Musikrückblick 2012Unsere besten Alben des Jahres

Heiße Neulinge und alte Eisen: Welche Musik hat uns 2012 bewegt? Zwölf Musikkritiker von ZEIT und ZEIT ONLINE nennen ihre Lieblingsalben.

Tipps von Jan Freitag

Ben Howard: Every Kingdom (Island/Universal)
Folk ist bekanntlich das Ding der Stunde. Um daraus ein Ding der Unmöglichkeit zu machen, etwas wirklich Großes, etwas Bleibendes, bedarf es allerdings schon etwas mehr als Melancholie, Zauseligkeit und schöner Worte. Ben Howard hat all dies zur Genüge, in sein Debütalbum Every Kingdom packt er allerdings noch ein brillantes Gitarrenspiel, sein südenglisches Cockney und die nonchalante Rotzigkeit eines 23-Jährigen. Damit beschert er uns das Folkalbum 2012 schlechthin.

Captain PlanET: Treibeis (zeitstrafe)
Man mag darüber diskutieren, ob Treibeis ein echtes Punkrockalbum ist. Man mag sogar infrage stellen, dass Captain PlanET Punkrocker sind. Unbestreitbar aber ist, dass die Band aus Hamburg auf ihrer dritten Platte mit druckvoller Stimme, stimmigen Riffs und klugem eins-zwo-drei-vier-Gestus viel Charisma und Herz in ein Genre packt, das bisweilen grobschlächtig daherkommt. Captain PlanET sind zu intelligent fürs Brachiale. Und zu brachial fürs Verkopfte. Großartig!

Diagrams: Black Light (Full Time Hobby)
Guter Pop, könnte man sagen, ist die Kunst des geordneten Durcheinanders. Und kaum einer strukturiert es chaotischer als Sam Genders. Black Light, das Solodebüt des Tung-Sängers, ist in seiner Flatterhaftigkeit, einer Art verspielter Hermeneutik, so bezaubernd sorglos und dabei doch ziemlich ernst, irgendwo zwischen Bigband und Americana. Beim Hören findet man ein paar Momente Ruhe im Aberwitz der Gegenwart, nicht betäubt, sondern beschwichtigt. Ein seltenes Schauspiel.

Leserkommentare
    • 15thMD
    • 13. Dezember 2012 14:58 Uhr
    9. Sinn?

    Ich möchte hier neue Musik entdecken, vielleicht auch aus Genres, die mit nicht so geläufig sind. Wenn ich Musik hören möchte, die mir in einer Stunde Radio das 10te mal entgegenbrüllt, mache ich das Radio an.. Wenn man sich wirklich mit MUsik auseinandersetzt wird man schnell entdecken, dass es eine viel größere Vielfalt hinter der Fassade des Pop gibt. Und meist finden sich eben die besten Stücke genau da.

    Btw, Seite 7 ist doch schon fast Mainstream. Also die Orsons sind eigentlich schon sehr bekannt (die kenne sogar ich als jemand, der außer Prinz Pi Deutschrap nicht wirklich mag.), haben sogar vor kurzem ein Lied mit Cro gemacht und den kennt man ja wohl (suche Cro auf Musikplattform --> finde u.a. die Orsons).

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    • 15thMD
    • 13. Dezember 2012 15:12 Uhr

    Kendrick Lamar!

    Und ich hatte Ihre Erwähnung der Orsons übersehen. Sry dafür.

    • 15thMD
    • 13. Dezember 2012 15:12 Uhr

    Kendrick Lamar!

    Und ich hatte Ihre Erwähnung der Orsons übersehen. Sry dafür.

    Antwort auf "Sinn?"
  1. 11. klassik

    klassik sehe ich auf seite elf - max richter.
    wirklich tolles album, übrigens.

    Antwort auf "Danke für die Liste"
  2. dass Max Richters Album "Vivaldi Recomposed" zweimal vorkommt. Eine sehr gelungene Neuauflage der vier Jahreszeiten. Das Album macht sogar Lust, das Original mal wieder anzuhören. :) Einfach bezaubernd...

    • afromme
    • 13. Dezember 2012 16:58 Uhr

    "Schade, dass nur 3 Alben im entferntesten eine gewisse Bekanntheit erlangt haben (Frank Ocean, Die Orsons, Ben Howard, dessen Album allerdings schon 2011 erschien). Es würde mich freuen, wenn Sie sich in Zukunft eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Popkultur wagen würden, sodass nicht nur 3% der Leserschaft wissen, worum es geht (Ehrlich, wer kennt Shaban und Käptn Peng?). Auch breitenwirksame Alben wie "The Heist", "Life is Good", "The Truth about love", "Some Nights" oder "Girl on Fire" sind durchaus eine sarkasmusfreie Besprechung und Empfehlung wert."

    Ich mag an dieser jaehrlichen Zusammenstellung auf ZEIT Online eben DASS sie nicht bloss noch einmal die sowieso schon bekannten Platten des Jahres herunterleiert, zu denen man schon ueberall Rezensionen gelesen hat. Statt dessen gibt es eine persoenliche Best-Of-Liste verschiedener Redakteure in der man herumstoebern kann und mit der unbekanntere Kuenstler mal einer etwas breiteren Oeffentlichkeit praesentiert werden. Ich entdecke auch lieber in einer Liste erst einmal obskur anmutender Platten etwas neues, als noch einmal Alicia Keys und Konsorten praesentiert zu bekommen. Wer diese Kuenstler rezensiert sehen will wird uebrigens das ganze Jahr ueber auch im Musikblog der Zeit fuendig, wo vor nicht einmal einem Monat auch "Girl on Fire" ganz unsarkastisch rezensiert wurde:
    http://blog.zeit.de/tontr...

  3. Na dann zählen Sie lieber noch mal nach... ;)

  4. von Maxi Sickert war mir als Jazzfan durch die Maschen gefallen. Das ergibt dann ja schon ein Verhältnis von 2:10 für die Frauen!

  5. vorgestellt von verschiedenen Redakteur/inn/en - so wie eben hier - anregender und spannender als einen Ansatz, der sich irgendwie an in der Kunst sowieso nicht nachvollziehbaren Kriterien wie Ausgewogenheit, Resonanz, Un-/Bekanntheitsgrad, ... versuchen würde. Und, wie "afromme" sinngemäß sagt: Es gibt ja auch noch andere Quellen, wo man zufällig etwas hört oder auch gezielt suchen kann.

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