Rekorder : Tu Fawning spielen "Blood Stains"

Mittagspause am Karpfenteich: Die Band aus Portland kommt mit einem Wagen voller Instrumente zu ihrer ersten Akustiksession. Opulenter Pop, ganz sparsam arrangiert.
Rekorder: Tu Fawning spielen: "Blood Stains"

Mittagspause in Deutschland. Stille Plätzchen sind im betonierten Berlin schwierig zu finden, vielleicht im hintersten Winkel des Treptower Parks. Ein Paukenschlag zerstört die Ruhe. Mit einer Wagenladung an Instrumenten marschiert die Band Tu Fawning aus Portland zum Karpfenteich.

Plötzlich Schreie! Aufgeschreckt durch Tamburin und Akkordeon stürmt ein Stadtflüchtling mit wildem Blick aus dem Gebüsch zum Videosetting, fuchtelt mit seinem Brotmesser. "Mittagsruhe" und viele Schimpfwörter fallen in einer Tirade, das Messer liebäugelt mit dem Bauch des Kameramanns. So schnell er kam, so baldig zieht er ab; Meinung geändert, Musik gestattet. Zaghaft spielen sich Tu Fawning warm. So ein Schreck. Und das beim ersten akustischen Auftritt der Band. Erst am Vorabend haben sie drei Songs von ihrem zweiten Album A Monument ohne Elektronik einstudiert.

Nicht selbstverständlich lässt sich dieser sphärische, düstere Pop – sie nennen ihn Antique-Dance-Tribal-Gospel – auf stromlose Instrumente übersetzen. Der Musik haftet etwas Altertümliches, fast Mystisches an, gerade recht für eine Zeit, in der mittelalterliche Fantasygeschichten wie Game Of Thrones so angesagt sind. Auf dem Album klackern energetische Drums, chorale Refrains schweben über Trompetenklängen und peitschenden Gitarrenriffs, Tempowechsel geben jedem Lied ungewöhnlichen Schwung.

Adrian Pohr

Adrian Pohr ist Redakteur im Ressort Video bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

So stilistisch abwechslungsreich die einzelnen Lieder auf A Monument sind, so versiert tauscht die Band auch ihre Instrumente durch. Die Sängerin Corrina Repp wechselt sich während der Konzerte mit Joe Haege an Schlagzeug und Gitarre ab, Liza Rieds spielt unter anderem Geige, Keyboard und Akkordeon, und Toussaint Perrault ist auf der Bühne von seinem Sammelsurium an Trommel- und Blasinstrumenten umstellt.

Eine Auswahl ihres Instrumenten-Arsenals haben sie im Park dabei und wechseln bei jedem Lied. Am Ende soll es Blood Stains sein, in einer rotzigen und gegenüber der opulenten Studioaufnahme sehr vereinfachten Version.

Die Vögel im Park zwitschern, ein paar Jogger verlangsamen den Schritt, die Kontrolllampen der Kameras leuchten rot, kein Messerschrecker weit und breit.

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Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

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Liebe Zeit,

Könnt ihr nicht vielleicht doch mal in einen neuen Video-Player investieren? Vielleicht einen, der ein durchschnittliches Netbook nicht komplett lahmlegt? Mich hält das nämlich immer ein wenig davon ab hier Videos anzuschauen – und dabei würde sich doch vor allem der Rekorder oft lohnen.

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Hallo "jschrewe", wir sind uns relativ sicher, dass es ein Problem mit Ihrem Computer gibt, würden aber gerne genauer hinsehen, um Ihnen weiterzuhelfen. Können Sie uns bitte an online-video@zeit.de kurz folgende Punkte mailen:

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Fabian Mohr
ZEIT ONLINE