Daniel Craig als James Bond in "Casino Royale" © Greg Williams/Eon Productions via Getty Images

Vorspann
"Dammdadadamm, dammdada dammdadadamm, dadada-dadaaaah-dadadah": So hat ein Bond-Film anzufangen. Ein Punkt hüpft über die Leinwand, wird zum Pistolenlauf, durch den der Blick des Betrachters auf den Agenten mit der Doppelnull fällt. Zu dieser Gun Barrell Sequence ertönt das Thema, das Monty Norman komponiert, John Barry arrangiert hat. Es folgt, so hat es sich in den 23 Bond-Filmen der Produktionsfirma Eon als Standard etabliert, eine erste Filmszene, ein Teaser – und dann kommt der Vorspann.

Ganz großes Kino: aufwändig gestaltete Credits, für die bis zu seinem Tod 1991 Maurice Binder verantwortlich war, und dazu ein eigens komponierter Titelsong. Wir stellen die Tops und die Flops aus 50 Jahren Bond vor – rechtzeitig zum Filmstart von Nummer 23, Skyfall . Ach ja: Den gleichnamigen Song von Adele finden Sie unter "Flops".

Tops

001: Shirley Bassey: Goldfinger (1964)
Shirley Bassey gebührt die Krone des besten akustischen Bond-Girls schon deshalb, weil sie als einzige mehrere Titelsongs singen durfte. Goldfinger , die Liebeserklärung an den von Gert Fröbe gespielten perversen Erzschurken, ist der Urtypus des testosterongeschwängerten Bond-Songs. Auch Diamonds Are Forever ( Diamantenfieber , 1971) nimmt die Gestaltungsprinzipen der Serie – Geldgier, Sex und Action – mit seinen wechselnden Tempi gekonnt auf. Weniger im Gedächtnis bleibt Moonraker ( Moonraker – Streng Geheim , 1979). Basseys Beitrag zu Thunderball (1965), Mr Kiss Kiss Bang Bang , wurde ebenso verworfen wie Dionne Warwicks Version.

002: Paul McCartney & Wings: Live And Let Die ( Leben und sterben lassen , 1973)
Im achten Bond schrieb erstmals nicht John Barry den Titelsong, das taten Paul und Linda McCartney. Klingt schlimm? Zählt aber zum Besten, was McCartney nach dem Zerbrechen der Beatles zustande brachte: ein abwechslungsreiches Bombastorama aus Rock und Reggae, Orchester und Band, produziert vom Beatles-Klangmagier George Martin. Das passt zum modernisierten, selbstironischen Bond, den hier erstmals Roger Moore spielt, und wurde zu Recht für den Oscar nominiert.

003: A-ha: The Living Daylights ( Der Hauch des Todes , 1987)
Bond wuchs aus der Swing- und der Beatles-Ära in die Achtziger. Schon 1985 verpassten Duran Duran Barrys Bond-Thema für A View To A Kill ( Im Angesicht des Todes ) einen waveigen Touch und die gerade angesagten technoiden Orchester-Staccati (besser als der Titel ist die Refrainzeile " dance into the fire " im Ohr). Für den nächsten Film zeigten die Norweger von A-ha den britischen Kollegen, wie es noch besser geht. Im Streit mit Barry um die Arrangements entstand eine Collage aus Kalter-Krieg-Orchestersoundtrack und dem Synthie-Pop der Perestroika-Epoche, voll auf der Höhe der Zeit. Der Neu-Bond Timothy Dalton hatte trotzdem keine große Zukunft.

004: Louis Armstrong:We Have All The Time In The World ( On Her Majesty's Secret Service / Im Geheimdienst ihrer Majestät , 1969)
Im sechsten Bond spielt George Lazenby den Agenten mit der Lizenz zum Töten zum ersten und letzten Mal. Und ausnahmsweise ist die Titelmelodie ein Instrumental . Doch es gibt da noch We Have All The Time in The World , eine der letzten Gesangsaufnahmen, die der schon geschwächte Louis Armstrong zwei Jahre vor seinem Tod einspielte. Es durchzieht den Film als Liebesmotiv, denn der ewige Schwerenöter Bond läuft doch tatsächlich in den Hafen der Ehe ein. Alle Zeit der Welt hat er selten, meist gilt es, irgendwelche Zeitbomben um 007 Sekunden vor der Explosion zu entschärfen. Und auch dem Paar bleibt keine Zeit, wie Satchmos zerbrechlicher Song vom Glück schon ahnen lässt: Bonds Braut wird am Ende erschossen.

005: Matt Monro:From Russia With Love ( Liebesgrüße aus Moskau , 1963)
Der erste Bond-Song (im ersten Film war nur das Bond-Thema zu hören) war schon damals altmodischer, als es der Geheimdienst ihrer Majestät erlaubt. Barry schrieb dem Crooner Matt Monro einen (nur im Abspann zu hörenden) herrlich romantischen Schmachtfetzen auf den Leib, der dem Gentleman-Bond in Ian Flemings Romanen näher ist als der Action der Filme. Den Gegenentwurf dazu lieferte Tom Jones für Thunderball ( Feuerball , 1965): Der Testosteron-Tiger aus Wales klingt, als fände er selbst auch nichts dabei, im Auftrag ihrer Majestät mal eben die Welt zu retten. Aber er wäre dabei nicht so cool wie Connery , sondern leidenschaftlich und extrovertiert.

006: Alicia Keys und Jack White:Another Way To Die ( A Quantum Of Solace / Ein Quantum Trost, 2008)
Ja, es kann funktionieren: Nachdem Madonna mit dem Versuch, den ganz anderen Bond-Song zu schreiben, grandios gescheitert war (siehe "Flops"), zeigten ihr der White-Stripes-Frontmann und die R'n'B-Sängerin, wo die Walther PPK hängt. Schlagzeug und eine überdrehte Gitarrenfräse ersetzen den Orchesterpomp, Klavierakkorde spielen von fern mit Bond-Motiven, Bläsersätze katapultieren Barry-Arrangements ins 21. Jahrhundert, und dass zwei kaum unterscheidbare Stimmen sprechsingen, ließe sich zur Not als Überwindung der Geschlechterkluft deuten. Wären nicht ein paar Durchhänger und der arg banale Schluss, der Song stünde noch weiter oben.

007: Sheena Easton:For Your Eyes Only ( In tödlicher Mission , 1981)
Eigentlich sollten Blondie den Titelsong des zwölften Films beisteuern. Ihr eigenes For Your Eyes Only gefiel der Produktionsfirma jedoch nicht, und den von Bill Conti verfassten Ersatz wollten sie nicht singen. Man kann sich auch schwer vorstellen, wie das tiefseegründig blubbernde Werk mit dem Whitney-Houston-mäßigen Refrain bei der New-Wave-Combo geklungen hätte. Sheena Easton ist sogar in der Titelsequenz zu sehen, ein Einzelfall in der Bond-Geschichte. Roger Moore fand, sie sei sexier als alle Bond-Girls.