Urheberrecht : Kreativität muss sich für Künstler auszahlen

Künstler sollen von ihren Werken leben können, ohne kellnern gehen zu müssen, meint Conrad Fritzsch. Hier beschreibt der tape.tv-Gründer, wie das gehen könnte.

Im Spiegel-Interview hat der Rapper Jan Delay erklärt, dass auch im Netz für gute Musik gezahlt werden muss, da Künstler ihr Herzblut dafür gegeben haben. Er ist der Meinung, dass sich Kreativität für manch junge Künstler kaum noch auszahlt, seit ihre Musik im Internet verbreitet wird. Ekki Maas von den Erdmöbeln dagegen hat im Rolling Stone die Promo-Möglichkeiten von Video-Plattformen wie Youtube gerade für junge Künstler gepriesen. Allerdings, sagt Maas, müssten die Künstler bezahlt werden, "schließlich verdient Google auch mit jedem Click".

Auch das Urteil vor dem Hamburger Landgericht im Verfahren zwischen Youtube und der Gema lässt durchblicken, dass geistiges Eigentum etwas wert sein muss – wir finden, es ist viel wert. Und dort liegt der eigentliche Streitpunkt: Youtube will möglichst wenig bezahlen. Die Gema möchte aber für die rund 64.000 von ihr vertretenen Komponisten, Textdichter und Verlage in Deutschland das Optimum herausholen.

Urheber müssen von ihrer Kreativität leben können, auch ohne tagsüber zu kellnern. Um das zu erreichen, müssen wir neu denken. Ich glaube, dass die Sendelogik zur veränderten Mediennutzung passen muss. Empfehlungen können hier maßgeblich sein, denn sie kommen von Redaktionen, von meinen Freunden oder generieren sich aus meinem Verhalten als Nutzer. Die Songs müssen den User finden: Songs, die seinen Geschmack treffen, die er aber noch nicht kannte. Davon profitieren dann wieder die jungen Künstler. Sie werden vom Nutzer entdeckt, kommen aus der Masse an Angeboten an die Oberfläche. Das erreicht man nicht über ein Suchfeld.

Conrad Fritzsch

Conrad Fritzsch, geboren 1969 in Berlin, hat 2008 zusammen mit Stephanie Renner tape.tv gegründet, um das Musikfernsehen zu retten. tape.tv ist ein Musik-Internetfernsehsender, dessen Programm man als Nutzer personalisieren kann. Eine der ersten Entscheidungen von Conrad Fritzsch war es, das Gespräch mit der Gema zu suchen, um eine Vereinbarung zu erzielen, die auch im digitalen Zeitalter Bestand hat.
 

Wir müssen erkennen, dass für Musiknutzer die Verpackung wichtiger wird. Das heißt: Content is King, aber Package is God. Die Aufgabe der Publisher ist es, Inhalte so zu verpacken, dass User bereit sind, dafür zu bezahlen oder Werbung zu sehen. Die Inhalte müssen sofort, immer und überall verfügbar sein. Gleichzeitig müssen wir Publisher dafür sorgen, dass die User entkriminalisiert werden. Und wir hoffen darauf, dass sich die User der Zukunft darüber informieren, auf welcher Plattform das Streaming fair für den Künstler ist. Die Bezahlung der Künstler – sowie das Geschäftsmodell, das dem zugrunde legt – könnte dann ein echter Wettbewerbsvorteil für jeden Anbieter sein.

Wichtig dabei ist, dass reines Streaming – zum Beispiel von Songs und Musikvideos – nur der erste Teil in einer Kette ist. Es reicht nicht, dass Plattform-Anbieter den Inhalt nur zur Verfügung stellen. Sie müssen darüber hinaus mit redaktionellen Konzepten und Services Geschichten erzählen. Digitale Orte schaffen, an denen sich Künstler zu Wort melden können und neue Inhalte geschaffen werden, anstatt ihren Inhalt einfach nur an der Tür abzugeben.

Und letztendlich ist natürlich entscheidend, wie Publisher Einnahmen mit ihrem Angebot generieren können. Dazu müssen sie auf das veränderte Konsumverhalten der Nutzer eingehen. Menschen nutzen das Internet anders als Fernsehen, das Internetfernsehen anders als das Internet. Für uns Anbieter ergeben sich zwei Möglichkeiten: Bezahlung durch den Nutzer oder mediengerechte Werbeformate.

Wir müssen klären, wie man Geschäftsmodelle im digitalen Bereich schafft, mit denen sich Künstler wohl fühlen, und die es ihnen ermöglichen, ihre volle Kreativität entfalten zu können. Außerdem müssen wir darüber sprechen, wie im Internet die Beziehung zwischen Urheber und Konsument fair geregelt wird. tape.tv kann senden, weil wir uns mit der Gema geeinigt haben. Wer – wie tape.tv – gemeinsam mit den Künstlern das Musikfernsehen neu erfinden will, muss auch dafür sorgen, dass Künstler damit irgendwann Geld verdienen.

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Kommentare

43 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Design, Architektur etc

Wenn ich ein Gebäude entworfen habe, sollte jeder, der es nutzt oder ansieht einen Obolus zahlen. Wenn ich ein Auto entworfen habe, das gleiche.?. Ganz so einfach ist es mit dem Urheberrecht denn nun doch nicht wie manche es meinen. Klar ist auch: ohne Youtube würden die meisten Stars des 20.Jahrhunderts in Vergessenheit geraten sein. Wenn nun ein Rapper nicht von seiner Arbeit von vor einem jahr leben kann und immer noch rappen muss, ergeht es ihm wie allen anderen Schaffenden auch: er muss weiter arbeiten. Das musste sogar Johann Sebastian Bach.

Brot braucht Spiele

"1. Hat sich eigentlich schon mal

jemand Gedanken gemacht wie viel komplzierter es für einen Ingenieur ist sein geistiges Eigentum zu schützen? Das ist nicht so einfach und billig wie bei Künstlern.
Willkommen in der Realität liebe Künstler."

Danke Liebe Ingenieure, für die großzügige Unterstützung!!!

Und bez. Kommentar 6, Danke auch an euch liebe Bäcker!!!

*Sarkasmus aus*

Es geht gar nicht darum, viiiieeeel Geld mit der Kunst zu verdienen, sondern darum, damit zu überleben bzw. das Geld zu verdienen, damit man weitermachen kann, z.b. Musik zu machen.

Genauso unvorstellbar ein Überleben ohne Brot ist, ist es eine Welt ohne Kunst (Musik, Tanz, Malerei....) Zumindest bräuchte ich in diesem Fall kein Brot mehr, sondern nur eine Feuerwaffe, um mir selbst in den Kopf zu schießen.

Ich bin doch ganz ihrer Meinung

vielleicht könnte man das Anschauen eines Gebäudes mit dem hören eines Titels vergleichen. Der Ingenieur muß wie sie sagen auch immer weiter arbeiten um leben zu können.
Und um sich eine techn. Lösung patentieren zu lassen muß man einige Hürden nehmen. Es ist nicht so einfach wir für Rapper X der seine gesampelten Sachen als geistiges Eigentum deklariert.

Wer alte Musik gerne hört...

...und J.S. Bach ins Feld führt, sollte vielleicht nicht von seinem Beschluss ausgehen, der Untergang des Abendlandes sei gekommen. Die Unkenntnis über den Musikstil RAP und den damit verbundenen Aufwand zu Qualität, sowie die Fehlbeurteilung des Einkommens (vermutlich darin begründet nur wenige Rapper überhaupt zu kennen und an diesen wenigen Berühmtheiten das Einkommen abzulesen) sollte als Argument nicht taugen.
Würden sie ihren Kindern empfehlen Rapper zu werden? Ist doch einfach, oder? Gutes Geld mit leichter Arbeit? Würden sie jetzt guten Gewissens "ja" sagen?
Falls nicht, dann überdenken Sie ihre Position zu dem Thema bitte.

tape.tv und Filesharing

tape.tv sehe ich als eine gute Sache und habe es auch schon viel genutzt. Ich habe schon seit einiger Zeit einen AdBlock sowie Ghostery installiert. Anfangs habe ich beide Programme auf tape.tv abgestellt um das Angebot zu unterstützen. Als es aber angefangen hat, dass die Werbung wirklich nach jedem LIed begann, wurde mir das zuviel. Ich meine, Banner an der Seite, ein Spot nach 3 Liedern ist in Ordnung, aber nach jedem Lied? Das gleiche war auch hier auf Zeit Online. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass die Seite 3 oder 4 Trackingdienste beinhaltet und das sehe ich nicht ein.
Ich bin der Meinung, dass Werbung im Internet in Zukunft immer weniger Geld bringen wird, da immer mehr Leute AdBlocks und ähnliches verwenden. Für kleinere Websites (Foren etc.) und Suchmaschinen wird das kein Problem darstellen, doch sobald für den BEtreiber im Verhältnis teure Inhalte gratis angeboten werden (Musik, FIlme, etc.), kann es passieren, dass sich das in ein paar Jahren schon nicht mehr lohnt. Ich kann natürlich nicht in GEschäftsberichte schauen, aber ich weiß auch, dass die Zahl der Nutzer immer mehr steigt. In Zukunft werden immer mehr Leute vertraut mit dem PC sein und werden somit auch die Möglichkeiten ausschöpfen.

Auch, wenn das Modell (CCC) noch nicht geschäftsreif ist, in einer Art Kulturflatrate sehe ich die Zukunft, auch weil Filesharing nicht dauerhaft (auch nicht durch totale Überwachung des Internets wie durch ACTA) eingedämmt werden kann.

Ah, vergessen:

Ich kaufe sowohl CDs als auch die Printausgabe der ZEIT.

Ich wollte das nur anmerken, nicht, dass ich gleich als Filesharer und Zeitungsschmarotzer dargestellt werde. Der KOmmentar ist eine neutrale Meinung eines nur geringfügig betroffenen.

Und ja, DIenste wie Soundcloud oder YouTube sind eine super Promoplattform (besser als tape.tv) und Musiker, die sie richtig nutzen, werden auch durch sie u.U. erfolgreich(-er).

bravo

Selten habe ich einen so unpolemischen und wenig ideologisierten Beitrag zu diesem Thema gesehen (außer bei dem erwähnten CCC).

Es würde allen Beteiligten (ausdrücklich inkl Gema und Filesharer) mittel- und langfristig besser gehen, wenn statt sich in den Gräben zu verstecken und per Lobbying, Geheimverträgen und Klagen auf der einen und immer neuen Filesharing-Methoden auf der anderen Seite, endlich mal ein vernünftiger Dialog stattfinden würde, was wir als Gesellschaft uns für Kunst und Künstler wünschen und wie (gut) wir diese dafür entlohnen wollen.

ps: das soziale Gefälle bei Künstlern ist dabei auch ein bisher völlig unbeachteter Fakt.

CCC und soziales Gefälle

Ich kann mit meinem Wissen nicht beurteilen, ob die Vorschläge vom CCC sinnvoll sind. Ich weiß auch nicht, ob es eine bessere Lösung gibt.
Aber als CD-Käufer bin ich offen für alles. ;)

Achso, was ich vergessen hatte zu erwähnen: Jede IP-bedingte Sperre von Videos lässt sich bei YouTube so leicht umgehen, dass sie sich praktisch sparen können (das ist natürlich von YT beabsichtigt.).

Das mit dem sozialen Gefälle verstehe ich nicht ganz. Ich meine, wer als z.B. Musiker noch nicht erfolgreich ist, der geht normalerweise weiterhin seinem ursprünglichen Beruf oder Studium weiter nach, wer alles auf die Musik setzt, der schafft es, oder er muss wieder in seinen Job zurück (okay, wenn er dies nicht schafft oder bei der Musik bleibt, hat er natürlich ein Problem.). Ich denke dieser Traum vom Musikmachen (erfolgreich!) ist einfach ein Mythos, der dazugehört. Wenn man sich z.B. die GEschichte der Black Keys, Green Day oder auch der Rolling Stones anschaut. dann sieht man auch, dass das schon immer so war. Musik garantiert keine soziale Sicherheit.

soziales Gefälle

Mit dem "sozialem Gefälle" unter Künstlern meine ich das Phänomen, das in unserer Gesellschaft insgesamt vermutlich zu wenig Geld für Kunst (von Musik bis Schauspiel, von Malerei bis digitaler Kunst uvm) ausgegeben wird, und trotzdem eine relativ kleine Elite einen überdimensionalen Anteil von diesen Kuchen abbekommt.

Sicher kann man argumentieren, dass aufgrund von Qualität und Popularität einige Künstler durchaus mehr Anteil daran verdient haben, allerdings neigt unsere Gesellschaft auch dazu diesen Effekt der Verteilungsungleichheit extrem zu verstärken. Dieses Phänomen tritt natürlich besonders extrem da auf, wo hinter der Kunst eine große Industrie steht, die primär nicht an der Kunst selbst, sondern an deren Vermarktung interessiert ist, wie z.B. im Musik- und Filmgeschäft.

Es geht mir also darum, den Verteilungsschlüssel mal zu hinterfragen und ob man da nicht etwas verändern will/kann.

Ja, das stimmt.

Das liegt sicher auch daran, dass z.B. das Radio immer nur die gleiche Musik spielt. Die wird dann auch gekauft, die Künstler werden reich. Die nicht so radiotauglichen Stücke fallen kaum auf und werden eben nur von musikinteressierten gekauft.
Diese Art von Ungerechtigkeit wird aber auch ganz gezielt von den Plattenfirmen hergestellt. Natürlich, für die ist es einfacher von einem Künstler 200.000 Patten zu verkaufen, als wenn sie 20.000 Platten von 10 Künstlern verkaufen. Es liegt einfach dem in der Musikindustrie verwendeten Geschäftsmodell (analog bei den Konzerten, der Bekanntheitsgrad weniger Künstler ist riesig, der Rest fällt hinten runter).

Soziale Gefälle

"[...]Das mit dem sozialen Gefälle verstehe ich nicht ganz. [...]"

Das ist ganz einfach. Nur wenige Künstler (Musiker, Schauspieler, Autoren, Maler, Bildhauer, etc) haben es wirklich geschaft und verdienen genug. Nicht jeder Künstler fängt als "Hobbykünstler" an, viele lernen den Beruf tatsächlich (Schauspieler, Musiker) und können von dem nicht wirklich leben.

Es gibt z. B. Schauspieler, die man fast täglich im Fernsehen sieht und die dennoch gerade soviel verdienen wie ein Hartz IV-Empfänger und im Gegensatz zu den Geringverdienern in der "normalen Wirtschaft" alles noch selber zahlen müssen, weil sie unter Freiberuflich fallen oder als Selbstständig gelten.

Das gleiche gilt für Musiker aller Art.

Um die 80% aller Autoren in Deutschland haben einen Zweitberuf oder sind Auftragsautoren. Es gibt nur wenige Autoren, die wirklich frei sind in dem was sie schreiben und davon auch noch leben können.

Und rate mal warum die Maler und Bildhauer ihre Kunst so teuer verkaufen (auch wenn ich bei einigen am überlegen bin warum das Kunst ist). Nur die wirklich "Großen" sind angekommen und können sich leisten frei zu arbeiten, der rest muss sich mit Auftragsarbeiten oder Zweitjobs rumschlagen.

Und nun überlegt mal WELCHE Künstler weinen.
Richtig, es sind die, die es sowieso geschaft haben (also jetzt in sind). Die anderen, die wirklich freien, die nicht dem Mainstream hinterherlaufen, die wirklich Kunst mahen, die werden immer die Dummen sein. Leider...

Musiker sollten auf dem Teppich bleiben

Ja, wir brauchen eine Neuordnung des Urheberrechts. Wir brauchen eine Neugewichtung, denn die derzeitige hat das Maß des Erträglichen längst überschritten. Eine totale Freigabe steht außer Frage, aber derzeit entbrennt eine Diskussion, die so tut, als ob jene, die sich zu Wort melden von heute auf morgen beim Jobcenter anklopfen müßten. Das ist nicht nur überrieben, sondern auch fast heuchlerisch.

Weder Sven Regener (Element of Crime) noch Jan Delay sollten sich als Fürsprecher jener medienwirksam in Szene setzen, denen es wirklich um Einnahmenverluste geht. Zu unterscheiden ist beim Urheberrecht und dessen finanzielle Ausrichtung in Musiker zweier Klassen. Es geht um Vermögensverluste und Einnahmeverluste. Die hier genannten zählen zur ersten Kathegorie.

Hinter dem Urheberrecht stecken glasklare finanzielle Interessen und einkommenstechnische Ansprüche. Über das Urheberrecht soll der User (in der Masse) als Gelddruckmaschine herhalten. Aber es kann nicht sein, das Künstler wirklich der Auffassung sind, dass deren Arbeit eine höhre Entlohnung nach sich zieht, als bei jenen Menschen, die auch gut ausgebildet sich im Niedriglohnsektor verdingen müssen. Das von Jan Delay angesprochene "Herzblut" legen auch auch andere in ihre Arbeit und werden weit aus geringer in diesem Staat entlohnt. Sofern sich Künstler über den Normalbürger mit Normaleinkommen stellt darf er kein Mitleid in seiner Situation erwarten. Er sollte mit seinem Einkommensansprüchen auf dem Teppich bleiben.

Der Teppich soll aber breit sein für viele!

Während meines Studiums (1980 -1984) habe ich gelernt, wie man aus eine Stimme einen Chor formen kann, wie man durch Veränderung von Oberwellen aus einer "Krähe eine Amsel" machen kann.
Vieles heutzutage ist Retorte. Die Musiker "aus vergangenen Tagen" sind immer noch erfolgreich (Stones, Status Quo, Rod Stewart etc.). Sie sind unverwechselbar.
Heutige sind viele austauschbar, rein nach finanziellen Interessen ausgesucht. Sie sind Retorte.
Gibt es ein Urheberrecht auf Retorte, auf immer wieder aus der gleichen Quelle entstehende "Werke"?

Zunächst....

stand mir schon wieder die Zornesröte im Gesicht als ich folgenden Satz las:

"Urheber müssen von ihrer Kreativität leben können, auch ohne tagsüber zu kellnern. Um das zu erreichen, müssen wir neu denken."

Der gemeine Angestellte möchte auch von seiner Hände Arbeit leben können ohne einen Zweitjob annehmen zu müssen, dafür gibt's aber in Deutschland keine (richtige) Lobby so scheint es... Warum aber sollten Künstler in dieser Hinsicht besser gestellt werden als jeder andere von uns auch? Weil sie "Kultur" schaffen und andere "nur" Brot backen oder dafür sorgen das auch morgen noch genug Waren im Supermarkt lagern?

Ein schwieriges Thema, aber zurück zum Artikel...

"[...]Und wir hoffen darauf, dass sich die User der Zukunft darüber informieren, auf welcher Plattform das Streaming fair für den Künstler ist."

DAS ist doch mal ein vernünftiger Ansatz.

Weitergesponnen wäre es vielleicht auch interessant mal ein paar Zahlen offenzulegen wieviel der Künstler selbst eigentlich an seinem Werk hat. Leider ist glaube ich die allgemein vorherrschende Meinung, alle Künstler deren Musik im Radio läuft könnten bereits von den CD-Einnahmen mühelos leben.

Dem ist wie unterschiedliche Quellen belegen nicht so. Auf der anderen Seite stehen natürlich diejenigen, auf deren Erfolg dieser Gedanke beruht. Die Jay-Z und Madonnas dieser Welt die alleine mit einer großen Tour bereits dreistellige Millionenbeträge umsetzen.

Ja und?

Was nützt mir der Umsatz?
Am Ende zält das was Ertrag ist.

Kleines Beispiel um das mal ganz klar zu machen:

Ich war mal Zuschauer bei einer Verhandlung nach § 170 StGB, Nicht-Zahlung von Unterhalt.

Der Angeklagte war Selbstständig, der Richter hat sich bis auf die Knocghen blamiert, weil er dauernd in den Belegen nach Umsätzen sag, aber bei Selbständsigen zählt eben nur ein Netto einkommen, das dann bereinigt wird.

Darum sind Selbständige auch besondere "Lieblinge" der Jugendämter in Sachen Unterhalt.

Die Story hatte ich dann mal einem Kioskbetreiber erzählt, der auch ausgebildeter Einzelhandelskaufmann ist.

Seine Antwort war: Umsätze habe er fünstellig, aber am Ende bleibt eben wenbig hängen, denn das meiste sind eben Zigaretten und Telefonkarten.

Umsatrzsätze sind erstmal unwichtig, der Ertrag vor Steuern ist wichtig.

Leider....

Geht die Diskussion meist vollkommen an diesem Punkt vorbei, was aber auch der grundsätzlichen Entwicklung der Gesellschaft geschuldet sein mag lieber das schnelle Geld als die persönliche Erfüllung zu suchen. Dies jedoch war lange Zeit die Basis künstlerischen Schaffens.

Ich glaube die Künstler von heute leiden mitunter an genau den Symptomen die sie selbst anderen vorhalten. Diese "Kostenloskultur" die täglich beklagt wird kommt ja nicht von ungefähr. Zuviel "Geiz-ist-Geil" bleibt eben hängen. Mich würde im Zuge dessen auch interessieren wie es früher, vor dem Internet und CD-Brennern um die Künstlereinnahmen bestellt war. Manchmal glaube ich nämlich nicht nur Google & Co. schicken ihre Vasallen zur Schlacht ins Feld, sondern die großen Plattenfirmen ihre (in Form ihrer Künstler) ebenso.

So bekämpft der Künstler sein eigenes Publikum und das Publikum seinen Künstler, während diejenigen die am Ende abkassieren grinsend am Feldrand stehen.

Fakt ist: Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Wenn die "Content-Industrie" keine Mittel und Wege findet gemeinsam mit den Nutzern einen vernünftigen Konsens zu finden geht sie unter. Wenn die Nutzen hingegen nicht zu Zugeständnissen hinsichtlich der Vergütung der kulturellen Leistungen bereit sind dann werden sie ihren Content bald selber schaffen müssen, da sich niemand mehr bereit erklären wird technisch hochwertige Produkte abzuliefern die ihre eigenen Produktionskosten abdecken.
Eine Lose-Lose-Situation die es zu verhindern gilt

@cvnde

"Was nützt mir der Umsatz?
Am Ende zält das was Ertrag ist."

Hallo cvnde,

ja, da haben Sie recht. Nichts anderes steht auch in meinem Beitrag. Sagen wir mal so: Wenn Sie als Künstler für eine Tour eine Gage in dreistelliger Millionenhöhe erhalten, dann stehen die Chancen gut das Ihnen am Ende der Tour ein kleiner Obolus aus diesen Geldern bleibt ;-)

Beim gemeinen 08/15 Musiker ist ja grade das Problem, dass eben nach Abzug aller Kosten Nichts oder eben nicht viel übrig bleibt für die Arbeit die geleistet wurde. Mieten Sie z.B. mal einen Tourbus wenn Sie eine Tour selbst organisieren. Für eine fünfköpfige Rockband kommen Sie da nicht unter € 1.000,- (für einen halbwegs komfortablen Bus inkl. Fahrer) p. Tag weg.

Dann würden....

Sie nach Lage der Dinge eben nicht als gewinnorientierter Gewerbetreibener gelten.

Wenn sie keine zahlungswillige Kundschaft finden, mit der sie ihre Kosten decken können, dann nützt Ihnen das beste Urheberrecht nichts.

Das gilt auch für jeden Arzt und jeden Rechtsanwalt.
Wenn die keine Patienten haben dann nützt denen die tollste Gebührenordnung nichts.

Woran diese ganze Dieskussion krankt ist, dass sich eine Seite auf ein Recht "dei gratiam" beruft wonach sie Anrecht auf von Ihnen festgesetzte Einkünfte haben.

Der Konflikt geht immer vorrangig zwischen Urheber und verwerter, V will U nicht mehr zahklen, darum soll Kunde K mehr zahlen.

GEMA ist doch das beste Beispiel, da saßen Perosnen im Vorstand, die gleichzeitig Einnahmen aus den Tantiemen erhielten.
Durch die Vorstandspposyten war man in der Lage Zahlungsströme in die eigene Tasche umzuleiten und der Verein hat dsas bis heute nicht unterbunden.

In der realenm Wirtschaft würde man sowas "Untreue" nennen.

Das erinnert stark an den manche "Deals" die bei der Sparkasse Köln / Bonn abliefen.