"Holländer"-Premiere in Bayreuth : Kuppelei in der Ventilatorenfabrik

Selten hat eine Bayreuther Premiere schon im Vorfeld so viel Wirbel gemacht wie der "Fliegende Holländer". Aber wie war sie denn nun? Bilder vom Auftakt der Festspiele

Der russische Bariton Evgeny Nikitin hatte gehen müssen, dafür sang der Koreaner Samuel Youn die Titelrolle der diesjährigen Bayreuth-Premiere. Im "Fliegenden Holländer" glänzte Adrianne Pieczonka als Senta. Christian Thielemann wurde gefeiert als Dirigent eines plastisch in Farben und Emotionen schwelgenden Festspielorchesters. Das Team um den jungen Regisseur Jan Philipp Gloger, der die in "Holländer"-Inszenierungen üblich gewordene Kapitalismuskritik mit einer Außenseiter-Love-Story verband, sah sich lauten Protesten des Publikums ausgesetzt.

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Bayreuth pfeift aus dem letzten Loch

Irgendwie scheint die Kunst ja nicht wirklich wichtig zu sein in Bayreuth ein Tatoo bewegt das Publikum mehr als die Musik von Wagner, um Medienaufmerksamkeit zu bekommen greift man ganz tief in die Boulevardkiste. Natürlich ist ein Nazi-Tattoo ein absolutes NoGo für dieses extrem durch die Nazivergangenheit vorbelastetes Festival. Wenn der Sänger wirklich geläutert ist, versteht man nicht ganz wieso er sich die zu sehenden Nazikreuz-Teile des Tattoos nicht weglasern gelassen hat, sondern die immer noch da sind. Ansonsten sollen die vielen Wagnerianer nicht so scheinheilig tun, ganz selbstverständlich findet man auch heute noch so postkolonialistische Ideen, wie wagnerianische Operndörfer nach Afrika zu bringen als höchst mildtätig und Akt des Gutmenschentums und nicht als postkolonialistische Gemütsimpulse.