Urheberrecht : Gema wehrt sich gegen Klubkiller-Vorwürfe

Die Gema hat die geplante Vereinheitlichung der Gebühren verteidigt. Klubbesitzer machen den Rechteverwerter für das "Diskothekensterben" in Deutschland verantwortlich.

Die Gema hat dem Vorwurf widersprochen, ihre neuen Tarife zur Musik-Nutzung würden ein "Diskothekensterben" in Deutschland auslösen. Gema-Bezirksdirektor Lorenz Schmid sagte zu Klagen der Klubs über drastische Mehrkosten: "Ich sehe es so, dass sie bislang viel zu wenig gezahlt haben." Auch im europäischen Vergleich sei es für die hiesigen Klubs deutlich günstiger als im Ausland. Und wer lizenzfreie Musik spiele, müsse keine Gebühr zahlen. Als Nachweis sei eine Set-Liste der Titel einzureichen, die der DJ spielte. Für Konzerte ändere sich nichts.

Die Musikrechte-Verwertungsgesellschaft will 2013 die Gebühren vereinheitlichen. Statt elf soll es nur noch zwei Tarife geben: einen Mindestsatz für Veranstaltungen mit zwei Euro Eintritt oder weniger und eine Gebühr von einheitlich zehn Prozent des Eintrittsgelds für alle anderen.

Das sei ein angemessener Satz für die Urheber, sagte Schmid. Etliche kleine und mittlere Veranstalter würden von der Reform entlastet, größere mit mehr Fläche und höherem Eintritt hingegen mehr belastet. Von einer Million Einzelveranstaltungen zahlten 60 Prozent künftig weniger. Die 500.000 regelmäßigen Veranstaltungen würden hingegen verstärkt zur Kasse gebeten.

Klubbesitzer rechnen mit Mehrkosten von bis zu 1.200 Prozent

Als ein Rechenbeispiel nannte die Gema ein Sommerfest: Das entrichtet mit 300 Quadratmetern Fläche und 3 Euro Eintritt demnach künftig 90 statt 192,80 Euro Gebühren. Eine große Ball-Gala zahlt eine deutlich höhere Summe als früher. Laut Gema läuft derzeit ein Schiedsstellenverfahren zur Prüfung der Tarife beim Deutschen Patent- und Markenamt.

Deutschlands Klubbetreiber selbst rechnen mit Mehrkosten von 600 bis 1.200 Prozent und protestierten deshalb im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg gegen die Pläne der Gema. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich mehrere tausend Menschen an der Aktion, darunter auch einige Szenegrößen wie DJ Dr. Motte, der Erfinder der Love-Parade. Die Polizei schätzte die Beteiligung an der Demonstration als wesentlich geringer ein. 

Lutz Leichsenring von der Clubcommission kritisierte die Verwertungsgesellschaft: "Es ist eine Milchmädchenrechnung, die die Gema da aufmacht", sagte er. Als Folgen der Reform sieht der Dachverband eine existenzielle Bedrohung der Klubszene – massiv erhöhte Eintrittsgelder, eine Kommerzialisierung, weniger Gäste und auch Einbußen für den Tourismus. "Wir fürchten, dass das Geld bei den Dieter Bohlens dieser Welt und nicht bei den kleinen Akteuren ankommt", so Leichsenring. Und eine Set-Liste, wie von der Gema vorgeschlagen, sei technisch gesehen "vorletztes Jahrhundert".

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Kommentare

40 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Dazu fällt mir...

... ein Satz aus einem Artikel ein, den die Zeit heute auf FB gepostet hat.
"Die Bundesvereinigung hat die Gespräche Anfang des Jahres abgebrochen, weil sie ein neues System verhindern will, daher haben wir einseitig die neuen Tarife verkündet."
http://www.berliner-zeitu...

"Es wollte niemand mehr mit uns reden, also haben wir es einfach gemacht wie wir wollten."

Dazu fällt mir auch einfach nichts mehr zu ein.

Hallo Gnervt

Das ist meine Lieblingspassage aus dem Interview, zu dem Sie verlinkt haben:

"BZ: Bisher hat sich nicht einer gemeldet, der Ihre Reform begrüßt.

GEMA-Sprecherin: Weil es eine gute Nachricht ist."

Eine derart verquere Logik kennt man ansonsten nur aus der Politik - hauptsächlich von lupenreinen Demokraten, in letzter Zeit aber verstärkt auch von deutschen Abgeordneten praktiziert. Dort ist man der Ansicht, dass die Mehrheit aus Prinzip immer begeistert zu allem "Ja" sagt, weshalb tiefstes Schweigen in Wirklichkeit eigentlich ein lautstark tobender Sturm begeisterter Zustimmung ist.

Proteste jeglicher Art sind ohnehin nur auf einen Mangel an Einsicht in die Wohltaten, die der grosse Bruder äh, die grosse Verwertungsgesellschaft der Menschheit zukommen lässt, zurückzuführen.

Orwellsche Gedankengänge, wie sie die Gemafia derart locker praktiziert, sind durchaus typisch für Strukturen, die keinerlei Kontrolle unterliegen. Don Corleone lässt grüssen...

Umso mehr...

...Geld du brauchst, umso mehr Leute musst du anlocken oder diejenigen die kommen, müssen mehr bezahlen.

Gerade Nischenanbieter sind davon bedroht, sie können nicht wesentlich mehr Leute anlocken und beim Preis ist (beim jugendlichen Publikum) nicht endlos Platz nach oben. Also entweder sie satteln um oder nutzen jede erdenkliche Einnahmequelle: von mit Werbung zugekleisterten Wänden, bis hin zu Brauerei-Sponsoring. So oder so ruiniert das idR den Reiz solcher Etablissements...

@ 24...

DAS funktioniert eben nicht, da die GEMA einfach allen, die dies behaupten einfach unterstellt, dass sie eben doch keine GEMA-freie Musik spielen und erstmal dick fett abkassiert. Die GEMA hat scheinbar absolute Narrenfreiheit und kann die Unschuldsvermutung ohne weiteres so umkehren, wie es ihr passt und sollte es doch anders kommen, dann dauert es sicher sehr sehr lange, bis die betroffene Personen ihr Geld zurück bekommen.
Auf die Idee mit der GEMA-freie Musik sind schon viele gekommen und die GEMA hat trotzdem immer fleißig kassiert usw. das ist ja das Problem an der ganze Geschichte.

Quark

"...ist ein undemokratischer und anachronistischer Selbstbedienungsladen. Die Poltik unwillig daran was zu ändern. Alles wie immer im schönen Deutschland."

Das ist frei erfunden. Sie sollten Autor werden ;)

Ernst beiseite, sie sind offenbar sehr schlecht informiert. Die GEMA ist weder ein Selbstbedienungsladen (non profit!) noch undemokratisch. Es ist ein von allen(!) Mitgliedern geführter Verein, Demokratie nennt man das.

Dass reine Verbraucher oder Verwerter dabei wenig zu sagen hat ist klar. Niemand wird gezwungen diese geschützten Werke nutzen.

GEMA und Werke

Na ja, die GEMA sammelt aber nicht nur bei Musikveranstaltungen. Dass ich für meine Festplatten zum Teile eine Gebühr an die GEMA abführe ist ziemlich unverschämt - erst Recht wenn mehr als 2TB mit meinen eigenen Photos gefüllt sind.

Dass die GEMA auch eine Abgabe auf Sapeicherkarten will wird auch schon verschwiegen - CF Karten werden ziemlich ausschließlich im photographischen Bereich genutzt.
(Die ist soweit ich weiß noch nicht umgesetz aber "in Arbeit")

Das Problem ist, dass solche Verwertungsgesellschaften auf so ziemlich jeden Gegenstand eine Abgabe verlangen wenn er nur irgendwie zur Speicherung irgendwelchen urheberrechtlich geschützten Materials taugen konnte.

Da kann ich Ihnen nur recht geben,

die aktuelle Praxis der Pauschalabgaben auf Datenträger ohne direkten Bezug zum Werk ist tatsächlich schwer nachvollziehbar und meines Erachtens nach ziemlich unsinnig.

Die neuen (durchaus niedrigeren!) Abgaben auf Veranstaltungen halte ich jedoch für gerechtfertigt. Musik spielt bei vielen Veranstaltungen nun mal eine tragende Rolle, und ist offenbar ihr Geld wert. Es ist nicht Aufgabe der Künstler für tragbare Business-Modelle der Veranstalter zu sorgen.

Alle Mitglieder?

Wenn meine Informationen nicht falsch sind ist das Mitbestimmungsrecht nur sehr wenigen Mitgliedern vorbehalten. Wer sind dann also alle?

Nonprofit ist die GEMA auch nicht der ganze Verwaltungsaparat muss ja auch bezahlt werden.

Und einfach GEMAfreie Stücke zu nehmen sagt sich so leicht wenn die GEMA drauf beharrt das die Stücke nicht frei sind und man sich keinen Rechtsstreit leisten kann. Soll scheinbar schon öfters vorgekommen sein.

Super

ich kenne da nicht nur einen Club, den das hart treffen wird. Gerade mäßig besuchte Angebote fallen weg, was soll der Mist, von den qm auf die Anzahl der Besucher schließen zu wollen? In Bayern kommt jetzt also nach dem Clubsterben durch Rauchverbot noch das GEMA-Clubsterben, auf dass in Zukunft nur die größten und stärksten (Mainstream-)Großdiskotheken überleben mögen!