Bassistin Esperanza SpaldingStraight ahead voranswingen

Esperanza Spalding ist 27, spielt Kontrabass und singt. So gut, dass sie einen Grammy bekam, am Berklee lehrt und die Grenzen zwischen R'n'B und Jazz freimütig verwischt. von Stefan Hentz

Da sitzt sie in einem feinen Hotelzimmer, jung, lässig und wach, die rebellische Afromähne, die sonst so mächtig auf Angela Davis und die guten, alten Zeiten des Aufruhrs anspielt, sorgfältig eingehegt. Esperanza Spalding erzählt von ihrem neuen Album Radio Music Society , einer Sammlung von Songs, extrovertiert, anziehend und ein bisschen bombastisch. Eine Richtung, so ist es zumindest geplant, in der ihre Musik auch das formatierte Mainstreamradio treffen könnte.

Für Esperanza Spalding, Jazz-Bassistin und -Sängerin, 27 Jahre alt, ist das nur ein kleinerer Spagat. Kommerzialisierung? Na, und. Sobald ihre Songs veröffentlicht sind, hat sie auf deren Wahrnehmung keinen Einfluss mehr, das weiß sie, und verweist gut gelaunt auf George MacDonald, der viele Märchen geschrieben habe, die den Lesern die Möglichkeit geben, weitaus tiefere Symbole hineinzulesen, als er jemals hätte erfinden können. "Mit diesem Gefühl", sagt Esperanza Spalding, "kann ich sehr viel anfangen".

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Sie liebt es, kleine Sprünge ins Gespräch einzubauen: den kürzesten Weg von ebenjenem George MacDonald, einem obskuren schottischen Tolkien-Vorbild, über ihre Förderer Joe Lovano oder Wayne Shorter zum Gelassenheitsgebet der Anonymen Alkoholiker. Von ihrem eigenen Songwriting über die Musik der schwarzen Kirchen zur Bedeutung der Tänze der Nachfahren afrikanischer Sklaven als Speichermedium für die überlieferten Rhythmen, die Schlagzeuger wie Papa Joe Jones im Lauf der Jazzgeschichte wieder in Klang zurückübersetzten. Puh.

Black Gold – Esperanza Spalding


Im Jazz ist Esperanza Spalding ist die Goldmarie der Stunde. Für Barack Obama spielte sie im Weißen Haus und bei der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo , und mit Chamber Music Society , ihrem letzten Album , dem introvertierten, kammermusikalischen Zwilling zu ihrer neuen Veröffentlichung, erreichte sie auch das Mainstreampublikum. Kein Jazzalbum verkaufte sich besser, das Branchenmagazin Billboard erklärte Esperanza Spalding zur Jazzmusikerin des Jahres, und die Verleihung des spartenübergreifenden Grammy als Best New Artist , mit der sie Mitbewerber wie Justin Bieber auf die Plätze verwies, sorgte für reichlich Aufregung.

Tellerwäscher reloaded . Aufgewachsen in denkbar einfachen Verhältnissen als eines von zwei Kindern einer alleinerziehenden Mutter in Portland , Oregon . Geige mit vier. "Ich war immer eines dieser Kinder, die mit Klängen herumspielen, bis sie daraus etwas entwickelt haben", beschreibt sie ihren Zugang zur Musik. Mit fünf bekommt sie einen Platz in der Chamber Music Society of Oregon, einer Verbindung aus ambitioniertem Stadtteilprojekt und klassischem Kammerorchester, die ihre musikalische Grundausbildung prägt. Quartette, Duos, Solostücke, Orchester – was das klassische Repertoire für Violine so hergibt.

Zehn Jahre später ist sie Kapellmeisterin, doch da hat sie schon neue Ufer ins Visier genommen. "Meine Beziehung zur klassischen Musik war immer eine Sache der Ausbildung." An der High School hat sie – noch immer im klassischen Kontext – den Kontrabass entdeckt, doch ihr Lehrer vermittelt ihr eine erste Ahnung der Konstruktion von Basslinien: die richtige Skala an der richtigen Stelle, eine verlässliche time , geschmeidige Überleitungen von Harmonie zu Harmonie. Alles weitere findet sich, das leuchtet der jungen Bassistin sofort ein. Neue Kontinente der Musik liegen vor ihr: R'n'B, Blues, Jazz, die vielen verschiedenen Schichten afroamerikanischer Musik. Mit zwanzig hat sie ihre formale Ausbildung so weit hinter sich gelassen, dass sie selbst als Dozentin in Berklee lehrt, am wohl berühmtesten aller Jazzstudieninstitute.

Leserkommentare
  1. .. schließlich ist es unmöglich, Bass zu spielen und auch noch dazu zu singen, wie schon Esperanzas berühmter Kollege Jay Leonhart festgestellt hat.

    Viel Spaß beim Anhören

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    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hurt
    • 19. März 2012 16:03 Uhr

    Großartig, kannte ich noch nicht. ;)

    • hurt
    • 19. März 2012 16:03 Uhr

    Großartig, kannte ich noch nicht. ;)

    Antwort auf "Kann gar nicht sein .."
  2. ...die Dame lehrt IM oder AM Berklee aber bestimmt nicht IN Berklee. Das ist der Name der Schule und nicht des Ortes (Man studiert IN Oxford aber nicht IN Columbia)

  3. Ich bin mir recht sicher, er dachte an "Berkeley" und schrieb nur Berklee. Dann passt das "in".

    Eine Leserempfehlung
  4. Ich hatte nie von ihr gehört, habe jetzt gerade "Black Gold" angehört und kann von meinen Ohren berichten, die auf der Stelle um 20 Jahre jünger geworden sind.

    Zauberhaft, und vor allem ist es schön, dass es also doch immer wieder solche Talente gibt. Sogar solche, die dem Prinzip "von nix kommt nix" folgen und die deshalb ihr Talent auf erworbenem solidem Können transportieren.

    Ich gerate ja ins Schwärmen, nanu?!

  5. Eine ganz große Frau des Jazz, schon jetzt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | Album | Artenvielfalt | Jazz | Justin Bieber | Society
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