Robin Gibb 1969 im London Palladium © McCarthy/Getty Images

Robin Gibbs Krankheit war zuletzt begehrter Stoff für die bunte Presse. Im August 2010 musste er am Darm operiert werden; bei Fans läuteten die Alarmglocken: Sein Zwillingsbruder Maurice war 2003 an Darmkrebs gestorben. Im Herbst 2011 ließ Robin Gibb die Welt wissen, dass auch er an Krebs leide.

Was folgte, war eine Achterbahnfahrt: Anfang 2012 hieß es, Gibb habe den Kampf gegen die Krankheit gewonnen, im April fiel er wegen einer Lungenentzündung ins Koma. Nach knapp zwei Wochen erwachte er, die Ärzte sprachen von einem Wunder. Zuletzt musste er sich einem Luftröhrenschnitt unterziehen und konnte nicht mehr sprechen. Bilder eines fast zum Skelett abgemagerten Mannes mit malvenfarbenen Brillengläsern begleiteten die Meldungen.

Barry Gibb, heißt es, sei nicht vom Krankenbett seines jüngeren Bruders gewichen. Barry war neun, Robin und Maurice waren sechs, als die drei Brüder ihre ersten Auftritte in Kinos in Manchester hatten. Der Vater, ein Schlagzeuger, war mit der Familie von der Isle of Man dorthin gezogen, nachdem seine Band sich aufgelöst hatte. "Es gab eine Zeit, da schliefen wir drei in einem Bett", erinnerte sich Robin in der Daily Mail , "wir waren sehr arm. Mein Dad hatte ungefähr fünf Jobs, um uns zu ernähren. Wir hatten nicht mal Teppiche auf dem Boden".

Die Gibb-Brüder waren Unruhestifter, Robin neigte zum Zündeln. In der Erinnerung der Brüder half das den Eltern bei der Entscheidung, nach Australien zu emigrieren. "Wir Jungs brauchten mehr Platz", sagte Barry. In den Ferienclubs an der Küste von Queensland gaben sie Konzerte, sie spielten im Fernsehen und nahmen 1966 ihr erstes Album auf.


Barry gab als ältester zwar den Bandleader, aber Robin spielte schon damals eine wichtige Rolle: Der später als asketischer Melancholiker wahrgenommene Bee Gee war der Clown der Gruppe. Auch privat kasperte er gern, wie Familienaufnahmen zeigen. " The funniest kid you'd ever meet " sei Robin gewesen; der lustigste Kerl, den man finden könne, sagt Barry über seinen Bruder, den die Popwelt später als nachdenklichen Veganer kannte.

Maurice fügte sich zwischen Barry und Robin, vervollständigte die Harmonien ihres an Bands wie den Everly Brothers geschulten Vokalstils. Robins klares Vibrato rivalisierte Ende der sechziger Jahre mit Barrys souligerer Stimme (das Falsett kam später). Arg dicke Egos hätten sie damals alle gehabt, erinnern sich die Brüder, und falsche Berater, die jedem von ihnen versicherten, er brauche die anderen nicht. Als ein Song, den er sang, nur B-Seite einer Single wurde, mit einem Barry-Song auf der A-Seite, warf Robin 1969 frustriert hin.

Robin war solo nicht unerfolgreich, hatte mit Saved By The Bell einen Hit. Auch den verbleibenden Brüdern gelangen Erfolge. Doch sie seien wie Drillinge, erzählten die drei Bee Gees später gern, sie brauchten einander. Als sie sich 1970 wieder zusammentaten, benötigten sie lange, um eine neue Richtung zu finden. Der Erfolg kam erst zurück mit dem Disco-Kurs und dem Soundtrack zu Saturday Night Fever 1977.

Von da an wurden die Bee Gees zu einer Pop-Insitution – in den USA noch mehr als in Europa , wo ihnen Kritiker oft vorwarfen, allzu seichte Songs nach Schema F zu schreiben. Als Band waren sie mal mehr, mal weniger populär, als Songschreiber für Diana Ross oder Barbra Streisand , Tina Turner oder Dionne Warwick immer da. "Schmachtfetzen", lästerte der Rolling Stone . Für Rock'n'Roller war der Bee-Gees-Sound schon immer zu sauber, zu viel Diskokugelgeglitzer in den fetten Arrangements.