Tipps von Matthias Schönebäumer

Phantom Ghost: Pardon My English (Dial)
Ach, Dr. Schadenfreud, was soll ich nur tun? Ich kann nicht aufhören diese Platte zu hören, diese Trostfackel der alten Hoffnung mit all ihren sublimen Melodien und ihrer plüschigen Müdigkeit. Und dann singt dieser von Lowtzow auch noch von dunkelster Todesahnung, umweht in einer angelsächsischen Kunstsprache, dass die Brokatvorhänge flattern und das Eichenparkett knatscht. Und dieses verzärtelte Piano… Herr Doktor, ich glaube, ich bin verliebt.

Smallpeople: Salty Days (Smallville)
2012 war ein großes Jahr für Smallville, Hamburgs unaufgeräumtesten Plattenladen, und seine Bewohner. Salty Days ist flirrender Chicago-Schmelz, analoger Soul und handwarme Bässe – der House-Sound der kleinen Leute. Man kann darauf tanzen oder aber einfach nur liegenbleiben. Darf ausschließlich nur von supernetten DJs gespielt werden. Bonuspunkte für das schöne Artwork von Stefan Marx. Auf dass ihnen das Salz niemals ausgehe.

Kendrick Lamar: good kid, m.A.A.d. City (Interscope)
"Einen Kurzfilm" nennt Kendrick Lamar sein zweites Album. Ein autobiografisches Rap-Album als akustischer Bildungsroman mit Compton, L.A. als mythischer Kulisse. Ausgewaschene Voicemail-Nachrichten und atmosphärische Hörspielsequenzen halten die Erzählung über Einsamkeit, Gruppenzwang und Ruhmsucht zusammen. Fantastisch und intelligent gerappt, großartig produziert unter der Regie von Dr. Dre. Die Hip-Hop-Platte des Jahres. A day in the life.