Allzu oft habe ich dieses Argument meinen Freunden im Internet entgegnet, bis mein Eifer langsam schwand. Ich fragte mich, wie viele andere Künstler auf der Welt so dachten, aber vielleicht den Mund hielten – aus Angst, ihre Fans zu vergraulen.

Ungefähr zu der Zeit, als die Acta-Proteste begannen, entwarf ich ein paar e-Cards mit Worten aus Künstlerperspektive, bunt und dialogorientiert. Dann sicherte ich mir den Namen Copylike.org, lud die Karten hoch und stellte dazu ein Manifest zur Stärkung der Rechte von Kreativen.

Ein paar bekannte deutsche Elektromusiker fanden es noch am selben Abend auf Facebook. Es verbreitete sich rasant über ihre unendlichen Freundeslisten und erfuhr viel mehr positive Resonanz von Fans, als ich erwartet hatte. Es gab auch viele feindselige Kommentare, aber es hatte den Anschein, also ob die Kreativen verstanden hatten, warum sie ihre Rechte verteidigen sollten. Und sie waren bereit, sich lautstark darüber zu streiten.

Das Urheberrecht ist keine fiese Waffe der großen Konzerne, es ist die Waffe des Künstlers gegen Ausbeutung. Wir müssen das Urheberrecht erneuern, um zu diesem Grundsatz zurückzukehren und ihn ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Damit die bestmögliche Musik und daraus der größtmögliche gesellschaftliche Nutzen entstehen können, sollte es Musikern möglich sein, ihre Werke auf einem sinnvoll regulierten Markt zu vertreiben, unabhängig von der Dominanz einiger weniger Großkonzerne.

Für die meisten Musiker ist es schon eine Utopie, überhaupt ihren Lebensunterhalt zu verdienen, als Schöpfer ihrer Werke anerkannt zu werden und mit einer Vielfalt guter Musik das Leben der Menschen zu bereichern. Dazu braucht es einen lebhaften, pulsierenden Marktplatz.

Da kommt wieder Orlowski ins Spiel: "Warum wollen wir Märkte? Weil sie der Öffentlichkeit eine unglaublich vielgestaltige und große Bandbreite kultureller Güter bieten. Wenn sich solche Märkte nicht entwickeln können, bleibt nur die Alternative: privatwirtschaftliche und staatliche Patronage für ganz Wenige und politisch Erwünschte – und ein paar Almosen für Straßenmusiker. Alle anderen, die große Mehrheit, sind Amateure. Der Markt bietet außerdem solchen Künstlern ökonomische Unabhängigkeit, die nicht von Mäzenen unterstützt werden. Er sorgt für ein Leben in Würde und Zeit für kreative Prozesse. Ohne die Märkte haben künftige Generationen talentierter Menschen weniger Möglichkeiten."

Aus dem Englischen von Rabea Weihser