Musik ist eine Kunstform, die überall auf der Welt geliebt und geschätzt wird. Man hört sie, um seine Stimmung zu heben und seine Identität zu definieren. Verbotene Musik wird geschmuggelt. Gute Musik bringt Menschen zum Lachen und zum Weinen, man spielt sie wieder und wieder. Musik ist die Grundlage unserer Kultur und unserer Ausdrucksmöglichkeiten. Da ist es doch merkwürdig, dass nur so wenige Menschen ihren Lebensunterhalt allein aus Musik bestreiten können.

In meiner Utopie wird Musik von einer Vielzahl und Vielfalt von Menschen gemacht. Wer Musik schafft, ist angesehen als ernstzunehmender Geschichtenerzähler und nicht bloß Hobbyist. Institutionen, die solche Produzenten zutiefst berührender Schwingungen ausbilden und trainieren, werden anerkannt und finanziell unterstützt. Die Unabhängigkeit und Vielfalt medialer Kanäle wächst mit jedem Jahr, ebenso wie die Qualität dieses wertvollen Kulturguts. Seine Mannigfaltigkeit vervielfacht sich jeden Tag.

Ähnliches haben Netzutopisten vor mehr als zehn Jahren versprochen: die Demokratisierung von Musik, das ungehinderte Teilen kultureller Informationen, das Ende der dominierenden Major Labels, direkter Geldfluss zu den Künstlern. Falls für kopierte Songs kein Geld fließt, würden Künstler online ihre T-Shirts verkaufen oder auf endlose Konzerttourneen gehen oder einen Brotjob annehmen und keine Zeit mehr haben, um neue Songs zu schreiben. Es ist wenig verwunderlich, dass viele Musiker dieser Utopie mit Skepsis begegneten.

Tatsächlich sind Netzregulierung und Stärkung von Urheberrechten unausweichlich und erwünscht, aber ihr Ziel sollte stets sein, kreatives Schaffen zu fördern. Applaus allein genügt einem Künstler nicht, um sein Leben der Arbeit widmen zu können; früher oder später braucht er Geld. Netzregulierung könnte eine Lösung sein.

Das Urheberrecht, obschon es dringend einer Reform bedarf, soll seit jeher den Kreativen dienen, Vielfalt pflegen und finanzielle Beteiligung stützen. Dank des Urheberrechts können die Produktionskosten gerecht auf viele Konsumenten verteilt werden. So kann mehr Musik entstehen und zu geringerem Preis verteilt werden. Denn freilich, eine CD ist günstiger als der Unterhalt eines Orchesters.

Der naturgemäße Eigentumsanspruch bestätigt die Urheber als wichtige Wirtschaftsakteure. So können sich vielfältige Märkte entwickeln. Aber nicht nur das. Der Schutz des Urheberrechts ist auch außerhalb des Marktes von großer Bedeutung.

Andrew Orlowski vom Technikmagazin The Register, mit dem ich meine Thesen diskutiert habe, drückt es so aus: "Es gäbe keine Märkte ohne Eigentumsrechte. Die Kreation ist Ausdruck und Eigentum des Individuums. Dies entspricht der Version des Urheberrechts, das die Franzosen erfunden haben und das in der Menschenrechtskonvention festgeschrieben ist. Das Werk gehört den Urhebern." Weiter sagt er: "Analog dazu ist Datenschutz nicht denkbar, ohne jegliche Aktion als Ausdruck eines Individuums zu verstehen, dem die Daten gehören und das deren Verwendung genehmigt." Deshalb ist die Befürwortung einer Abschaffung des Urheberrechts gefährlich eng verknüpft mit der Abschaffung des Datenschutzes.