Tipps von Maxi Sickert

Now's The Time. Deep German Jazz Grooves, Vol. 2 1957-1969. The Lost Tracks (Sonorama/Groove Attack)
Manches ist zu Recht vergessen und hätte vielleicht nicht wieder ausgegraben werden sollen. Neben bekannten Namen wie Hans Koller und Albert Mangelsdorff, die Ende der fünfziger Jahre noch mit akrobatischer Schnelligkeit Bebop spielten, überraschen jedoch versteckte Seltsamkeiten wie die Modern Jazz Crew Stuttgart und vor allem das Manfred Weisandt Trio mit Many's Waltz. Berührend zärtlich und reduziert. Eine Zeitschleife zurück zu den tastenden Anfängen des German Jazz.

Schlippenbach Plays Monk. Piano Solo (Intakt)
Die Erinnerung der Hände. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner ersten und einzigen Begegnung mit dem verehrten Übervater übersetzt Alexander von Schlippenbach ausgewählte Stücke von Thelonious Monk in das Schlippenbachsche Universum. Sehr intim und mit sparsamen Anschlägen, immer wieder spielerisch genial und doch respektvoll zurückgenommen, gibt uns der großartige und spröde Free-Jazz-Pianist Einblick in seine Seele und zeigt, dass er doch ein großer Romantiker ist.

Dell, Westergaard, Lillinger feat. John Tchicai (Jazzwerkstatt)
Es sind die letzten Aufnahmen des Mastermusicians John Tchicai, die 2010 in Berlin aufgenommen wurden. Auf Einladung des Labels Jazzwerkstatt spielte der an legendären Coltrane-Aufnahmen beteiligte Saxofonist Tchicai mit dem Vibrafonist Christopher Dell, dem Bassist Jonas Westergaard und dem 1984 geborenen Berliner Ausnahmeschlagzeuger Christian Lillinger sein Projekt Music against Apartheid, das der langjährige Aktivist Tchicai gemeinsam mit dem südafrikanischen Bassisten Johnny Dyani in den achtziger Jahren entwickelt hatte. Wenige Monate vor Tchicais Tod im Oktober 2012 spielte die Gruppe die Musik noch einmal live. Traumverloren und intensiv. Improvisatorische Kunst auf ihrem Höhepunkt.