Boom badoom machten die Herzchen von Sophie Grace (8) und ihrer Cousine Rosie (5) im Oktober vergangenen Jahres. In plüschrosafarbenen Prinzessinenkleidchen brachten die Mädchen das Publikum zum Toben. In der amerikanischen Ellen DeGeneres Show sang Sophie, mental und tänzerisch von Rosie unterstützt, den Nicki-Minaj-Song Super Bass . Nicki selbst kniete neben ihnen, Rührung im perückengerahmten, von zentimeterlangen Kunstwimpern überdachten Gesicht. Kurze Zeit später schuf Mattel eine Nicki-Minaj-Barbie. Ein Einzelstück, das dann im Beverly Hilton in Los Angeles versteigert wurde – Charity.

Im Februar durfte Nicki Minaj zusammen mit M.I.A. Madonnas Super-Bowl-Show schmücken. Minaj war für Puschel und Rap-Einlagen zuständig. Lil Wayne hat sie entdeckt, für Mariah Carey , Britney Spears oder Rihanna hat sie gesungen. Ihre Popkarriere ist zu großen Teilen Netzwerkpolitik. Wenige Tage nach dem Super Bowl trat sie mit dem ersten Song ihres aktuellen Albums bei der Grammy-Gala auf. In Anlehnung an den Film Der Exorzist ließ sie sich den Dämon aus dem Körper treiben. Kanzel, Kirchenfenster, Mönche – und während im Beat das Weihnachtslied Oh Come All Ye Faithful schallte, marschierte ein Bischof auf die Bühne. Beim jüngsten Takt entschwebte Nicki in den Bühnenhimmel. Ohne Frage: Hier vereinen sich Porno-Rap und Disneyland zum Family-Entertainment. In einem Land, in dem Eltern vor zwei Jahren die Ausstrahlung des Katy-Perry-Auftritts in der Sesamstraße wegen eines angeblich zu tiefen Dekolletés verhinderten. Und die trug statt barer Brust hautfarbenen Stoff.

Pink Friday. Roman Reloaded heißt Nickis zweites Album. Gleich der erste bei den Grammys vorgestellte Track ist hyperaktiver Pop-Hop. Mit einer Sängerin, die mühelos zwischen Rap und Soul umschaltet und so große Spielfreude an manischen Stimmfiguren hat, dass bisweilen Nina Hagen aus ihr spricht. Über den digitalen Sirenenbackground von Come On A Con e geht es zur Konfrontation: I Am Your Leader . Flankiert von Cam'Ron und Rick Ross läuft die Chefin der street fighting bitches auf. Spätestens mit Starship lässt Minaj dann alle Pop-Hemmungen fallen, und im Beat von Whip It klatscht so fröhlich die Peitsche, dass der Track mit Madonnas Sadomaso-Spielchen gleichzieht.

Die Überraschung des Anfangs ist da schon eine Weile dem Formatradio-Sound gewichen. Und dabei bleibt es. Die große zweite Hälfte dieses Albums dominiert der Disco-Pop. Allerdings: Doppelgesichtigkeit ist eine Stärke, an der stimmlich schon viele scheiterten. Wer sich traut, den Rappelzappel-Rap neben die Discosoul-Nummer zu stellen, der erreicht, dass seine Platte durch die amerikanischen Haushalte gereicht wird.


Stupid Hoe – exemplarisch für die Imagekonstruktion der Minaj (sprich: Minahsch ) ist dieses Video, der Song ein krasser Rausschmeißer auf ihrem Album. Aus dem zur Künstlichkeit geschminkten Gesicht, kullern die Sätze wie aus einem Automaten. Der Beat fiept, blubbert, quietscht, als wären im Spielzeugladen sämtliche Batterien eingelegt worden. Diese Sängerin ist höchst flexibel. Als Spieldosenballerina steht sie auf einem Bein, das andere hält sie mit ungerührter Miene hinter ihrem Kopf. Und wenn die digitale Bildbearbeitung mitspielt, werden ihre Augen zu Scheiben aufgeblasen, sodass sie an die Blythe-Puppe erinnert, die Anfang der Siebziger amerikanischen Kindern Alpträume bereitete.