Landsberg am Lech, Bayern, 1951. Staff Sergeant John R. Cash dient bei einer Aufklärungseinheit der US-Luftwaffe. Der 19-Jährige von einer Baumwollfarm in Dyess, Arkansas , fühlt sich nicht wohl in dieser Stadt, in deren Gefängnis keine 30 Jahre zuvor Adolf Hitler Mein Kampf schrieb und in deren Umgebung die US-Soldaten 1945 mehrere Konzentrationslager befreit haben.

Johnny Cash machen die klaustrophobische Atmosphäre und die eintönige Arbeit zu schaffen. Er soll Funksprüche der Sowjetarmee aufschreiben, die er nicht versteht, weil sie verschlüsselt sind und er kein Russisch spricht. Einmal wirft Cash seine Schreibmaschine aus dem Fenster. Ein Vorgesetzter gibt ihm Sonderurlaub und Pillen für die Nerven, schreibt Michael Streissguth in seinem Buch Johnny Cash at Folsom Prison .

Doch dann spielt Cash in seiner ersten Band, den Landsberg Barbarians, und singt sich in die Freiheit. 1953 sieht er den Kinofilm Inside the Walls of Folsom Prison ( Meuterei im Morgengrauen ) – ein B-Movie, das Cash schwer beeindruckt. Er schreibt den Folsom Prison Blues : Cash schlüpft in die Rolle eines Häftlings, der einem Zug nachhorcht und sich quält mit Gedanken an dessen reiche Passagiere, Kaffee trinkend und dicke Zigarren rauchend. Der Mörder weiß aber, dass er zu recht im Gefängnis sitzt.

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Melodie und Teile des Texts sind abgehört von Gordon Jenkins, dem Cash später eine Entschädigung zahlen muss. Aber es steckt auch viel Cash in Zeilen wie dieser: " I shot a man in Reno / Just to watch him die ". Ich habe in Reno einen Mann erschossen, nur um ihn sterben zu sehen. Cash schreibt in seiner Autobiografie, "ich saß mit einem Bleistift in der Hand da und versuchte, mir den schlimmsten Grund auszudenken, den ein Mensch haben kann, einen anderen zu töten, und das kam dabei heraus".

Folsom State Prison, Kalifornien, 1968. Cash hatte 1963 mit Ring of Fire seinen größten Hit, einem Lied über seine Drogensucht und seine heimliche Liebe zu June Carter. Mitte der Sechziger ist er schwer abhängig von Amphetaminen und Medikamenten. Im Oktober 1967, Cash hat mehrere Tage lang weder gegessen noch geschlafen, zieht er sich in eine Höhle in der Nähe von Chattanooga zurück, um zu sterben. Dann aber, schreibt Cash in seiner Autobiografie, sei ihm klar geworden: "Ich würde sterben, wann Gott es für richtig hielt, nicht wann ich es wollte."

Cash geht auf Entzug, mit Erfolg. Vielleicht ist es der Ausbruch aus dem Gefängnis seiner Sucht, der ihn auf die Idee bringt, ein Live-Album im Folsom Prison aufzunehmen. Er ist schon früher im Knast aufgetreten, zuerst 1957 im Huntsville State Prison, weil Häftlinge ihn immer wieder darum bitten – der Folsom Prison Blues ist einer der beliebtesten Songs in seinem Repertoire.

Auch in Folsom hat er 1966 schon einmal gespielt, und einige Jahre später tritt er in der Haftanstalt in San Quentin auf. Solche Konzerte dienen seinem Image als Outlaw. Im wirklichen Leben liefert Cash sich eher harmlose Scharmützel mit dem Gesetz. Er lernt Ausnüchterungszellen von innen kennen, wird mit Drogen erwischt, und einmal setzt der defekte Auspuff seines Wohnmobils einen Wald in Brand.