel.
Roman Lob hat verdient gewonnen. Auch der unsäglich bräsigen Lena ist er sowohl sängerisch als auch vom ganzen Auftritt her weit voraus. Das von Jamie Cullum komponierte "Standing Still" ist ein Hit - zeitloser Pop - und wie gemacht für Roman. "Satellite" war dagegen ein Kinderlied, gesungen von einem 18-jährigen Kleinkind. Die dauermeckernden Forums-Gartenzwerge hier sollten mal schön den Rand halten, denn von guter Musik scheinen sie - und Frau Weiser - keine Ahnung zu haben. Roman fühlt die Musik, die er singt. Lena hat nur versucht, ihre Vorbilder (wie Kate Nash) zu kopieren und oszillierte dabei zwischen ungelenk und gekünstelt, aber niemals musikalisch. Mit Roman Lob haben wir jetzt endlich einen Kandidat, der wirklich musikalisch ist und dazu noch bescheiden und sympathisch. Das ist wohl zuviel des Guten für den hier versammelten Netz-Pöbel.
bestimmt 3 Minuten eingeschaltet und jedesmal schnell wieder woanders hin. Da war niemand dabei, der auch nur im Ansatz das gewissen Etwas hatte.
Auch der Sieger nicht..
... um den Leerlauf der Sendung zu spüren und dann schnell abzuschalten.
Zwei Takte von Lob und man fragte sich, warum man sich das antun soll.
4. Absatz - Dieser Kommentar kann bei Korrektur gelöscht werden.
Liebe/r KG,
Sie haben vollkommen recht. Der Fehler ist korrigiert.
Mit bestem Dank und Gruß
D. Hugendick
Liebe/r KG,
Sie haben vollkommen recht. Der Fehler ist korrigiert.
Mit bestem Dank und Gruß
D. Hugendick
Meine Frau hat mehrfach versucht, die Sendung gestern Abend anzusehen. Jeder Versuch musste nach einer Minute aufgegeben werden. Langweilig und grausam. Die Juroren einfach fehlbesetzt. Der rote Skinhead in der Mitte tat einfach nur in den Augen weh. Die musikalische Kernkompetenz der ARD liegt wohl doch eher bei Hansi Hinterseer & Co.
Der Sieger macht aber einen netten Eindruck, trotzdem keine Chance.
Mehr sogar, erotisch... Sie haben angst vor ihre Frau.
Mehr sogar, erotisch... Sie haben angst vor ihre Frau.
...so ging es mir auch.
Befremdlich,dass Raab fast desinteressiert rüberkam.
Liebe/r KG,
Sie haben vollkommen recht. Der Fehler ist korrigiert.
Mit bestem Dank und Gruß
D. Hugendick
Die einzelnen Sendungen wurden von uns sporadisch verfolgt und stets blieben folgende Eindrücke zurück:
- Belanglose Sänger ohne eigene Identität.
- Weder bei der Jury noch bei den Sängern eine spürbare Motivation für diesen Wettbewerb und den ESC an sich.
- Vollständige Kritiklosigkeit der Jury, sodass sich diese alles so kuschlig und belanglos wie die Mini Playback Show anhörte.
- Jamba-Optik dank der Schnelltabelle.
- Stets gleicher Aufbau der Sendung, somit gähnende Langweile durch Vorhersagbarkeit.
- Gänzlich überraschungsfrei und lustlos.
- Nervend durch sinnlose Nachmoderation im Backstage-Bereich nach jedem Song.
- Nervend durch Gätjen, der einfach kein sonderlich begnadeter Moderator ist und den Charme eines Versicherungsvertreters versprüht.
Kurz: Hier hat einfach nichts gepasst. Die Quirligkeit von Lena fehlte, die Neugierde auf etwas Neues war weg, die Jury vollständig fehlbesetzt und der Sendung fehlte jeder Charme. All dies gab es beim ersten ESC-Vorentscheid von Raab. All dies fehlte bereits letztes Jahr, als Raab diese Sendungen nur nutzte, um Werbung für Lenas Album zu machen. Und hier fehlte es wieder.
Raab sollte seine Ideen in diesem Bereich überdenken. Wenn er hier gelangweilt im Sessel hockt und sinnfrei Sängern Honig ums Maul schmiert, er dagegen bei sowas merkwürdigen wie dem Turmspringen breit grinsend als Heiliger einem Thron entsteigt und über das Wasser geht, dass ist klar wo seine Motivation liegt - und sein Spaß. Das merkt auch das Publikum.
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