Das große Geld schwimmt im Hauptstrom. Dort, wo Musik als Ware in einem kommerziellen Markt gehandelt wird, streiten Kreative, Rechteinhaber, Verwerter und Konsumenten um eine Reform des Urheberrechts. Nicht zuletzt geht es um eine Umstrukturierung der Gema.

Im Nebenstrom ging es nie so direkt ums Geld. Hier sammelten sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr Künstler, die ihre Werke der Allgemeinheit zur Verfügung, also unter Creative-Commons-Lizenz stellen wollten. Aber auch sie müssen irgendwie ihre Brötchen bezahlen. Und sie haben gemerkt, dass an ihrer Musik manch kommerzieller Akteur Interesse hat.

Wo ein Markt ist, sollen auch Tantiemen fließen. Während die Gema derzeit um die Sicherung ihrer bisherigen Existenz kämpft, ist nun der Plan zu einer deutschen Schwestergesellschaft entstanden, die sich allein auf das Online-Geschäft mit Musik konzentriert: Ihr Name C3S steht für Cultural Commons Collecting Society . Sie will Geld einsammeln in einem Zweig, der aufgrund seiner Marktferne oft den Anschein erweckte, hier spielten lediglich Amateure und digitale Hippies, die von Bits und Bytes allein leben könnten.

Weit gefehlt! Netzutopien und Lebensrealität verschränken sich immer stärker, sogar Piraten sehen sich zur Professionalisierung gezwungen. Und das analoge Establishment entdeckt gemeinfreie Kultur. Was, wenn also Mercedes beim Künstler anfragt, ob es den nächsten Werbespot mit seiner Musik unterlegen darf, die zwar unter Creative-Commons-Lizenz steht, aber für den kommerziellen Gebrauch nicht freigegeben ist? Oder wenn ein Radiosender sein Programm aus CC-Musik bestückt und die Urheber dafür entlohnen möchte?

Bisher war es sehr schwierig für den Künstler, an das Honorar zu kommen, denn jedes Mal musste ein Einzelvertrag mit dem Lizenznehmer aufgesetzt werden. "Es gibt da eine große Rechtsunsicherheit", sagt Wolfgang Senges, Mitgründer von C3S. "Der Künstler ist eben kein Jurist. Und selbst Unternehmen, die Musik aus dem CC-Bereich lizenzieren wollen, wissen nicht genau wie, wo und wie lange sie die Werke einsetzen dürfen."

Solche Fragen will künftig die C3S beantworten. Der kommerzielle Nutzer zahlt Lizenzgebühren an die Verwertungsgesellschaft; die wiederum gibt sie – nach Möglichkeit zu 100 Prozent – weiter an das entsprechende Mitglied. Anmelden kann sich erst einmal jeder, der Profi, der Amateur und auch der Prosument, wobei der Grad der kreativen Eigenleistung wohl unterschieden wird. "Konsumenten, die sich aktiv mit der Musik auseinandersetzen und sich kreativ mit ihr beschäftigen, entwickeln aber auch ein anderes Verständnis für den Stellenwert des Urhebers. Wir halten das für den besten Weg, zu einem Umdenken zu kommen und dem Künstler letztlich mehr Tantiemen zufließen lassen zu können."

Die Kritik an der Gema dreht sich immer wieder um den großen Bürokratieapparat, der unterhalten wird. Wie will sich dann die neue Online-Verwertungsgesellschaft finanzieren? In der Anfangsphase sei die C3S auf Fördergelder angewiesen, später wolle sie über die Mitgliedsbeiträge und einen Anteil an den Lizenzgebühren ihre laufenden Kosten decken, sagt Senges. "Wir werden keinen so großen Verwaltungsapparat haben wie die Gema, weil die meisten Arbeitsvorgänge technisch ablaufen." Die C3S geht am Anfang von 5.000 potenziellen Mitgliedern aus. Wenn es erstmal eine Alternative zur Gema gibt, könnte sich auch der Kundenkreis ganz von selbst vergrößern. Später soll die Abwicklung in ganz  Europa funktionieren.

Jetzt wird zunächst Startkapital gesammelt, im Herbst soll die neue Verwertungsgesellschaft gegründet und dann vom Patentamt geprüft werden. Und wie man es von großen Verwaltungsapparaten kennt: Das kann dauern.