Tipps von Thomas Groß

Leonard Cohen: Old Ideas (Smi Col/Sony)
Bibel, Thora, Kamasutra: Die alten Ideen sind die besten, wenn sie den guten Hirten Leonard durchströmen. Noch einmal hat er all seine Spleens versammelt und zu einem Album zusammengebunden, das uns erklärt, was die Idee der Liebe mit der Idee der Erlösung zu tun hat, ohne dabei als Illuminat daherzukommen. Old Lennie bleibt ein gewöhnlicher Sünder, der an die Himmelstür klopft, ja, manchmal meint man schon fast die Englein singen zu hören. Bleibt uns zu hoffen, dass sie ihn noch eine Weile nicht reinlassen.

Frank Ocean: Channel Orange (Island/Universal)
Was für eine Stimme, was für Songs, was für eine grandios durchgeknallte Type! Frank Ocean ist der legitime Erbe Curtis Mayfields und Marvin Gayes, er hat dem R'n'B ein neues, zeitgenössisches Gesicht gegeben, ohne dabei allzu stark die Errungenschaften der kosmetischen Chirurgie zu bemühen, aber auch ohne in die Stereotypen vom echten, warmen und erdigen Soul zurückzufallen. Sozialkritik, Soundfuturismus und Gender Trouble gehen hier noch mal Hand in Hand. Allein schon deshalb die Platte des Jahres.

Die Türen: ABCEFDHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ (Staatsakt/Rough Trade)
Berliner Agitpop mit hohem Aufrüttelfaktor und integriertem Humorantrieb. Getreu der Devise, der Kopf sei rund, damit das Denken seine Richtung wechseln kann, wird der Ball immer mehrfach über Bande gespielt, bis man gar nicht mehr weiß, wo es langgeht, aber vielleicht gerade deshalb seinen eigenen Weg findet. Mit einem Cover zum Selberbasteln, denn dies ist nun mal kein Konsumentenmist, sondern eine Mi-Ma-Mitmachplatte, bester Slogan: "Ich will keinen Mindestlohn, ich will Mindestliebe!"