Intendant Andreas Homoki"Wie viel ist so ein Theater dem Steuerzahler wert?"

Adieu, Komische Oper: Der Intendant Andreas Homoki wechselt von Berlin nach Zürich. Im Interview spricht er über Politik auf der Bühne und den Kampf um Glaubwürdigkeit.

Frage: Herr Homoki, Ihr Engagement begann im Herbst 2002 mit einem Missverständnis ...

Andreas Homoki: Sie meinen die Verkaufte Braut, meine Antrittsinszenierung?

Frage: Ja, da haben Ihnen viele übel genommen, dass Sie Smetanas Stück in den Osten Deutschlands verlegt haben und Leute zeigten, die die Bierflaschen aus dem Westen nicht aufbekamen und sich um Bananen balgten.

Homoki: Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Es war ja nicht das erste Mal, dass wir uns hier über den untergegangenen Ostblock lustig machten. Noch bei der Lustigen Witwe hatten sich alle über die Apparatschiks und Altstalinisten totgelacht. Ich dachte mit der Verkauften Braut eine charmante Komödie à la Good bye, Lenin präsentiert zu haben. Natürlich war es auch als Statement gedacht zu dem, was nach der Wende passiert ist, mit der Goldgräberstimmung unseriöser Geschäftemacher aus dem Westen.

Frage: 1996 haben Sie mit Falstaff an der Komischen Oper debütiert. Wie erlebten Sie damals das Haus?

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Andreas Homoki

wurde 1960 in Marl geboren. Schon während er Schulmusik und Germanistik an der Hochschule der Künste und der Technischen Universität Berlin studierte, konnte er an der Komischen Oper dem inzwischen legendären Regisseur Harry Kupfer bei mehreren Produktionen assistieren. 1987 trat Homoki sein erstes Engagement als Abendspielleiter an der Oper Köln an. 1992 wurde er mit einer Inszenierung von Richard Strauss' Frau ohne Schatten in Genf bekannt. Seitdem arbeitet er an den großen Opernhäusern der Welt. 2002 wurde Homoki Harry Kupfers Nachfolger als Chefregisseur der Komischen Oper, seit 2003 ist er dort auch Intendant. 2007 wurde die Komische Oper Berlin zum Opernhaus des Jahres gewählt. Zur nächsten Saison wechselt Homoki als Intendant ans Opernhaus Zürich. Er wird Nachfolger von Alexander Pereira, der diesen Sommer die Leitung der Salzburger Festspiele übernimmt.

Homoki: Es war ein ganz besonderes Haus mit einem hohen Ethos und Traditionsbewusstsein. Viele taten sich schwer, eine andere künstlerische Handschrift als die ihres amtierenden Chefs anzunehmen. Das war irritierend und zwischenzeitlich auch beängstigend. Aber die Premiere wurde ein Erfolg und damit war das Eis gebrochen. Meine zweite Arbeit, die Liebe zu drei Orangen, hätte ich ohne das neue Vertrauen sicher nicht so konsequent realisieren können. Die Lustige Witwe war dann ein Heimspiel, da war ich ja schon der designierte neue Chef. Als ich dann allerdings Intendant wurde und das Spektrum um Handschriften von Regisseuren wie Bieito oder Konwitschny erweitert habe, gab es zu meiner Überraschung eine zweite Phase der Irritation. Das hatte ich nicht erwartet.

Frage: Vielleicht muss das so sein, wenn ein Hausherr zu lange amtiert. Bei Götz Friedrich war das ja ähnlich.

Homoki: Zumal, wenn sich die Welt außerhalb des Theaters so stark verändert wie in den neunziger Jahren. Trotzdem hatte man versucht, mit alten Rezepten weiterzuwursteln. Es brauchte eine grundsätzlich neue Betriebskultur mit mehr Transparenz und einer verbesserten internen Kommunikation. Wir mussten die Leute auf dem Weg der Erneuerung mitnehmen, immer wieder erläutern, welche Idee hinter unserem neuen Prinzip der größeren Vielfalt stand. Ich habe dabei viel gelernt, denn man muss als Intendant in jedem Moment wissen, wohin die Reise gehen soll. Darum ist es so wichtig, dass die Komische Oper von einem Regisseur geführt wird und nicht von einem Manager. Nur der Regisseur ist ganz nah dran an den künstlerischen Arbeitsabläufen.

Frage: Da hilft es natürlich auch, dass Sie ein Typ sind, der gute Laune versprüht ...

Homoki: Finden Sie? In der Tat kommuniziere ich gerne mit Leuten, stehe auch gerne im Mittelpunkt. Das ist nicht in jeder Situation des Lebens angesagt – aber als Theatermensch kann man das ausleben.

Frage: Lässt man die zehn Jahre Musiktheater an der Behrenstraße Revue passieren, könnte man zu dem Schluss kommen: Von den Regisseuren, die hier regelmäßig gearbeitet haben, war der Chef der bravste.

Homoki: Keine Ahnung. Ich habe meinen eigenen Stil, der sich dem vordergründig Skandalträchtigen oft verweigert, das ist richtig. Was meine inszenierenden Kollegen angeht, so wollte ich Leute ans Haus holen, die gut sind in Personenregie, die die Stücke genau lesen und mir etwas Interessantes darüber sagen. Ganz im Sinne des berühmten Diaghilev-Spruchs: Setze mich in Erstaunen!

Leserkommentare
  1. ... in Krefeld hat man einen Ausgleich geschaffen. Der JazzKlubKrefeld veranstaltet jetzt Konzerte mit Spitzen- Musiker eben im Stadttheater Krefeld und gut ist.

  2. Ich kann die Einschätzung, die Herr Homoki gegeben hat, aus eigener Erfahrung bestätigen. Einige Opernsänger kommen nicht nur aus Deutschland/Schweiz und sie müssen außerdem bestimmte Stücke in vier-fünf verschiedenen Sprachen vortragen können. Ich habe einen bekannten Opera-Student aus Südkorea, der momentan in England das Fach "Gesang und Dirigieren" studiert. Er hat mir ein Stück aus Wagner´s "Der Fliegende Holländer" vorgesungen. Die Stimme war wunderschön, die Betonung der einzelnen Wörtern - eher falsch. Er könnte aber perfekt das typische deutsche „R“ nachahmen, das viele Menschen weltweit so begeistert.

    Das Problem mit der falschen Betonung lag übrigens darin, dass der Kerl nur Englisch und Koreanisch sprach, musste jedoch deutsche, italienische und französische Stücke für eine Prüfung vorbereiten. Es kann real dazu kommen, dass das Publikum nicht immer alles versteht. Ein Coach ist apropos eine sehr praktische Idee.

    Mit freundlichen Grüßen
    Mary

    PS
    Ich kenne mich etwas aus und mag die klassische Oper, aber die Komische-Oper weckt (als ein besonderes Genre) das doppelte Interesse, fast die Neugier.

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