Musikrückblick 2012 : Unsere besten Alben des Jahres
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Phantom Ghost, Smallpeople, Kendrick Lamar

Tipps von Matthias Schönebäumer

Phantom Ghost: Pardon My English (Dial)
Ach, Dr. Schadenfreud, was soll ich nur tun? Ich kann nicht aufhören diese Platte zu hören, diese Trostfackel der alten Hoffnung mit all ihren sublimen Melodien und ihrer plüschigen Müdigkeit. Und dann singt dieser von Lowtzow auch noch von dunkelster Todesahnung, umweht in einer angelsächsischen Kunstsprache, dass die Brokatvorhänge flattern und das Eichenparkett knatscht. Und dieses verzärtelte Piano… Herr Doktor, ich glaube, ich bin verliebt.

Smallpeople: Salty Days (Smallville)
2012 war ein großes Jahr für Smallville, Hamburgs unaufgeräumtesten Plattenladen, und seine Bewohner. Salty Days ist flirrender Chicago-Schmelz, analoger Soul und handwarme Bässe – der House-Sound der kleinen Leute. Man kann darauf tanzen oder aber einfach nur liegenbleiben. Darf ausschließlich nur von supernetten DJs gespielt werden. Bonuspunkte für das schöne Artwork von Stefan Marx. Auf dass ihnen das Salz niemals ausgehe.

Kendrick Lamar: good kid, m.A.A.d. City (Interscope)
"Einen Kurzfilm" nennt Kendrick Lamar sein zweites Album. Ein autobiografisches Rap-Album als akustischer Bildungsroman mit Compton, L.A. als mythischer Kulisse. Ausgewaschene Voicemail-Nachrichten und atmosphärische Hörspielsequenzen halten die Erzählung über Einsamkeit, Gruppenzwang und Ruhmsucht zusammen. Fantastisch und intelligent gerappt, großartig produziert unter der Regie von Dr. Dre. Die Hip-Hop-Platte des Jahres. A day in the life.

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Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Danke!

Wie jedes Jahr (seit wann gibts die nun eigentlich?) freue ich mich sehr über diese Liste und bin noch lange nicht mit dem Durchlesen und -hören fertig. Die üblichen Meckerkommentare werden wohl auch dieses Jahr nicht ausbleiben ("wie - Album xy von z ist nicht dabei??? hat da überhaupt einer Ahnung von Musik??? das war doch DAS Album des Jahres!!!"), aber so sind die Menschen (lieber meckern und sich wichtig machen als selbst mal so eine Liste zu schreiben - die Leserartikelsparte steht ihnen offen). Ich werde sicherlich wieder die ein oder andere kleine Perle entdecken, die mir bis jetzt unbekannt geblieben ist.

Ein Fehler ist mir bis jetzt aufgefallen - das Klangbeispiel bei den Gebrüdern Kühn und bei Sidsel Endresen ist identisch.

Je unbekannter desto cooler

Vielen Dank, liebe Zeit, für die 36 Empfehlungen. Schade, dass nur 3 Alben im entferntesten eine gewisse Bekanntheit erlangt haben (Frank Ocean, Die Orsons, Ben Howard, dessen Album allerdings schon 2011 erschien). Es würde mich freuen, wenn Sie sich in Zukunft eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Popkultur wagen würden, sodass nicht nur 3% der Leserschaft wissen, worum es geht (Ehrlich, wer kennt Shaban und Käptn Peng?). Auch breitenwirksame Alben wie "The Heist", "Life is Good", "The Truth about love", "Some Nights" oder "Girl on Fire" sind durchaus eine sarkasmusfreie Besprechung und Empfehlung wert.

Ich musste schmunzeln

bei der Frage wer Shaban und Käptn Peng kennt. Denn lustigerweise ist es das einzige Album von den genannten das ich bisher gehört habe.
Liegt vielleicht daran dass ich andere Musikrichtungen bevorzuge aber ich werde mir trotzdem mal alles genannte anhören. Für mich war das Jahr 2012 musikalisch gesehen ein echter Genuss, so viele tolle Alben kamen raus. Wenn ich dann hier noch mehr finden kann umso besser. Bekannt oder unbekannt ist da doch Nebensache.

Sinn?

Ich möchte hier neue Musik entdecken, vielleicht auch aus Genres, die mit nicht so geläufig sind. Wenn ich Musik hören möchte, die mir in einer Stunde Radio das 10te mal entgegenbrüllt, mache ich das Radio an.. Wenn man sich wirklich mit MUsik auseinandersetzt wird man schnell entdecken, dass es eine viel größere Vielfalt hinter der Fassade des Pop gibt. Und meist finden sich eben die besten Stücke genau da.

Btw, Seite 7 ist doch schon fast Mainstream. Also die Orsons sind eigentlich schon sehr bekannt (die kenne sogar ich als jemand, der außer Prinz Pi Deutschrap nicht wirklich mag.), haben sogar vor kurzem ein Lied mit Cro gemacht und den kennt man ja wohl (suche Cro auf Musikplattform --> finde u.a. die Orsons).

Warum uebermaessg Bekanntes besprechen?

"Schade, dass nur 3 Alben im entferntesten eine gewisse Bekanntheit erlangt haben (Frank Ocean, Die Orsons, Ben Howard, dessen Album allerdings schon 2011 erschien). Es würde mich freuen, wenn Sie sich in Zukunft eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Popkultur wagen würden, sodass nicht nur 3% der Leserschaft wissen, worum es geht (Ehrlich, wer kennt Shaban und Käptn Peng?). Auch breitenwirksame Alben wie "The Heist", "Life is Good", "The Truth about love", "Some Nights" oder "Girl on Fire" sind durchaus eine sarkasmusfreie Besprechung und Empfehlung wert."

Ich mag an dieser jaehrlichen Zusammenstellung auf ZEIT Online eben DASS sie nicht bloss noch einmal die sowieso schon bekannten Platten des Jahres herunterleiert, zu denen man schon ueberall Rezensionen gelesen hat. Statt dessen gibt es eine persoenliche Best-Of-Liste verschiedener Redakteure in der man herumstoebern kann und mit der unbekanntere Kuenstler mal einer etwas breiteren Oeffentlichkeit praesentiert werden. Ich entdecke auch lieber in einer Liste erst einmal obskur anmutender Platten etwas neues, als noch einmal Alicia Keys und Konsorten praesentiert zu bekommen. Wer diese Kuenstler rezensiert sehen will wird uebrigens das ganze Jahr ueber auch im Musikblog der Zeit fuendig, wo vor nicht einmal einem Monat auch "Girl on Fire" ganz unsarkastisch rezensiert wurde:
http://blog.zeit.de/tontr...

Ich finde auch einen schrägen, asymmetrischen Querschnitt,

vorgestellt von verschiedenen Redakteur/inn/en - so wie eben hier - anregender und spannender als einen Ansatz, der sich irgendwie an in der Kunst sowieso nicht nachvollziehbaren Kriterien wie Ausgewogenheit, Resonanz, Un-/Bekanntheitsgrad, ... versuchen würde. Und, wie "afromme" sinngemäß sagt: Es gibt ja auch noch andere Quellen, wo man zufällig etwas hört oder auch gezielt suchen kann.

gern doch abseits der ausgetretenen pfade

@deblaenk,

der persönlich wunsch nach der besprechung massenfähigher alben sei ihnen unbenommen und dem wird hier ja auch immer mal entsprochen. allerdings kann man kaum verlangen, dass diese dann automatisch auch auf den persönlichen jahresbestenlisten landen.

wenn man allerdings bemängelt, dass ausgewählte alben/musiker wie z.b. leonard cohen(!) zu unbekannt sind, wird es haarig, von einem 3% bekanntheitsgrad zu besprechen.

ich selbst freu mich immer unter den durchaus bekannten alben auf diese weise noch mal etwas neues zu entdecken.