Nachruf Adam YauchAuf den Tod reimt sich nichts

Der Beastie Boy Adam Yauch war einer der erfolgreichsten Musiker der letzten 20 Jahre – vor allem aber ein Visionär, der die Leute zusammenbrachte.

Unfassbar seltsam fühlt sich das an. Wie die plötzliche Nachricht, ein Superheld oder eine Comicfigur sei gestorben. Die Beastie Boys, Tick, Trick und Track der Rapmusik: Sie sind nur noch zu zweit. Die grässliche, klinische Realität ist eingebrochen in ein Universum aus Cartoon-Dialogen und Reim-Wettbewerben; den schönsten Sneakers der Welt und den höchsten Videospiel-Highscores; aus gigantischen Meerschweinchen, die Spielzeugstädte plattmachen, und einer Art von Jungsfreundschaft, die man dann am stärksten spürt, wenn man sich nach einem wilden Hardcore-Punk-Konzert stumm, froh und verschwitzt auf die Schultern klopft.

Wer das nicht glaubt, muss nur die gigantische Welle der Anteilnahme und Wehmut beobachten, die seit Freitagabend durch Facebook und Twitter rauscht. Seit bekannt wurde, dass Adam Yauch, der aus Brooklyn/New York stammende Rapper, Bassist und Gründer der Beastie Boys, der erfolgreichsten und bekanntesten weißen Rap-Gruppe aller Zeiten, im Alter von 47 Jahren gestorben ist.

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Es sind nicht einmal die aus aller Welt eintreffenden Kondolenz-Botschaften von Prominenten wie Justin Timberlake, Ben Stiller, Milla Jovovich oder Lance Armstrong, die einen daran erinnern, dass dieser Mann im Team mit seinen zwei Crew-Kollegen viel, viel mehr war als ein großartiger Musiker. Es sind die Kommentare, in denen sich sehr alte Freunde gegenseitig vom Beastie-Konzert in der Unterfrankenhalle Aschaffenburg vorschwärmen, das sie 1995 gemeinsam erlebt haben. Oder das Bekenntnis eines heute Mitte-Dreißig-Jährigen, das psychedelisch-irre Video zu So What'cha Want habe ihn mit einem Riesen-Bäng aus der Slacker-Lethargie geweckt, als er es 1992 zum ersten Mal auf MTV sah.

Erweckungserlebnis Punk-Konzert

Die Kommentare zeigen: Adam Yauch, der nun an den Folgen einer vor drei Jahren diagnostizierten Ohrspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung starb, war ein großer popkultureller Socializer. Einer, der Leuten die Augen öffnete und sie zusammenbrachte.


Don't Play No Game That I Can't Win ft Santigold Episodic

Beastie Boys | Myspace Music Videos

 
Yauch selbst, Sohn eines jüdischen Architekten und einer katholischen Sozialarbeiterin, hatte sein Heureka-Erlebnis mit 16 Jahren, bei einem Auftritt der Punkband Black Flag in New York. Am 5. August 1981, seinem 17. Geburtstag, feierte seine eigene Gruppe Beastie Boys ihr Debütkonzert, damals noch im Rock-Outfit mit Gitarren und mutwillig schiefem Gesang. Dass man auf die Art nicht mehr allzu viel Subversion stiften konnte, wurde ihm und den Freunden bald klar. Gemeinsam mit dem DJ-Kumpel Rick Rubin – heute einer der bedeutendsten Musikproduzenten der Welt – krempelten sie sich zum Chaoten-Rap-Trio um. Für weiße Mittelklasse-Bübchen war das damals eine revolutionäre, höchst konfrontative Idee.

Im Jahr 1985, noch bevor sie ein Album veröffentlicht hatten, nahm Madonna die Beastie Boys als Vorgruppe mit auf Tour. Das Publikum hasste sie und buhte sie von der Bühne. Zum Abschluss stürmten die drei den Auftritt der jungen Diva, bespritzten sie mit Wasserpistolen. Madonna kreischte vor Freude.

Der Erfolg kam noch schnell genug: Das erste Album Licenced To Ill von 1986 verkaufte sich knapp zehn Millionen mal, die erfolgreichste Hip-Hop-Platte der Achtziger. Wie die Beastie Boys sich dann von Partycrashern und Furzanzündern zu Sound-Impressionisten, Jazz-Rap-Pionieren und Retro-Futuristen mauserten, die am Ende auch höchst komplizierte Platten auf die amerikanische Chart-Nummer-Eins wuchten konnten; wie sie sich mit ihrer eigenen Firma und Streetwear-Marke Grand Royal als vor Fantasie sprühende Unternehmer profilierten – das ist oft erzählt worden.

Gentleman, Buddhist und cooler Connaisseur

Dabei war Adam Yauch all die Jahre der Gentleman der Gruppe. Seine Haare ergrauten früh und edel. Als bekennender, unironischer Buddhist organisierte er unter anderem 1996 das Tibetan Freedom Concert in San Francisco. Als Regisseur drehte er unter dem Alter Ego Nathanial Hörnblowér, angeblich ein Schweizer Hinterwäldler, zahlreiche Videos für die Boys, unter anderem das legendäre So Wat’cha Want. Die schon immer leicht räudige Stimme konnte man gut heraushören zwischen den gellenden Organen seiner Partner Michael Diamond und Adam Horovitz, wenn er Reime über Käsesorten oder Gehirnchirurgie drosch.

Auch mit Sneakers und Weinsorten kannte er sich aus, ein cooler Connaisseur, genau wie seine mit ihm alternden Fans, die ein Leben lang aufs Schönste hin- und hergerissen waren zwischen Nerd-Kultur und dem verstohlenen Blick aufs große Ganze, der auch die Musik der Beastie Boys immer mehr prägte, bei aller Albernheit.

Im April 2004, bei einer kleinen Pressekonferenz, die die Beastie Boys zur Veröffentlichung ihres Albums To The 5 Burroughs in Berlin gaben, fragte ein Journalist mit leicht väterlichem Ton, wann die drei denn endlich ihr Rapper-Jungs-Getue aufgeben würden. Adam Yauch, im kurzärmeligen Casual-Business-Hemd, mit silbern leuchtendem Schopf, antwortete ohne Nachdenken: "Übernächsten Donnerstag. Dann knipsen wir das aus."

Jetzt ist es tatsächlich passiert. Darauf reimt sich nichts.

 
Leserkommentare
  1. Entfernt, da pietätlos. Die Redaktion/sh

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  2. Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Artikelthema sachlich. Danke, die Redaktion/mk

  3. 3. [...]

    Bitte bleiben sie beim Thema. Danke, die Redaktion/mo.

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  4. aber die schönen Erinnerungen können einem nicht genommen werden, sie bleiben!

    R.I.P.
    ~MCA~

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  5. ... man versteht ungefähr, was es heißen soll, aber als Metapher nicht wirklich gelungen. Wer überlebt, findet auf alles noch einen Reim, wenn er will.

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    das Erbe überlebt.
    Das ist letztlich alles, was den Kreativen bleibt.
    Und das macht diese Schaffenden so gesehen unsterblich!

    das Erbe überlebt.
    Das ist letztlich alles, was den Kreativen bleibt.
    Und das macht diese Schaffenden so gesehen unsterblich!

  6. Ich hatte keine besonders innige musikalische Beziehung zu den BBoys, obwohl ich sie stets geschätzt und damals live in Essen gesehen habe. Jetzt, rückblickend, wird mir klar, dass ich sie auch stets unterschätzt habe. Ruhe in Frieden, Adam.

  7. das Erbe überlebt.
    Das ist letztlich alles, was den Kreativen bleibt.
    Und das macht diese Schaffenden so gesehen unsterblich!

    6 Leserempfehlungen
  8. Entfernt, da pietätlos. Die Redaktion/mk

    Eine Leserempfehlung
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    ich bin Fan seit ich 13 war, nur die Überschrift ist doof.

    RIP

    ich bin Fan seit ich 13 war, nur die Überschrift ist doof.

    RIP

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