Tipps von Stefan Hentz

Günter Baby Sommer, Savina Yannatou, Floros Floridis, Evgenios Voulgaris, Spilios Kastanis: Songs For Kommeno (Intakt)
Durch Musik Wunden verheilen, Vergangenes vergehen lassen? Mit seinen Songs for Kommeno erinnert der Schlagzeuger Günter Baby Sommer an die Opfer eines Massakers in Griechenland. Ihm geht es darum, der düsteren Erinnerung durch den Griff in den tiefen Fundus griechischer, byzantinischer, ottomanischer Klänge Hoffnung und Zuversicht abzugewinnen. Schönheit, die sich nicht von Stiefeln zertrampeln lässt. Ob sie den Schmerz über ein deutsches Kriegsverbrechen überwinden kann und Raum schaffen für eine Gegenwart?

Rolf & Joachim Kühn: Lifeline (Universal)
Zwei Brüder aus der Thomanerstadt Leipzig feiern Wiedersehen in der Jazzstadt New York und gönnen sich eine Session mit zwei Freunden im Geiste. Spontaneität und Spielfreude, um Kraft und Vision, um Verständnis und Kommunikation – des Pudels Kern. Und so spielen die vier. Entschlossen und zupackend, draufgängerisch und radikal ziehen sie ihre Bahnen. Warme und präzise Klarinette, sprudelndes wie zwangsläufiges Klavier, Bass und Schlagzeug, als hätten sie Jahre auf diesen Moment hingelebt. Bach und Coltrane nicken aus der Ferne. Ein Fest der Spielfreude.

Sidsel Endresen & Stian Westerhus: Didymoi Dreams (Rune gramofon)
Gitarre und Stimme, ganz im Hier und Jetzt. Gitarre und Stimme? Tatsächlich? Nichts ist sicher. Nichts ist so, wie es sonst klingt. Der Körper ein Soundgenerator, der Stimmapparat ein Set von Filtern. Die Gitarre eine Industrielandschaft, die Finger eine Kamera zum Erfassen von Klang. Jede Silbe, jeder einzelne Ton entsteht im Moment, entwickelt sein eigenes Leben, seine Farbe, seine Schwerkraft. Alle Gesetze sind aufgehoben, nur das Miteinander, der Prozess, die Wärme zählt. Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.