Debatte ums Urheberrecht : So funktioniert der Musikmarkt

Alle reden über Urheberrechte und neue Bezahlmodelle im Internet. Wie läuft eigentlich das Musikgeschäft?

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts standen im Zentrum der Musikindustrie fünf große Plattenkonzerne samt ihrer Musikverlage, die die Wertschöpfungskette von der Beschaffung kreativen Materials (Artist & Repertoire), über die Musikproduktion in Tonstudios, die Herstellung von Tonträgern in Presswerken, deren Verbreitung über Vertriebsnetzwerke sowie Marketing & PR kontrollierten. Aber schon 1999 war der Begriff Plattenkonzern bereits antiquiert, weil an die Stelle der Schallplatte die CD getreten war, auf der Musik in digitaler Form gespeichert war. Damit war bereits der digitale Paradigmenwechsel in der Musikindustrie technologisch angelegt, was aber nur wenigen Protagonisten der Branche tatsächlich bewusst war.

Es musste erst einmal der Napster-Schock eintreten, der ihnen bewusst machte, dass sich Musik als Datenpaket frei über Computernetzwerke verbreiten kann. Die Abwehrhaltung gegenüber Musik-Filesharing, die sich in der rechtlichen Verfolgung von Musiktauschbörsen und schließlich auch von individuellen Filesharern zeigte, brachte wenig.

In Ermangelung eigener funktionstüchtiger und nutzerfreundlicher digitaler Musikangebote warf sich die Musikbranche in die Arme des Computerherstellers Apple, der 2003 mit dem iTunes-Musikstore erfolgreich vormachte, wie die Musikdistribution im digitalen Zeitalter funktioniert. Zwar brachte der Musikdownload zu 99 Cent dem Konzern bestenfalls eine schwarze Null ein, aber über den Umweg des Verkaufs von Speicher- und Abspielgeräten etablierte sich ein Geschäftsmodell, in dem Musik nur mehr indirekt zur Wertschöpfung beiträgt.

Über den Autor

Peter Tschmuck ist Professor für Kulturbetriebslehre am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM) der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Musikwirtschaftsforschung und der Ökonomie des Urheberrechts.

Das Ergebnis war, dass Apple bis zum heutigen Tag mit einem Marktanteil von 70 bis 90 Prozent (je nach Land) den digitalen Musikmarkt dominiert. Mittlerweile sind weltweit an die 500 Musikdownloadplattformen und Streamingservices aktiv. Völlig neue Akteure wie der Internethändler Amazon, die Suchmaschine und Mikrowerbeplattfom Google, diverse Telekommunikationsanbieter und Internetserviceprovider sind in den Musikmarkt eingetreten. Der Trend geht dabei in Richtung der Zugangskontrolle zur Musik, wie im Fall der Streamingangebote Spotify, Simfy oder Deezer und lernender Internetradios wie Pandora.

Diese leiden ähnlich wie die Download-Plattformen darunter, dass sich die Musikverlage – und dabei handelt es sich vor allem um die Major-Verlage – die Nutzungsrechte an den Musikstücken teuer abgelten lassen. Dabei wird die Verschiebung der Gewichte auch innerhalb der Musikkonzerne sichtbar. Deren Verlage, die vor noch nicht allzu langer Zeit lediglich als Zulieferer des kreativen Inputs fungierten, tragen immer mehr zur Erwirtschaftung des Gewinns bei, wohingegen die phonografischen Sparten an wirtschaftlicher Relevanz eingebüßt haben.

Dabei wurde die Produktion und Herstellung von Tonträgern fast gänzlich ausgelagert und auch die Vertriebswege für das physische Produkt werden immer öfter von Fremdfirmen betrieben. Stattdessen ist man in den Majors bemüht, neue Geschäftsfelder wie das Booking, Management bis hin zum Veranstalten für sich zu erschließen.

Die Zahl der Konzerne ist nach der Filettierung des Traditionsunternehmens EMI – der Verlagsarm ging an Sony/ATV Publishing und die phonografische Sparte an die Universial Music Group – auf drei geschrumpft. Die verbliebenen Unternehmen – Universal Music Group (UMG), Sony Music Entertainment und Warner Music – sind dabei allesamt Teil multinationaler Konglomerate. Die Umsatz- und Profitanteile, die sie für diese Multikonzerne erbringen, sind nicht unbedingt von Relevanz. Es stellt sich also durchaus die Frage, ob nicht weitere Eigentümerwechsel bevorstehen? Kandidaten dazu gäbe es genug. So könnte der Veranstaltungsriese Live Nation, der bereits mit sogenannten 360-Grad-Verträgen (beispielsweise mit Madonna oder Jay-Z) in die Musikproduktion eingestiegen ist, sein Portfolio um den Rechtehandel erweitern.

Noch liegt der Schwerpunkt von Live Nation im Veranstaltungs- und Ticketinggeschäft, das in den letzten Jahren geboomt hat. Vor allem für die Künstlerinnen und Künstler wurden Konzerte zu den Haupteinnahmequellen. Allerdings sind auch in diesem Segment der Musikwirtschaft die Bäume nicht in den Himmel gewachsen – der Markt hat sich auf hohem Niveau stabilisiert.

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Was ein Geblubber!

Sehr geehrter Herr Tschmuck!
Diesen Artikel hätten Sie sich genau so sparen können. So wie Sie es beschreiben funktioniert der Musikmarkt jedenfalls nicht.... vor allem nicht in seiner ganzen Bandbreite.

Gehen Sie mal in die Praxis und lesen Sie nicht nur Auswertungen und Tabellen.

Was ein allgemeines Geschwurbel und Geblubbere... und dabei so ungenau, pauschal und die immer größere Vielfalt im Musikmarkt nicht berücksichtigend.

Vom Regen in die Traufe

Mag sein, dass die Multikonzerne an Macht und Einfluss verlieren. Die Vorstellung jedoch, dass die Musiker nun selbst wieder stärker über ihre Werke verfügen, würde ich zur Disposition stellen. Die Vermarktung und die Wahrnehmung der Rechte erfordert Sachkenntnis, Zeit und Beharrlichkeit. Wer möchte sich schon darum kümmern, wenn sie/er doch alle Kraft für das künstlerische Schaffen einsetzen möchte?

Also werden am Ende vor allem professionelle Verwerter zum Zug kommen. Und natürlich die GEMA. Aber das ist ein anderes Trauerspiel.

@ 3 Pueckler FM

Wieso vom Regen in die Traufe? Da sehe ich die Vorteile des Internet. Die Angentur ist leichter erreichbar, es gibt mehr Agenturen, ergo kann sich die die Konkurrenz vergrössern und damit vielleicht der Zwang zum "fair Deal".

Es ist doch nicht so, dass die Dienstleistung "Musikerbetreuung" per se schlecht wäre, und nur der Roadie seine Berechtigung hätte, weil vielen Musikern
schon die Körperkraft fehlt, um die Instrumente zu schleppen.

Zu dem Gesichtspunkt hätte ich eben gerne mehr gehört. Es muss halt auch um Geld gehen, denn lanständig leben sollder Künstler auch. Er muss eben erfolgreich sein.

Aber ich bin halt der Auffassung, dass nur der urheberechtlich Geschützte, auch wenn er sein Urhebbercht abgeben muss, die Chance auf Unabhängikeit hat und anderenfalls die Kunst wieder seicht oder zum elitären Museums- oder Konzertsaalereignis wird für die Sponsoren die früher Fürsten waren und heute Reiche heissen.

Und selbst jedes Konzert, was sich nicht auf der Strasse oder in der Kneipe abspielt, kostet möglicherweise mehr als das was man einnimmt, wenn man die eigenen Kosten abrechnet. Und was rüber hinaus geht, muss vorher finanziert werden.

Da könnte natürlich die etablierten Großverdiener einsprigen, was ja auch welche schon tun. Aber noch mal, über diese Wirtschaftsaspekt hätte ich gern mehr gelesen.

Enttäuschend

"Heute können Künstler und Künstlerinnen beziehungsweise ihr Management die digitale Distribution ihrer Musik selbst organisieren über Content Aggregatoren (Rebeat, The Orchard, Tunecore), die den Zugang zu den Download- und Streamingportalen gewährleisten.

Sie können auch die Werbe- und PR-Arbeit von professionellen Agenturen erledigen lassen und dabei gleich auch das virale Marketing über Blogs und Social Media Plattformen (Facebook, Google+, YouTube) mitgestalten".

Und wann machen die Musik, wer finanziert die Konzerte vor, und wie kann Künstler das alles bezahlen? Bankkredit im Lichte von Basel III? Eltern? Diese Defizit beheben doch die bösen "Verwerter".

Genau dieser Punkt ist ein ganz entscheidender, wenn man über "Selbstverwertung" und auch das Urhehebererecht spricht. Aber da wird mal gezeigt was geht aber nicht wie. Geld bleibt aussen vor und der Künstler arbeitet mit den Mitteln Lust und Liebe.

Enttäuschend von jemandem, der das Geschäft erklären will. Crowfounding mag im Kleinen ausreichen, aber vielleicht ist das eh das Ziel. Jedem seine Chance aber alle gleich arm. Oder wer die bessere Zusatzidee verkaufen kann gewinnt.
Musizieren für den Regenwald.

Wirtschaftskompetenz muss sogar der Arzt haben. Aber die Praxis finanziert sich nicht von allein.

Und die Nutzung kreativer Leistung gabs schon immer. Filmmusiken und sonstiges. Vielleicht fehlt der Satz: Auf die grundsätzlich kostenlose Nutzung seiner Leistungen muss sich der Künstler einstellen.

interessant,

,wie hier auf Hr. Tschmuck gewittert wird. Das zeigt wie groß Verwirrung und Verängstigung gleichermaßen sind. Die Ursache hierfür ist, daß das Geschäft, wie im Artikel richtig beschrieben von ein paar Großkonzernen betrieben wurde, die dem Musiker die wirtschaftliche Kompetenz abnahmen. Wer sich als Musiker lang genug im Business hielt, durfte dann Erfahrungen und Wissen sammeln. Heute ist dieses traditonelle Verständnis dem Heer der Eintagsfliegen verwehrt, und ein aktuelles Verständnis des derzeitig engen Verwertungs-Tunnels und seinen Verteilungskämpfen äußerst uneffektiv. Denn wie will man an diese Pötte ran, vor denen sich die Großverleger, eine konkurrenzlose Verwertungsgesellschaft wie die GEMA, und Entertainment-Konzerne aufbauen.
Klar, die Wahrheit ist ernüchternd - der Musiker rückt selbstverantwortlich ins Zentrum der Verwertung, ist verantwortlich für die Promotion (welch ein Glück - man brauch sich nicht mehr von der Marketingabteilung profilieren lassen), und muss über die Downloadmargen verzweifeln, die die Konzerne damals katastrophaler Weise mit Apple ausgehandelt haben. Auch das ist richtig beschrieben - Medien verkaufen sich derzeit besser als Inhalte.
Der Schutz des Urheberrechts steht ausser Frage. Die Alleinherrschaft der GEMA darf hinterfragt werden, die leider nicht in erster Linie den Künstler schützt sondern vor Allem die Großverdiener und den eigenen Apparat. Der Musiker ist näher an seine Fans gerückt, näher an die Verwertung und doch so fern.