Tipps von Volker Schmidt

Animal Collective: Centipede HZ (Domino)
Mit diesem Album bläst das animalische Kollektiv, diesmal vierköpfig, die allzu frickeligen Spinnweben von seiner Musik und rockt riffig los. Es quietscht und fiept, rumpelt schrägrhythmisch und zieht den psychedelisch-proggigen Spielereien den selbstverliebten Zahn. Schicht um Schicht legen sich Rhythmusspuren über Elektronika über Rhythmusspuren über Rauschen über Gitarrenkrach über Rhythmusspuren. Sonic Youth haben würdige Nachfolger in digitalen Zeiten gefunden.

Sixto Diaz Rodriguez: Searching for Sugar Man (Legacy/Sony Music)
Der Sugar Man war eine Legende in Südafrika, ohne es zu wissen: Per Bootleg hatten sich die beiden in den heimischen USA erfolglosen Alben des Singer-Songwriters Sixto Diaz Rodriguez im Apartheid-Staat der siebziger Jahre verbreitet. Dass nichts mehr nachkam, erklärten sich seine Fans am Kap damit, dass ihr Idol gestorben sei. Seine Wiederentdeckung bringt einen Musiker zurück auf die Bühne, der lakonische Lyrics und üppige Arrangements zu seltsam zeitgemäßen Songs verbindet.

Samúel Jón Samúelsson Big Band: Helvítis Fokking Fokk (Contemplate)
Großgruppen-Funk mit Ethno-Power gegen Aschewolken und Finanzkrise: Die Samúel Jón Samúelsson Big Band zelebriert Blaxploitation-Minidramen, Prügelszenen und Siebziger-Jahre-Lederklamotten in isländischer Kulisse, mischt arabischen Wüstenblues und ghanaisches Highlife-Club-Arschgewackel in Kraftbläsersätze, wie sie zuletzt von Earth, Wind & Fire oder Tower Of Power zu hören waren. So zeigt man kollabierenden Banken und sterbenden Zeitungen stilvoll den Stinkefinger.