Galina Wischnewskaja bei einem Auftritt im Jahr 1965 © Erich Auerbach/Getty Images

Die russische Opernsängerin Galina Wischnewskaja ist tot. Die Witwe des Cellisten Mstislaw Rostropowitsch starb im Alter von 86 Jahren, wie Wischnewskajas Opernstudio mitteilte.

Russische Musikkritiker würdigten Wischnewskaja als "Stern am russischen Opernhimmel", Kremlchef Wladimir Putin erinnerte an ihre Kreativität und Nachwuchsarbeit. Menschenrechtler würdigten das politische Engagement der Sopranistin, die mit ihrem dritten Ehemann zu den berühmtesten Dissidenten der Sowjetunion zählte.

Wischnewskaja gilt als erste sowjetische Opernsängerin, die es zu internationaler Anerkennung brachte. Ihr klangvoller Sopran, zusammen mit großem schauspielerischen Talent, machte sie zum Star des Bolschoi-Theaters in Moskau .

"Künstlerin mit aufrechter Haltung"

Mit der Paraderolle der Tatjana begann in den 1950er Jahren Wischnewskajas Karriere am Bolschoi. Schon das Engagement am größten Musiktheater der Sowjetunion war ein enormer Sprung für die am 25. Oktober 1926 geborene Sängerin, die ohne Eltern in Leningrad aufgewachsen war. Der Erfolg der "Maria Callas des Bolschoi", wie sie in Zeitungen genannt wurde, wuchs durch zahlreiche Gastauftritte in Westeuropa und den USA . Wischnewskaja glänzte in den Rollen der Aida, Tosca, als Violetta in La Traviata oder Leonore in Fidelio .

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Rostropowitsch galt sie als "Künstlerin mit einer aufrechten Haltung", wie Menschenrechtler betonten. So nahm das Paar Anfang der 1970er Jahre den verfolgten Schriftsteller Alexander Solschenizyn ( Archipel Gulag ) in seinem Landhaus auf. Ihren Mut bezahlten beide damit, dass sie aus dem sowjetischen Musikleben gedrängt und 1978 ausgebürgert wurden. 1982 verabschiedete sich Wischnewskaja in Paris von der Opernbühne – immer noch als Tatjana in Eugen Onegin .

Erst in der Reformperiode unter Präsident Michail Gorbatschow kehrten die beiden Musiker 1990 in die Heimat zurück, wo sie begeistert empfangen wurden. Bis zuletzt besuchte Wischnewskaja die Premieren und war auch sonst im öffentlichen Leben präsent. Gorbatschow sprach von einem "großen Verlust" für die russische Kultur.