UrheberrechtDes Künstlers Waffe gegen Ausbeutung

Mark Splinter will, dass Musiker für ihr geistiges Eigentum kämpfen. Deshalb hat er Copylike.org gegründet. Hier schreibt er von seiner Utopie des Urheberrechts. von Mark Splinter

Mark Splinter, Gründer von Copylike.org

Mark Splinter, Gründer von Copylike.org  |  © privat

Musik ist eine Kunstform, die überall auf der Welt geliebt und geschätzt wird. Man hört sie, um seine Stimmung zu heben und seine Identität zu definieren. Verbotene Musik wird geschmuggelt. Gute Musik bringt Menschen zum Lachen und zum Weinen, man spielt sie wieder und wieder. Musik ist die Grundlage unserer Kultur und unserer Ausdrucksmöglichkeiten. Da ist es doch merkwürdig, dass nur so wenige Menschen ihren Lebensunterhalt allein aus Musik bestreiten können.

In meiner Utopie wird Musik von einer Vielzahl und Vielfalt von Menschen gemacht. Wer Musik schafft, ist angesehen als ernstzunehmender Geschichtenerzähler und nicht bloß Hobbyist. Institutionen, die solche Produzenten zutiefst berührender Schwingungen ausbilden und trainieren, werden anerkannt und finanziell unterstützt. Die Unabhängigkeit und Vielfalt medialer Kanäle wächst mit jedem Jahr, ebenso wie die Qualität dieses wertvollen Kulturguts. Seine Mannigfaltigkeit vervielfacht sich jeden Tag.

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Ähnliches haben Netzutopisten vor mehr als zehn Jahren versprochen: die Demokratisierung von Musik, das ungehinderte Teilen kultureller Informationen, das Ende der dominierenden Major Labels, direkter Geldfluss zu den Künstlern. Falls für kopierte Songs kein Geld fließt, würden Künstler online ihre T-Shirts verkaufen oder auf endlose Konzerttourneen gehen oder einen Brotjob annehmen und keine Zeit mehr haben, um neue Songs zu schreiben. Es ist wenig verwunderlich, dass viele Musiker dieser Utopie mit Skepsis begegneten.

Über den Autor
Über den Autor

Mark Splinter ist Gründer von Copylike.org, einem Projekt, das Musiker bei der Verteidigung ihrer Urheberrechte unterstützt. Darüberhinaus ist er Direktor der Mushroom Agency UAB, einem Website-Anbieter für die Unterhaltungsindustrie. Er ist Brite und lebt in Vilnius, Litauen.

Tatsächlich sind Netzregulierung und Stärkung von Urheberrechten unausweichlich und erwünscht, aber ihr Ziel sollte stets sein, kreatives Schaffen zu fördern. Applaus allein genügt einem Künstler nicht, um sein Leben der Arbeit widmen zu können; früher oder später braucht er Geld. Netzregulierung könnte eine Lösung sein.

Das Urheberrecht, obschon es dringend einer Reform bedarf, soll seit jeher den Kreativen dienen, Vielfalt pflegen und finanzielle Beteiligung stützen. Dank des Urheberrechts können die Produktionskosten gerecht auf viele Konsumenten verteilt werden. So kann mehr Musik entstehen und zu geringerem Preis verteilt werden. Denn freilich, eine CD ist günstiger als der Unterhalt eines Orchesters.

Künstler und Urheberrecht

Die Debatte über die Reform des Urheberrechts beschäftigt Politiker, Kulturschaffende und Nutzer. Ihr Ausgang wird Auswirkungen auf die Kultur und das freie Internet haben. In unserer Serie Künstler und Urheberrecht gehen wir gemeinsam mit Gastautoren der Frage nach, wie die Wertschöpfungsketten im Kulturbetrieb funktionieren, wie sie sich durch die digitale Revolution verändert haben und wie eine Reform des Urheberrechts aussehen könnte. Wir freuen uns auf Ihre Gastbeiträge unter zeit.de/leserartikel

Alle Beiträge der Serie

Bisher erschienen:

Urheberrecht: Das Ringen um eine Reform

Wie funktioniert der Musikmarkt?

Filesharing: "Urheberrecht darf im Alltag keine Rolle spielen"

Streaming-Portale: Billiger als kaufen, besser als klauen

Mark Splinter: Des Künstlers Waffe gegen Ausbeutung

Conrad Fritzsch: Wir müssen die Spielregeln ändern

Wer hat die Rechte an Filmen?

Miguel E. Riveros Silva: Youtube ist nicht das Internet

Wolfgang Tischer: Lassen Sie mich durch, ich bin Urheber!

Gerd Billen: Die digitale Revolution verlangt neue Antworten

Urheberrechtsstreit: Verheddert in Frank Zappas Bart

Kultur des Tauschens: Das Geld findet dich immer

Bildende Kunst: Aus dem Museum ins Netz

Fatboy Slim: "Verlasst Euch nicht auf Download-Verkäufe!"

Streaming, Sampling, Urheberrecht: Musiker zur Debatte

Musikstreaming: "Da fühlst Du Dich nicht ganz wie ein Arschloch"

Urheberrecht: Wann ist geistiges Eigentum gerecht?

DJ Richie Hawtin: "Kreativität muss so schnell sein dürfen, wie sie will"

Der naturgemäße Eigentumsanspruch bestätigt die Urheber als wichtige Wirtschaftsakteure. So können sich vielfältige Märkte entwickeln. Aber nicht nur das. Der Schutz des Urheberrechts ist auch außerhalb des Marktes von großer Bedeutung.

Andrew Orlowski vom Technikmagazin The Register, mit dem ich meine Thesen diskutiert habe, drückt es so aus: "Es gäbe keine Märkte ohne Eigentumsrechte. Die Kreation ist Ausdruck und Eigentum des Individuums. Dies entspricht der Version des Urheberrechts, das die Franzosen erfunden haben und das in der Menschenrechtskonvention festgeschrieben ist. Das Werk gehört den Urhebern." Weiter sagt er: "Analog dazu ist Datenschutz nicht denkbar, ohne jegliche Aktion als Ausdruck eines Individuums zu verstehen, dem die Daten gehören und das deren Verwendung genehmigt." Deshalb ist die Befürwortung einer Abschaffung des Urheberrechts gefährlich eng verknüpft mit der Abschaffung des Datenschutzes.

Leserkommentare
    • Wyt
    • 08. Mai 2012 18:58 Uhr

    Aus der Sicht eines "Künstlers" würde ich natürlich auch für eine Gewinnoptimierung meines Einkommens plädieren. Der Herr Splinter übersieht dabei einige ganz wesentliche Aspekte.
    So ist der Erfolg eines Künstlers als freischaffender Kreativer genau wie bei jedem anderen Gewerbe eben nicht garantiert. Es gibt daher auch kein Vergütungsrecht, als auch -pflicht.

    Wenn also das was er abliefert einer Mehrheit nicht gefällt, dann wird es eben nicht davon leben können. Auch hier gelten nun einmal die Marktgesetze.
    Vielleicht sollte Herr Splinter einfach mal eine höhere Beteiligung an den Gewinnmargen seiner Vermarkter einfordern!

    Keine andere Industrie fordert so dreist und unverschämt die Zensur und Überwachung des Internets. Am Besten noch gepaart mit der Aushebelung von Exekutive und Justiz.
    Die Bürgerrechte dürfen nicht für die Gewinnoptimierung einer unbedeutenden Industrie geopfert werden!

    Wer seine eigenen Kunden mit Raubkopiererspots und ewig langen Strafandrohungen nervt,
    sollte sein Problem nicht beim Kunden suchen. Das führt dann irgendwann dazu, dass der Kunde einfach die Verwerter boykottiert. Und wenn keiner überteuerten Content kauft nutzen alle Eingriffe in die Bürgerrechte nichts mehr.

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    Der Vergleich mit "jedem anderen Gewerbe" hinkt. Das Problem ist ja gerade nicht, dass die Produkte keinen Abnehmer finden - vielmehr finden sie (zumindest in den für die Urheberrechtsdebatte relevanten Fällen) einige/viele/jede Menge Abnehmer. Nur: diese bezahlen nicht dafür.

    Die meisten, so wohl auch Sie und ich, sind sich darüber einig, dass ein Künstler, der kreative Produkte schafft, die keiner hören/lesen/anschauen will, sich nicht darüber beschweren braucht, dass keiner dafür bezahlt. Natürlich kann ein Mäzen oder auch der Staat (da wirds dann kritisch) das Schaffen des Künstlers trotzdem für förderungswürdig halten. In der Urheberrechtsdebatte geht es aber um nachgefragte Produkte, um Produkte, für die es eben einen Markt und genügend Abnehmer gibt.

  1. Ich fände es gut, wenn hier auch die Unterschiede zwischen Urheberrecht und Verwertungsrechte und Nutzungsrechte geschrieben werden würde.

    Noch etwas: Meine Tochter fragte mich, wie es wohl mit den Büchern, Filmen, Musikstücken wäre, die sie aus der öffentlichen Bibliothek ausgeliehen hat. Kostenlos. Warum kann man denn nicht so eine Bibliothek ins Netz stellen und die entsprechenden Sachen streamen? Dann bräuchte man nicht extra in die Stadt fahren und auch nicht warten, bis die DVD wieder zurück käme. Oder wenn die e-Books allgegenwärtig sind, dann bräuchte man kein Buch mehr zu kaufen. Müssten dann Bibliotheken geschlossen werden?
    Kann ein Architekt, der ein schönes Haus gebaut hat, an dem sich viele Menschen erfreuen, auch von jedem immer wieder Geld verlangen, die daran vorbei gehen?

    Aber der Künstler muss auch leben können. Von seiner Leistung leben können, wie jeder andere auch. Aber wann hört seine Leistung auf? Mit dem Einspielen der Songs? Mit der Entwicklung seiner Fotos? Oder gehört die, keine Kosten machende, Vervielfältigung auch noch dazu? Der Handwerker wird auch nach seiner Arbeitszeit entlohnt. Und wenn er immer wieder Geld braucht, dann muss er halt immer wieder sein Handwerk an den Mann bringen.

    Fragen über Fragen.

  2. Das Urheberrecht in Sachen Musik vertritt bei uns die GEMA. Die GEMA ist ein eine Organisation, die Copyright-Verstöße verfolgt und anhand Geld an ihre Mitglieder verteilt. Dabei geht eine Menge Geld für Verwaltungsarbeiten drauf. Davon sehen die bei der GEMA registrierten Künstler nichts.

    Wenn man ein Musikstück im Internet zur freuien Verfügung stellt und dazu aufruft, bei Gefallen eine Spende zu leisten, dann kann man das ja auch selbst organisieren (Läuft bei den Machern von Noscript für Firefox ganz gut) und zu Spenden aufrufen.

    Meiner Meinung nach hat die alte Welt der Zwischenhändler ein Problem. Aber ich bin nicht wirklich sicher, ob man Zwischenhändler heute noch braucht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Meiner Meinung nach hat die alte Welt der Zwischenhändler ein Problem. Aber ich bin nicht wirklich sicher, ob man Zwischenhändler heute noch braucht."

    Lieber Einar, die Zwischenhändler heißen jetzt Google, Facebook und Co. ... und natürlich die Lobby der Filehoster. Die verdienen mit Content Geld. Von wem der stammt ist ihnen generell egal. Ein sehr einseitiges Geschäftsmodell ...

    • Dogz
    • 08. Mai 2012 19:19 Uhr

    Ich denke man kann sich darauf einigen, dass das Internet eine riesen Chance für alle Künstler darstellt sich selbst, ohne große Labels, zu vermarkten. Dazu bedarf es allerdings einigen strategischen Denkens und vor allem des Aufbaus eines Netzwerkes. Es ist allerdings nicht die Aufgabe des Kunden solche Marktplätze zu schaffen.
    Außerdem wurde ein ganz wichtiger Aspekt in diesem Artikel gar nicht angesprochen: Werbung. Google und Facebook verlangen keinen cent von Ihren Nutzern und erwirtschaften Milliarden, wieso ist etwas ähnliches nicht für Musiker denkbar? Spotify und andere machen es doch vor. Die die jammern sind wohl doch eher nur diejenigen die an einem solchen Modell nix mehr verdienen würden. Die Plattenfirmen.

    • Peip
    • 08. Mai 2012 19:20 Uhr

    Künstler brauchen ein Urheberrecht - vollkommen richtig. Nur wie soll es aussehen?

    Da muss man doch ein paar Antworten haben. Die Musikindustrie fodert in der Konsequenz eine strengere Überwachung von Netz und Einzelpersonen, als sie in China
    herrscht. Wer für seine kommerziellen Interessen so vorprescht, muss sich nicht wundern, wenn er mächtig Gegenwind bekommt.

    Und als Dämpfer: Beleibe nicht jeder Mensch ist echter Musikfan. Vielen reicht das Radiogedudel und die Top 10 vollkommen aus.

    Ich zum Bsp. dafür kann ich mir von Musikern, deren Namen und Songs ich noch nie gehört habe, sagen lassen
    das Netz würde sie berauben. Im Endergebnis wollen einige dieser Leute eine neue Steuer (Flatrate) auch von Leute,
    die sich Null für ihre Künste interessieren. Klasse Idee.

    Und ein Paar andere Dinge: Wer musste dann unbedingt CD-s verkaufen, die technisch gar keine CD mehr waren -
    und im Auto gar nicht mehr funktionierte? Wer will den Käufer dann immer mehr beschuppsen, und kein Eigentum
    sondern nur noch windelweiche Lizenzen übetragen? Wer will den von You Tube mehr Lizenzgebühren, als die Einnhamen haben.
    Und ist dann auch noch beleidigt, wenn Youtube gesetzeskonform sagt: Na dann eben nicht?
    Das sind Musiker und ihre Verwertungsindustrie. Meinetwegen kann man das so machen, aber moralischen Kredit hat man dann bei mir nicht mehr.

  3. Schätzungsweise ein Prozent oder weniger aller Musiker und Autoren von Büchern können allein von ihren Einnahmen leben, Pirate Bay hin, YouTube her. Wir zahlen, zahlen, zahlen, auf Drucker, Rohlinge, USB-Sticks, Festplatten, demnächst wahrscheinlich auf Internet-Zugänge. Dass die Musiker und Schriftsteller wenig oder nichts davon abbekommen, ist sicherlich nicht Schuld der Konsumenten, die überhaupt keinen Einfluß darauf haben. Worauf ich hinaus will: die Konsumenten werden kriminalisiert, obwohl nur ein Bruchteil von ihnen überhaupt weiß, was Filesharing bedeutet.

    • friesk
    • 08. Mai 2012 19:42 Uhr

    Ich finde es toll das hier wieder jemand jammert er würde so wenig verdienen.

    Aber was ist die Antwort der Rechteinhaber? Ein abschreckendes DRM-System, No-Cd´s, nervige Spots und ewige Dauerermahnungen für ehrliche Käufer.

    Warum räumen die Kreativen nicht erstmal kreativ bei der Gema auf und sorgen dafür das deren Gelder "gerechter" verteilt werden.

    Und die Abmahnanwälte sorgen sicher nicht für mehr Geld bei "Kreativen". Und wenn mal wieder ein Familienvater tausende von Euro wegen der Dummheiten seines Sohnes abdrückt wird er hinterher sicherlich kein Freund der Musikindustrie sein.

    Als Letztes: Wer ist dieser Typ eigentlich und warum soll ich ihn bezahlen?

  4. funktioniert nicht so, wie in seiner Utopie beschrieben.

    Angenommen, ein Tischler baut einen hässlichen Tisch mit zwei Beinen. Niemand kauft den.

    Sollte der Staat diesen Tischler über Steuern stützen?

    Ich finde, der Tischler sollte einen Tisch bauen, den der Bauer auch mag, dann ist dieser sicher bereit, ihn für Essen einzutauschen :)

    Manchmal muss man das simpel ausdrücken, wenn die Leute in ihrer Musik verloren sind.

    Gute Musik wird immer ihre Anhänger haben und gute Musiker werden immer genug Kokain schnupfen können.

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