Neue MusikDer Komponist Hans Werner Henze ist tot

Er war einer der wirkungsvollsten Komponisten unserer Zeit: Hans Werner Henze starb im Alter von 86 Jahren in Dresden. Er schuf vor allem Opern und Sinfonien. von afp, dpa und dapd

Hans Werner Henze bei der Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises 2011 in Berlin

Hans Werner Henze bei der Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises 2011 in Berlin  |  ©Britta Pedersen/dpa

Der Komponist Hans Werner Henze ist tot. Henze sei am Samstag in Dresden gestorben, teilte der in Mainz sitzende Musikverlag Schott Music auf seiner Internetseite mit. Henze gilt als der meistgespielte zeitgenössische Komponist. Er wurde 86 Jahre alt. Henze sei "einer der vielseitigsten und wirkungsvollsten Komponisten unserer Zeit" gewesen, schrieb der Verlag in seiner Würdigung.

Henze hatte bereits im Alter von zwölf Jahren begonnen, erste Klavierstücke zu komponieren. Seinen internationalen Durchbruch schaffte Henze 1964 mit der Oper Der junge Lord , die in Zusammenarbeit mit der Dichterin Ingeborg Bachmann entstand. Henze schuf mehr als 40 Bühnenwerke und zehn Sinfonien.

Anzeige

Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben seiner hochgelobten 9. Symphonie unter anderem die Oper Die Bassariden , die 1966 in Salzburg bejubelt wurde. Zuvor hatten schon Boulevard Solitude von 1952, König Hirsch von 1956, Der Prinz von Homburg von 1960 und die Elegie für junge Liebende von 1961 Henzes Ruf als Opernkomponist gefestigt.

Die Semperoper in Dresden hatte jüngst ihre Spielzeit mit der Premiere der Antikriegsoper Wir erreichen den Fluss – We come to the river des in Westfalen geborenen und in Italien lebenden Komponisten eröffnet.

Auf die Frage, ob er immer noch täglich komponiere, antwortete Hans Werner Henze 2010 im Gespräch mit der ZEIT : "Eine Stunde vor dem Frühstück und nach dem Frühstück noch einmal ein, zwei Stunden."

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. "einer der wirkungsvollsten Komponisten unserer Zeit"
    .
    Das bezweifle ich. Stark.
    Sogar der die Aussage abschwächende "einschränkende Superlativ" hilft da nix. Es gibt in "unserer Zeit" - ja, seit 70, 80 Jahren weitaus "wirkungsvollere" Komponisten. Muss ich sie wirklich nennen? Was ist mit Cole Porter, Rodgers & Hart, G. & I. Gershwin, Irving Berlin, Jerome Kern, Johnny Mercer, Hoagy Carmichael ... Was ist mit all den Jazz und Blues-Leuten die ungeheuren EInfluss bis heute haben, mit den unzähligen Komponisten (und Interpreten die oft zugleich die Komponisten waren) im Rhythm & Blues, im Rock'n'Roll, Rock, Blues... Sogar so einer wie Steve Reich war "wirkungsvoller" als Henze. Oder Miles Davis, oder die Pianisten (und composers) Monk, Bill Evans...
    Wer legt sich zuhause tatsächlich eine CD auf mit Henze-Musik, womöglich zum Geniessen?
    .
    Disclosure: ich höre gerade "Le Nozze di Figaro" (Böhm, 1968, mit Fischer-Dieskau, Prey, Mathis, Janowitz...)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann es wirklich nicht mehr hören, das ewig klug-eiernde Genöhle von diesen meist halbwissenden Gelegenheitsschreiberlingen. Ja, sie haben schon ein paar tolle Komponistennamen drauf! Und sie hören und kennen nicht nur Jazz, nein, Sie hören sogar noch Klassiker auf klassischen Aufnahmen! Man ist sehr, also wirklich sehr beeindruckt, ganz im Ernst.
    Henze ist tot.
    Er war einer der großen Komponisten unserer Zeit. Er hatte viel zu sagen, und gewährte mit seinen enormen künstlerischen Mitteln immer wieder tiefe Einblicke in Abgründe, nicht zuletzt seine eigenen.
    Und er darf als wirkungsvoll bezeichnet werden, ohne Frage.
    Ui. Und schon kommen sie aus ihren Löchern gekrochen, die Abwäger, die Leichenfledderer, die Beurteiler, die Contra-Jongleure, die, die nie im Leben den Mut hätten, selber etwas Unerhörtes zu wagen, zu schaffen- geschweige denn es einer kritischen Öffentlichkeit zu präsentieren. Es lebe Hans Werner Henze. Es lebe der Jazz, es lebe die Musik- und ihre vielen Helden!

  2. Ich kann es wirklich nicht mehr hören, das ewig klug-eiernde Genöhle von diesen meist halbwissenden Gelegenheitsschreiberlingen. Ja, sie haben schon ein paar tolle Komponistennamen drauf! Und sie hören und kennen nicht nur Jazz, nein, Sie hören sogar noch Klassiker auf klassischen Aufnahmen! Man ist sehr, also wirklich sehr beeindruckt, ganz im Ernst.
    Henze ist tot.
    Er war einer der großen Komponisten unserer Zeit. Er hatte viel zu sagen, und gewährte mit seinen enormen künstlerischen Mitteln immer wieder tiefe Einblicke in Abgründe, nicht zuletzt seine eigenen.
    Und er darf als wirkungsvoll bezeichnet werden, ohne Frage.
    Ui. Und schon kommen sie aus ihren Löchern gekrochen, die Abwäger, die Leichenfledderer, die Beurteiler, die Contra-Jongleure, die, die nie im Leben den Mut hätten, selber etwas Unerhörtes zu wagen, zu schaffen- geschweige denn es einer kritischen Öffentlichkeit zu präsentieren. Es lebe Hans Werner Henze. Es lebe der Jazz, es lebe die Musik- und ihre vielen Helden!

    Antwort auf "... achwas?! ..."
  3. Nun ja, ich habe Herrn H. in den Siebzigern mal kennen gelernt, er war - gelinge gesagt - nicht sehr sympathisch: Er behandelte die Bühnenleute in einer Art und Weise wie man's einfach - schon aus Höflichkeit - nicht tut
    .

    .
    DasWirkungsvoll, das trifft zu auf Lennon/McCartney zu, Auf Jagger/Richards (und viele mehr).

    Ich krieche auch nicht plötzlich hervor: Ich bin seit 42 Jahren in der Musik aktiv und "schimpfe" seit der Zeit auch gegen all das unhörbare Subventionszeugs. ...
    Es reicht.
    Mozart dagegen, Bach, Mendelssohn, Billie Holiday, Lester Young, Bix...

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beiträge, die als unangemessen verstanden werden. Danke, die Redaktion/jz

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zum anderen zeigen Ihre Worte, dass Sie es in den letzten 42 Jahren offenbar verpasst haben, mehr über Henzes Musik als über seinen Umgang mit Bühnenleuten zu erfahren. Henze wurde nämlich über lange Zeit hinweg mitnichten hofiert und offiziell subventioniert, sondern von den Protagonisten der Neuen Musik in Deutschland (im Ausland nicht, da verehrte man ihn) verlacht und beschimpft, weil seine Musik ihnen als zu schön (!) erschien und er darauf beharrte, dass er an die Kraft der Melodie glaubt. Und schön und voller Farbfantasie ist seine Musik, und es sollten noch viel mehr Menschen erst einmal auf sie aufmerksam werden. Der Genuss wird dann nicht ausbleiben, wie das begeisterte Publikum in ausverkauften Konzertsälen und Opernhäusern beweist.

    Ein Gruß und ein herzlicher Dank an Hans Werner Henze, und Ihnen, werter Vorkommentator, eine bedenkenswerte Aussage Ferruccio Busonis ins Stammbuch: "Frei ist die Tonkunst geboren, frei zu werden ihre Bestimmung."

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Auseinandersetzungen. Danke, die Redaktion/jz

    Sie haben völlig recht. Lassen Sie sich von Leuten wie dem "topmajor"(nomen est omen?) nur nicht einschüchtern.

    und hohe Ansprüche an sich selbst und andere kommen auch meist nicht sehr sympathisch rüber.
    Das sagt aber nichts über deren Kunst aus, denn irgendwann trennt sich das Werk vom Künstler.
    Und ob Mozart so sympathisch war??!

  4. Zum anderen zeigen Ihre Worte, dass Sie es in den letzten 42 Jahren offenbar verpasst haben, mehr über Henzes Musik als über seinen Umgang mit Bühnenleuten zu erfahren. Henze wurde nämlich über lange Zeit hinweg mitnichten hofiert und offiziell subventioniert, sondern von den Protagonisten der Neuen Musik in Deutschland (im Ausland nicht, da verehrte man ihn) verlacht und beschimpft, weil seine Musik ihnen als zu schön (!) erschien und er darauf beharrte, dass er an die Kraft der Melodie glaubt. Und schön und voller Farbfantasie ist seine Musik, und es sollten noch viel mehr Menschen erst einmal auf sie aufmerksam werden. Der Genuss wird dann nicht ausbleiben, wie das begeisterte Publikum in ausverkauften Konzertsälen und Opernhäusern beweist.

    Ein Gruß und ein herzlicher Dank an Hans Werner Henze, und Ihnen, werter Vorkommentator, eine bedenkenswerte Aussage Ferruccio Busonis ins Stammbuch: "Frei ist die Tonkunst geboren, frei zu werden ihre Bestimmung."

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Auseinandersetzungen. Danke, die Redaktion/jz

    Antwort auf " "einer der....." "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn der erste Absatz meiner Antwort zu persönlich war (der Aufregung über gemachte Aussagen geschuldet), so bitte ich Sie mir zu erlauben, die Aussage nochmals anders zu formulieren:

    Nach meinem Empfinden zeugt es nicht von Anstand, einen gerade Verstorbenen verbal niederzukeilen, bzw. seinen Tod zum Anlass zu nehmen, Subventionsverschwendung anzuprangern. Man sollte in einem solchen Augenblick die Größe besitzen, die Lebensleistung anderer anzuerkennen, ob man sie persönlich mag oder nicht. Dasselbe gilt für unterschiedliche ästhetische Ansichten.

  5. Sie haben völlig recht. Lassen Sie sich von Leuten wie dem "topmajor"(nomen est omen?) nur nicht einschüchtern.

    Antwort auf " "einer der....." "
  6. Schade, dass dieser großartige Komponist von uns gegangen ist.

    Ich habe seine Biographie gelesen und war sehr beeindruckt von seinem Leben. Er war aufgrund seiner Erfahrungen im 2. Weltkrieg sein Leben lang ein Gegner von Krieg und Faschismus, fühlte sich aber auch mitschuldig. Dies trieb ihn wohl sein Leben lang um. Möge er seinen Frieden damit gefunden haben.

    Mit seiner berühmten Sommerakademie "Cantiere Internazionale d’Arte" hat er das internationale Musikleben sehr beeinflusst. Ein einmaliges Projekt, auch dem Volk Musik nahe zu bringen! Das sollte ein Vorbild sein!

    @voelligbaff: Henze komponiert eklektizistisch. Er hat sich also nicht auf einen Stil festgelegt. Ihn einfach "moderner Musik" zuzuordnen würde ihm nicht gerecht werden. Übrigens: Bachs Werke wurden nach seinem Tod auch jahrzehntelang nicht aufgeführt. Da hat man auch erst spät gemerkt, was man an seinen Werken hatte. Der richtige Durchbruch von Bach war erst im 19. Jahrhundert!

    • rwin
    • 27. Oktober 2012 17:44 Uhr

    ...dass anlässlich des Todes von Hans Werner Henze die Kommentatoren sich gegenseitig verprügeln?
    Das ist ja fast so wie bei Spiegel-online!

  7. Wenn der erste Absatz meiner Antwort zu persönlich war (der Aufregung über gemachte Aussagen geschuldet), so bitte ich Sie mir zu erlauben, die Aussage nochmals anders zu formulieren:

    Nach meinem Empfinden zeugt es nicht von Anstand, einen gerade Verstorbenen verbal niederzukeilen, bzw. seinen Tod zum Anlass zu nehmen, Subventionsverschwendung anzuprangern. Man sollte in einem solchen Augenblick die Größe besitzen, die Lebensleistung anderer anzuerkennen, ob man sie persönlich mag oder nicht. Dasselbe gilt für unterschiedliche ästhetische Ansichten.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, AFP, dpa, sc
  • Schlagworte Hans Werner Henze | Musik | Komponist | Ingeborg Bachmann | Fluss | Frühstück
  • Der Autor Diedrich Diederichsen

    Geist ohne Lächeln

    Deutschlands oberster Poptheoretiker hat einfach keine Lust auf ein Frühstücksei. Unser Kolumnist versteht sich mit ihm auf animierende Art irgendwie so gar nicht.

    • Der Zahn ist draußen: Kateryna Kasper in Peter Eötvös' "Der goldene Drache" in Frankfurt

      "Aua, aua – Schme-e-erzen!"

      Teuer, träge, selbstverliebt: Der Oper wirft man einiges vor. Trotzdem entstehen derzeit so viele neue Stücke wie noch nie. Warum halten sich so wenige im Repertoire?

      • Paul Kalkbrenner in China: Junge aus Ostberlin

        Junge aus Ostberlin

        Sogar in China tanzen sie jetzt nach seinen Beats: Wie kam es eigentlich, dass Paul Kalkbrenner einer der gefragtesten Techno-Musiker der Welt wurde?

        • Der britische Musiker Robert Plant auf Tour im Juli 2014

          Liebe zum Schlamm

          Alle kommen wegen Robert Plant. Nur unser Reporter ist wegen der Vorband hier, den North Mississippi All Stars. In Berlin erlebte er ein bluesgefärbtes Generationenfest.

          Service