Tipps von Frank Schäfer

Witchcraft: Legend (Nuclear Blast)
Witchcraft versuchen, die Evolution des Doom Metal aus dem Psychedelic Rock zu wiederholen, aber so bezwingend tight und betörend melodiös und vor allem so rund produziert wie auf Legend gab es das von ihnen noch nicht zu hören. Der Kreativminister der Band, Magnus Pelander, singt glockenklar, sanftmütig, hippiesk, und die beiden Neuen an den Gitarren halten mit rüder Akkordarbeit dagegen, als ob es wieder 1969 wäre und sie zeigen müssten, dass der Sommer der Liebe nun aber endgültig vorbei ist und man langsam mal die Blumen aus dem Haar nehmen sollte.

Dinosaur Jr.: I Bet On Sky (PIAS)
Einmal mehr rollt der Riff-Sisyphos J Mascis unermüdlich seine massiven Akkord-Trümmer die ziemlich steilen Songs hinauf, und zwischendurch hat er auch immer noch Muße für diese typisch ungestümen und trotzdem merkwürdig in sich gekehrten, um sich selbst kreisenden Solo-Tänze. Der rustikale, kalkuliert ungeschliffene, hundertprozentig analoge Schimmelkellersound liefert genau das nötige Pfund an Profanität, das seine immer leicht elevierten – manche sagen auch larmoyanten – Gesangsbögen zur Erdung benötigen.

Gojira: L'Enfant Sauvage (Roadrunner)
In Flames und Soilwork haben den Weg geebnet, und die französische Art-Death-Metal-Band Gojira schlägt sich einmal seitlich in die Büsche, aber eine Abkürzung ist das nicht. Die ungemein komprimierte Produktion vermischt Brutalinski-Attitüde und Breitwand-Melodram, eine mitunter ziemlich ausgefuchste Prog-Textur evoziert zusätzliches Verstörungspotenzial, und über allem thront Joe Duplantier, dessen Monsterorgan einen fünfzigköpfigen Kirchenchor an die Wand grölen könnte. Und das macht er dann auch.