Tipps von Marcus Staiger

Celo und Abdi: Hinterhofjargon (Azzlackz/Groove Attack)
Auch wenn Celo und Abdi wegen diverser israelkritischer Andeutungen und der Ankündigung, ihr Album Hinterhofjargon könne man gerne auch als HJ abkürzen, unterschiedliche Debatten an der Hacke haben, so ist ihr Debüt trotz allem eines der besten Alben des Jahres. Straight von den Straßen des Frankfurter Südens in einem Kauderwelsch, das nicht Eingeweihten als undefinierbare Fremdsprache erscheinen muss. Wer sich jedoch durch die türkisch-arabisch-rotwelschen Sprachfetzen hindurch gekämpft hat, kann manch klugen Gedanken entdecken und einen ungeschönten Blick auf die Welt, wie sie ist.

Die Orsons: Das Chaos Und Die Ordnung (Chimperator/Universal)
Kaum ein Album wurde in diesem Jahr wohl so unterschätzt. Die Orsons sind vier Musiker in der falschen Band oder die falsche Band für vier geniale Solokünstler. Wie man das Ding auch drehen und wenden möchte, Das Chaos Und Die Ordnung wäre für jede andere Band der Meilenstein ihrer Karriere gewesen, nicht so für die Orsons. Witzig, verspielt, genial, brachial, künstlerische Freiheit auf dem Höhepunkt. Dennoch bleibt der Eindruck, ihre musikalische Anarchie solle die Musiker lediglich davor schützen, sich selbst zu nahe zu kommen. Das schaffen dann nur die Solosongs, das aber mit Gänsehaut. Wahnsinn!

Chief Keef: Back From The Dead (Glory Boys Ent./free download)
In der aktuellen Spex gibt es bereits einen Nachruf auf diesen Trend, der in diesem Jahr als frischer, unkonventioneller und rauer Wind die Hip-Hop-Szene durchwirbelte. Trap Music, sei schon wieder out, schreibt da der Kollege – zu schnell zu groß geworden. Nichtsdestotrotz hat Chief Keef, ein mittlerweile 17-jähriger Junge aus Chicago mit seinem Mixtape Back From The Dead einen echten Klassiker hingerotzt und Maßstäbe gesetzt. Dreckiger, roher und düsterer geht es kaum. Liebe Trap Music, egal, was die anderen sagen, ich mag dich trotzdem und werde auch weiterhin den Helikopter zu dir tanzen.