Band Fraktus"Auf die Glocke, auf die Nuss"

Sind Rocko Schamoni, Jacques Palminger und Heinz Strunk die wahren Väter des Techno? Im Interview spricht die Band Fraktus über Computerliebe und das Phlötenphön. von Dennis Kastrup

Studio Braun ist "Fraktus", eine fiktive Band, die angeblich den Techno erfunden hat.

Studio Braun ist "Fraktus", eine fiktive Band, die angeblich den Techno erfunden hat.  |  © Pandorafilm

Das Hamburger Künstlerkollektiv Studio Braun wurde um die Jahrtausendwende mit Telefonstreichen bekannt. Die drei Mitglieder Rocko Schamoni, Jacques Palminger und Heinz Strunk sind außerdem Musiker, Theatermacher und Buchautoren (Dorfpunks, Fleisch ist mein Gemüse). Ihr neuester Streich: Fraktus, eine fiktive Band, die Anfang der achtziger Jahre angeblich Techno erfunden hat. Diesen Mythos stützt eine Mockumentary, eine gefälschte Dokumentation, die am Donnerstag in die Kinos kommt. Außerdem erscheint am Freitag das Album Millennium Edition. Am heutigen Dienstag tritt die Gruppe in Berlin auf.

Frage: Mein Vater hat mir Ende der achtziger Jahre das erste Fraktus-Album auf Vinylplatte geschenkt. Seitdem interessiere ich mich für elektronische Musik. Hören Sie solche Geschichten öfter?

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Bernd Wand (Jacques Palminger): Ja. Also es gibt sehr sehr viele Leute, die über die Schallplatten Fraktus-Fans geworden sind. Es geht ja sogar so weit, dass sich die meisten, die heute Techno machen, sich auf Fraktus beziehen.

Dickie Schubert (Rocko Schamoni): Das war bei uns eben auch so, dass über die deutschen Releases in Amerika Subreleases rauskamen. Auf dem Label Alternative Tentacles zum Beispiel gab es 1984 schon eine Maxi von uns, die Jello Biafra rausgebracht hat. Das sind Szenen, die sich da vermischen. Dass wir in Amerika über Hardcorepunk in den Großstädten bekannt geworden sind, das weiß heute hier keiner mehr. Es gibt amerikanische Maxi-Releases von uns, die man hierzulande gar nicht mehr bekommt.

Wand: Man kann sagen, dass uns damals überhaupt gar nichts bewusst gewesen ist. Wir haben es einfach gemacht. Achtziger Jahre. Da waren drei Dinge entscheidend: machen, machen, machen!

Frage: Wie hat sich das Musikgeschäft seither verändert?

Wand: Also für mich gilt im Musikgeschäft: 50 Prozent sind Schwachköpfe und 50 Prozent totale Idioten. Macht also 100 Prozent Leute, die keine Ahnung haben. Das heißt für uns: zurückziehen, abschotten, im ganz kleinen Kreis zusammenkommen und original das machen, was wir wollen und nicht das, was andere wollen. Sogenannte "Musikmanager", die uns irgendwas vorschreiben wollen. Die können sich bei uns ganz hinten anstellen.

Frage: Das klingt jetzt ein wenig unglaubwürdig. In der Dokumentation Fraktus, sieht man deutlich, wie Sie sich von Produzent Alex Christensen vorschreiben lassen, wie Ihr Song zu klingen hat.

Wand: Der Film ist ja auch nicht gut für uns. Der spricht ja teilweise eine Lügensprache. Alex Christensen, der hat uns so was von angelogen und das sieht man in dem Film sehr gut. Da wird er sich noch richtig für schämen. Der hat uns in die Augen geschaut und gesagt: "Super! Super!" Aber als wir dann draußen waren, hat er über uns geredet und zwar so, dass das richtig unter die Gürtellinie ging.

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