Im Spiegel-Interview hat der Rapper Jan Delay erklärt, dass auch im Netz für gute Musik gezahlt werden muss, da Künstler ihr Herzblut dafür gegeben haben. Er ist der Meinung, dass sich Kreativität für manch junge Künstler kaum noch auszahlt, seit ihre Musik im Internet verbreitet wird. Ekki Maas von den Erdmöbeln dagegen hat im Rolling Stone die Promo-Möglichkeiten von Video-Plattformen wie Youtube gerade für junge Künstler gepriesen. Allerdings, sagt Maas, müssten die Künstler bezahlt werden, "schließlich verdient Google auch mit jedem Click".

Auch das Urteil vor dem Hamburger Landgericht im Verfahren zwischen Youtube und der Gema lässt durchblicken, dass geistiges Eigentum etwas wert sein muss – wir finden, es ist viel wert. Und dort liegt der eigentliche Streitpunkt: Youtube will möglichst wenig bezahlen. Die Gema möchte aber für die rund 64.000 von ihr vertretenen Komponisten, Textdichter und Verlage in Deutschland das Optimum herausholen.

Urheber müssen von ihrer Kreativität leben können, auch ohne tagsüber zu kellnern. Um das zu erreichen, müssen wir neu denken. Ich glaube, dass die Sendelogik zur veränderten Mediennutzung passen muss. Empfehlungen können hier maßgeblich sein, denn sie kommen von Redaktionen, von meinen Freunden oder generieren sich aus meinem Verhalten als Nutzer. Die Songs müssen den User finden: Songs, die seinen Geschmack treffen, die er aber noch nicht kannte. Davon profitieren dann wieder die jungen Künstler. Sie werden vom Nutzer entdeckt, kommen aus der Masse an Angeboten an die Oberfläche. Das erreicht man nicht über ein Suchfeld.

Wir müssen erkennen, dass für Musiknutzer die Verpackung wichtiger wird. Das heißt: Content is King, aber Package is God. Die Aufgabe der Publisher ist es, Inhalte so zu verpacken, dass User bereit sind, dafür zu bezahlen oder Werbung zu sehen. Die Inhalte müssen sofort, immer und überall verfügbar sein. Gleichzeitig müssen wir Publisher dafür sorgen, dass die User entkriminalisiert werden. Und wir hoffen darauf, dass sich die User der Zukunft darüber informieren, auf welcher Plattform das Streaming fair für den Künstler ist. Die Bezahlung der Künstler – sowie das Geschäftsmodell, das dem zugrunde legt – könnte dann ein echter Wettbewerbsvorteil für jeden Anbieter sein.

Wichtig dabei ist, dass reines Streaming – zum Beispiel von Songs und Musikvideos – nur der erste Teil in einer Kette ist. Es reicht nicht, dass Plattform-Anbieter den Inhalt nur zur Verfügung stellen. Sie müssen darüber hinaus mit redaktionellen Konzepten und Services Geschichten erzählen. Digitale Orte schaffen, an denen sich Künstler zu Wort melden können und neue Inhalte geschaffen werden, anstatt ihren Inhalt einfach nur an der Tür abzugeben.

Und letztendlich ist natürlich entscheidend, wie Publisher Einnahmen mit ihrem Angebot generieren können. Dazu müssen sie auf das veränderte Konsumverhalten der Nutzer eingehen. Menschen nutzen das Internet anders als Fernsehen, das Internetfernsehen anders als das Internet. Für uns Anbieter ergeben sich zwei Möglichkeiten: Bezahlung durch den Nutzer oder mediengerechte Werbeformate.

Wir müssen klären, wie man Geschäftsmodelle im digitalen Bereich schafft, mit denen sich Künstler wohl fühlen, und die es ihnen ermöglichen, ihre volle Kreativität entfalten zu können. Außerdem müssen wir darüber sprechen, wie im Internet die Beziehung zwischen Urheber und Konsument fair geregelt wird. tape.tv kann senden, weil wir uns mit der Gema geeinigt haben. Wer – wie tape.tv – gemeinsam mit den Künstlern das Musikfernsehen neu erfinden will, muss auch dafür sorgen, dass Künstler damit irgendwann Geld verdienen.