Woody GuthrieDer Hobo und sein Credo

Ein Folksänger, ein Lebensmodell: Bob Dylan, Jack Kerouac, Tom Waits, Bruce Springsteen – sie alle haben von Woody Guthrie viel gelernt. Vor 100 Jahren wurde er geboren.

Woody Guthrie 1960, sieben Jahre vor seinem Tod

Woody Guthrie 1960, sieben Jahre vor seinem Tod

Dass dieses Land dein Land ist, dass dieses Land mein Land ist, von Kalifornien bis New York Island, vom Redwood Forest bis zu den Wassern des Golfstroms – es war zuletzt Neil Young, der diese naturkommunistische Grundsatzerklärung auf seinem neuen Album Americana unters Volk brachte. Der Erste war Woodrow Wilson Guthrie, der am 14. Juli seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Schon im März dieses Jahres lud seine Tochter einige Musiker ein, unbekannte Texte ihres Vaters zu vertonen: Jay Farrar, Will Johnson, Anders Parker und Yim Yames nahmen das Album New Multitudes auf. Jeff Tweedy und Billy Bragg hatten ihn bereits 1998 auf Mermaid Avenue geehrt.

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"So groß war die Wirkung, die Woodys Songs auf mich ausübten; ihr Einfluss erstreckte sich auf alles, was ich unternahm, darauf, was ich aß, wie ich mich kleidete, wen ich kennenlernen wollte und wen nicht", schreibt Bob Dylan in Chronicles. Für Dylan, der sich bis dahin mit der Folk- und Blues-Geschichte seines Landes beschäftigt hat, ist Guthrie die Stimme, die in die Zukunft weist, weil sie die Kraft hat, aus der Tradition Neues zu schöpfen.

Als Dylan 1961 nach New York kommt, hat der schwerkranke Woody Guthrie noch sechs Jahre zu leben. Für sein Debütalbum borgt er sich die Melodie von Guthries 1913 Massacre. Es wird sein Song To Woody. Er adressiert ihn an Woodys Freund Cisco, an Sunny und Leadbelly, singt für all die Herzen und Hände der Männer, die mit dem Staub ankommen und vom Winde verweht werden.


Woody Guthrie ist mehr als ein Folksänger, er ist ein Lebensmodell. Bound For Glory heißt seine Autobiografie, die 1943 veröffentlicht wird. Mit dem ersten Kapitel ist man mitten in der schweißschwangeren Luft eines Güterwagens. Hasardeure, Penner, Glückssucher – unter ihnen ein junger Mann aus Okemah in Oklahoma, der ein staubiges Leben in Bewegung führt und in all dem Geschubse und Geremple versucht, seine Gitarre zu retten. Ein wenig fühlt man sich an Jack London erinnert, den Abenteurer des Schienenstranges.

Im Dezember 1948 hebt Jack Kerouac den Telefonhörer ab. Am anderen Ende ist sein Kumpel Neal Cassady. Mitte Januar brechen sie auf. Zu einer wilden Reise durch Amerika, die die Grundlage für On The Road wird. Das Leben sollte wieder frei sein, ehrlich und gefährlich. Jahrzehnte später bastelte sich Tom Waits aus diesem Credo sein eigenes Hobo-Image.

Guthries Bound For Glory wiederum lässt den Ursprung all jener Roadmovies erkennen, in denen die Beatniks, nachgeborenen Folksänger und Post-War-Hippies die Hauptrolle spielten. Mit einem wesentlichen Unterschied: Der Schwung, mit dem Woody Guthrie sein Land durchmaß, erwuchs aus den Naturgewalten seines Lebens. Kerouac, Dylan oder Waits waren dagegen romantische Wanderer auf einem selbstinitiierten Erfahrungstrip.

Ein Feuer vernichtet das erste Haus der Guthries. Nach dem Umzug kommt ein Wirbelsturm über sie. Der kleine Woody treibt in seiner Autobiografie durch die Abenteuerwelt des Ölbooms und verkauft Zeitungen. Ein Ölfeld entzündet sich und nimmt ein paar Häuser mit. Ein Kerosinofen explodiert. Woody plaudert noch mit seiner Schwester, die verbrannt im Bett liegt. Ein paar Minuten später ist sie tot. Es ist dieser Moment, der seine Mutter stark verändert. Nora hat die Huntington-Krankheit, eine erbliche Erkrankung des Gehirns.

Umzug nach Oklahoma City. Dann explodiert wieder ein Ölofen – oder die Mutter hat den Vater mit Kerosin übergossen, wer weiß das schon? Der Vater kommt ins Hospital. Die Mutter in eine Anstalt. Es ist, als habe das Leben Woody Guthrie vor die Tür gesetzt. Der Vater arbeitet jetzt in Texas. Woody muss gucken, was wird.

Er folgt dem Vater. Verkauft in Prohibitionszeiten Kräuterbier, malt Bilder, Schilder. Und merkt plötzlich, dass man auch mit Gitarre spielen und Singen Geld verdienen kann: "Dann wurde ich etwas mutiger und machte Lieder darüber, was meiner Meinung nach falsch sei und wie es richtig gemacht werden sollte." So einfach ist das. Heute gibt es in Okemah, dem Nest, in der Nähe von Oklahoma einen Woody Guthrie Boulevard. Ein Jahr vor Guthries Geburt hatte ein Lynchmob hier an der Brücke über den North Canadian River noch die Afroamerikanerin Laura Nelson und ihren Sohn Lawrence gehängt.

Leserkommentare
  1. ... über ein Idol meiner jungen Jahre!

    Aber bittebittebitte: Nicht zum zigsten Mal "loose" statt "lose" (in "All you fascists bound to lose")!

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    Redaktion

    Wir haben das korrigiert.

    Redaktion

    Wir haben das korrigiert.

  2. ... doch den englischen wikipedia-artikel finde ich wesentlich interessanter und lesbarer als dies hier.

    kein affront an den autor aber der stil des schreibens ist für leser, die komplett außerhalb der materie stehen, extrem anstrengend. das stakkato von informationen bildet ohne hintergrund kein wirkliches bild im kopf.

    trotzdem toll über die inspirations-quelle vieler guter künstler zu lesen. wer war guthries inspiration?

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    Sein politischer Einfluss war Stalin. Das war bis zum Nichtangriffspakt (Stalin - Hitler) auch in den USA kein Problem. Sein "This Land Is Your Land" ist in der ursprünglichen Fassung ein Lied gegen Privateigentum. Wobei er sich später davon losgesagt hat.
    Eine Anmerkung fehlt mir aber noch: Er hatte auf seiner Gitarre einen Aufkleber mit der Aufschrift "This Machine kills Fasists".
    Einer seiner musikalischen Einflüße dürfte sicher Pete Seeger sein, der ja immer noch aktiv ist, auch wenn er nicht viel jünger als Guthrie ist.

    Sein politischer Einfluss war Stalin. Das war bis zum Nichtangriffspakt (Stalin - Hitler) auch in den USA kein Problem. Sein "This Land Is Your Land" ist in der ursprünglichen Fassung ein Lied gegen Privateigentum. Wobei er sich später davon losgesagt hat.
    Eine Anmerkung fehlt mir aber noch: Er hatte auf seiner Gitarre einen Aufkleber mit der Aufschrift "This Machine kills Fasists".
    Einer seiner musikalischen Einflüße dürfte sicher Pete Seeger sein, der ja immer noch aktiv ist, auch wenn er nicht viel jünger als Guthrie ist.

  3. Redaktion

    Wir haben das korrigiert.

  4. Sein politischer Einfluss war Stalin. Das war bis zum Nichtangriffspakt (Stalin - Hitler) auch in den USA kein Problem. Sein "This Land Is Your Land" ist in der ursprünglichen Fassung ein Lied gegen Privateigentum. Wobei er sich später davon losgesagt hat.
    Eine Anmerkung fehlt mir aber noch: Er hatte auf seiner Gitarre einen Aufkleber mit der Aufschrift "This Machine kills Fasists".
    Einer seiner musikalischen Einflüße dürfte sicher Pete Seeger sein, der ja immer noch aktiv ist, auch wenn er nicht viel jünger als Guthrie ist.

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    Antwort auf "schöner hinweis..."
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    Guthrie hat sich von nichts losgesagt. Er hat bis zum Schluss Stalin idealisiert als Menschenfreund und wollte die Geschichten von den Säuberungen nicht wahrhaben. Allerdings war er seit Ende der 40er gesundheitlich auch nicht mehr so auf dem Posten, und auch schon vorher während des Kalten Kriegs eine schwere Zeit als Kommunismusnaher.

    Er war: Männlich, weiß, US-Amerikaner, ... und spielte öfter Gitarre.
    .
    Was er wirklich dachte, wusste er nur selbst.
    .
    Der Rest: Zuschreibung, Politik, Bussines....?
    .
    Seine Texte, sind aber im ihrem Zeitbezug "Klassiker" geworden!
    .
    Gruss
    Sikasuu
    .
    Ps. In der USA Kommunist zu sein ist sehr leicht :) Obama ist einer, frag mal nen REP nach "Obamacare"!

    Guthrie hat sich von nichts losgesagt. Er hat bis zum Schluss Stalin idealisiert als Menschenfreund und wollte die Geschichten von den Säuberungen nicht wahrhaben. Allerdings war er seit Ende der 40er gesundheitlich auch nicht mehr so auf dem Posten, und auch schon vorher während des Kalten Kriegs eine schwere Zeit als Kommunismusnaher.

    Er war: Männlich, weiß, US-Amerikaner, ... und spielte öfter Gitarre.
    .
    Was er wirklich dachte, wusste er nur selbst.
    .
    Der Rest: Zuschreibung, Politik, Bussines....?
    .
    Seine Texte, sind aber im ihrem Zeitbezug "Klassiker" geworden!
    .
    Gruss
    Sikasuu
    .
    Ps. In der USA Kommunist zu sein ist sehr leicht :) Obama ist einer, frag mal nen REP nach "Obamacare"!

  5. Heute findet in Berlin eine kleien Geburtstagsparty für den Künstler statt, mit Lesung aus der neuen Biografie "Woody Guthrie - diue Stimme des anderen Amerika", und vielen jungen und junge gebliebenen Musiker/innen aus Berlin, die dem Meister huldigen. Mehr Infos hier: http://www.popkontext.de/...

    2 Leserempfehlungen
  6. Das kann man so nicht übersetzen, der Autor hat wohl den amerikanischen Begriff "root beer" nicht so richtig gekannt. Da sind schon Kräuter drin, aber es ist eine Art Limonade und kein Bier, im Deutschen geht das dann so nicht. No offence!

  7. 7. Stalin

    Guthrie hat sich von nichts losgesagt. Er hat bis zum Schluss Stalin idealisiert als Menschenfreund und wollte die Geschichten von den Säuberungen nicht wahrhaben. Allerdings war er seit Ende der 40er gesundheitlich auch nicht mehr so auf dem Posten, und auch schon vorher während des Kalten Kriegs eine schwere Zeit als Kommunismusnaher.

  8. Er war: Männlich, weiß, US-Amerikaner, ... und spielte öfter Gitarre.
    .
    Was er wirklich dachte, wusste er nur selbst.
    .
    Der Rest: Zuschreibung, Politik, Bussines....?
    .
    Seine Texte, sind aber im ihrem Zeitbezug "Klassiker" geworden!
    .
    Gruss
    Sikasuu
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    Ps. In der USA Kommunist zu sein ist sehr leicht :) Obama ist einer, frag mal nen REP nach "Obamacare"!

    2 Leserempfehlungen
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    Nö, Guthrie hat sich da schon selbst dazu geäußert, und zwar sehr dezidiert. Aber man darf eben nicht den Fehler machen, Kommunismus mit Totalitarismus gleichzusetzen, sondern muss das aus der Zeit heraus verstehen. Kommunistische und sozialistische Ideale waren während der großen Depression in den 30er und frühen 40er Jahren auch in den USA durchaus populär. Die Leute haben die extreme Not gesehen und im Zweifel selbst erlebt und da schien eine Gesellschaftsordnung, in der alle Menschen einen gerechten Anteil am vorhandenen Reichtum abbekommen, und sich nicht nur einige sich auf Kosten anderer bereichern, welche im reichsten Land der Welt in bitter Armut leben durchaus attraktiv. Ist es auch objektiv heute noch, nur leider ist da durch die mehr oder weniger totalitären Züge der meisten real-sozialistischen Staaten einiges an Idealismus abhanden gekommen (plus antikommunistische Propaganda nicht zu vergessen).

    Marx/Engels Kommunisten? Ja würde ich mal sagen.
    .
    Lenin/Trotzki Kommunisten? Bedingt, aber auch noch.
    .
    Bei Stalin hörte es auf.
    ####
    Wenn ich die Einschätzung in Trotzkis Auto-Biografie
    Quelle: http://www.marxists.org/d...
    .
    nur ein wenig richtig sein lassen. Kann ich Guthrie Parteinahme gut verstehen, aber ihn nicht Kommunisten nennen.
    .
    Linksliberal,in USA ja schon für "Communist" reichte. Kommunist, d.h. Ideologische, in DIAMAT und HISTOMAT beschlal#gen und mehr als "gefühlsmässig" für die "arbeitende Klasse" zu sein, eher nein!
    .
    Die "Philosophie" ist ein wenig komplizierter als das Bauchgefühl. Die "Zuschreibungen" sind wohl akzeptabel, aber danach waren Oppenheimer und Einstein auch Kommunisten.
    .
    Frag mal das FBI:-). Auch heute sind ja Leute die für "Obamacare" eintreten gans schlimme Linke= Sozialisten=Kommunisten.....
    .
    In USA sind die Labels schnell verteilt und nicht so differenziert wie im alten Europa.....
    .
    Es grusst
    ein Heimatloser Linker:-)
    Sikasuu
    .
    Ps. Dabei war ich gar nicht Links! Ich habe nur die Aussagen von Brand, der SPD usw. 1970 ernst genommen und geglaubt, das ist eine Wahrheit. Komisch, mit den gleichen Gedanken (ich kann mich so schlecht umgewöhnen/anpassen) bin ich "ante" Schöder/Münte... mit einmal ein fürchterlicher Revolutzer.
    .
    Quelle:
    Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen nicht gerecht geworden..
    http://de.wikipedia.org/w...
    hübsch!

    Nö, Guthrie hat sich da schon selbst dazu geäußert, und zwar sehr dezidiert. Aber man darf eben nicht den Fehler machen, Kommunismus mit Totalitarismus gleichzusetzen, sondern muss das aus der Zeit heraus verstehen. Kommunistische und sozialistische Ideale waren während der großen Depression in den 30er und frühen 40er Jahren auch in den USA durchaus populär. Die Leute haben die extreme Not gesehen und im Zweifel selbst erlebt und da schien eine Gesellschaftsordnung, in der alle Menschen einen gerechten Anteil am vorhandenen Reichtum abbekommen, und sich nicht nur einige sich auf Kosten anderer bereichern, welche im reichsten Land der Welt in bitter Armut leben durchaus attraktiv. Ist es auch objektiv heute noch, nur leider ist da durch die mehr oder weniger totalitären Züge der meisten real-sozialistischen Staaten einiges an Idealismus abhanden gekommen (plus antikommunistische Propaganda nicht zu vergessen).

    Marx/Engels Kommunisten? Ja würde ich mal sagen.
    .
    Lenin/Trotzki Kommunisten? Bedingt, aber auch noch.
    .
    Bei Stalin hörte es auf.
    ####
    Wenn ich die Einschätzung in Trotzkis Auto-Biografie
    Quelle: http://www.marxists.org/d...
    .
    nur ein wenig richtig sein lassen. Kann ich Guthrie Parteinahme gut verstehen, aber ihn nicht Kommunisten nennen.
    .
    Linksliberal,in USA ja schon für "Communist" reichte. Kommunist, d.h. Ideologische, in DIAMAT und HISTOMAT beschlal#gen und mehr als "gefühlsmässig" für die "arbeitende Klasse" zu sein, eher nein!
    .
    Die "Philosophie" ist ein wenig komplizierter als das Bauchgefühl. Die "Zuschreibungen" sind wohl akzeptabel, aber danach waren Oppenheimer und Einstein auch Kommunisten.
    .
    Frag mal das FBI:-). Auch heute sind ja Leute die für "Obamacare" eintreten gans schlimme Linke= Sozialisten=Kommunisten.....
    .
    In USA sind die Labels schnell verteilt und nicht so differenziert wie im alten Europa.....
    .
    Es grusst
    ein Heimatloser Linker:-)
    Sikasuu
    .
    Ps. Dabei war ich gar nicht Links! Ich habe nur die Aussagen von Brand, der SPD usw. 1970 ernst genommen und geglaubt, das ist eine Wahrheit. Komisch, mit den gleichen Gedanken (ich kann mich so schlecht umgewöhnen/anpassen) bin ich "ante" Schöder/Münte... mit einmal ein fürchterlicher Revolutzer.
    .
    Quelle:
    Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen nicht gerecht geworden..
    http://de.wikipedia.org/w...
    hübsch!

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