"Wir meinen das ernst, das ist das Verrückte", kommentiert Seligs Bassist Leo Schmidthals. "Love and Peace, das soll nicht zynisch oder lustig sein. Es geht um die weiche Art, sich selbst zu verändern, mit sich selbst die Frage zu klären: Stimmt das Leben hier bei uns?" Die haben sich besonders in letzter Zeit ja viele gestellt, und ebenso lang wartet das Publikum schon auf das große Album zur Kapitalismuskrise. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass diese neue Selig-Platte trotz aller Einwände, trotz aller nostalgischen Züge auch irgendwie erfrischend wirkt, so unbedarft direkt, wie man es heute eher selten hört: Sich überhaupt mal festzulegen auf eine Handvoll Ideale, und seien es erst mal nur Liebe und Frieden, das wagt fast keiner mehr. Tocotronic, die früher immerhin sehr unverhohlen über ihren Hass sangen, schon gar nicht.

Magma erscheint einem da wie ein guter Anfang. Die Feuilletons werden sie damit nicht erobern, aber möglicherweise brauchen wir den naiven, aber verbindlichen Charme einer Rockband wie Selig heute noch mehr als in den neunziger Jahren. "Alle reden das Gleiche, und die Musik ist so la la", singt Jan Plewka gegen Ende der Platte, beschreibt eine Szene zwischen leerem Kühlschrank und warmen Weingläsern und bettelt dann: "Bring mich irgendwohin, wo es seltsam und laut ist!" Die Sehnsucht nach einer besseren Welt – womöglich muss die immer erst mal mit der Sehnsucht nach einer besseren Party beginnen.