"Unser Song für Malmö"So wird das nix, Deutschland

Zwölf Kandidaten bewerben sich darum, Deutschland im Mai beim ESC vertreten zu dürfen. Wer taugt was, wer hat Chancen? Volker Schmidt hat sich die Beiträge angehört. von 

Die Schwedin Betty Dittrich singt für Deutschland "Lalala".

Die Schwedin Betty Dittrich singt für Deutschland "Lalala".  |  © EMI

Deutschland gewinnt den Eurovision Song Contest 2013. Ja, klar. Denn LaBrassBanda bewerben sich für Unser Song für Malmö. Und weil kaum eine deutsche Band die Massen so zum Toben bringt wie die bayerische Blaskapelle, gewinnt sie, fährt nach Schweden und räumt dort dicke ab. Rache für Lena Mayer-Landrut!

Ach nö. Wird nicht passieren. Erstens: Nackert ist bei Weitem nicht der beste Song der Blechbande. Gebremster Bierschaum statt barfuß im Bühnenschweiß. Posaunenchor-Intro, soulpoppiger Hauptteil, Sprechgesang im tiefsten Chiemgauer Dialekt und nur zwischendurch ein bisschen Chiemseegipsybayernbalkanesisch, nur Spurenelemente vom Reggae-Ska-Volxpunk aus Übersee (Oberbayern). A bisserl zahm.

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Zweitens: Nicht LaBrassBanda gewinnen den Vorentscheid, sondern schon eher Betty Dittrich, die Schwedin mit dem ach-so-bezaubernden Akzent, die Zeilen singt wie "Franz, er war ein Junge mit langem Haar, genauso wie Ringo Starr, doch wo ist er hin?" Entwaffnend ehrlich heißt das Liedchen Lalala. Prilblumen-Styling, Sechziger-Jahre-Minikleid und eine Ausstrahlung wie weiland Vivi Bach: ein niedlicher Auftritt aus der Zeit, als der ESC noch Grand Prix hieß. International hat die Wirtschaftswundernummer wohl kaum eine Chance, aber die haben – und das wäre drittens – LaBrassBanda auch nicht. Schon allein, weil deren Gesang fast englisch klingt, aber es nicht ist.


Es sind einige Musiker im deutschen Wettbewerb, die echt was drauf haben. Neben Betty Dittrich zieht Saint Lu den stärksten Hype auf sich, und das hat mindestens einen guten Grund: ihre Stimme. Der andere wird wohl sein, dass sie sich so apart in lasziven Unterwäsche-Posen durchs Video zu ihrem Song Craving räkelt. Die als Luise Gruber geborene Österreicherin, Jahrgang 1984, hat daheim auf dem Bauernhof die gute Landluft, bei USA-Aufenthalten eine ordentliche Portion Soul und außerdem (zumindest in ihren Videos) eine ganze Menge Zigarettenrauch inhaliert. Ihre Alben mischt Patrik Majer, der Produzent von Wir Sind Helden. Die Texte schreibt Stefan Skarbek, der auch für Amy Winehouse gedichtet hat.

In dieser Richtung ist Saint Lu denn auch unterwegs: irgendwo auf einem nicht ganz aussichtsarmen Platz in der Janis-Joplin-Erbfolge, den Blues mit Dreckspritzern in Pastelltönen veredelt und auf hohem musikhandwerklichen Niveau, auch dank des Major-Labels im Rücken. Nur ein leichter Hauch von Retortenduft hängt in der Rockdivenmähne.

Anders als bei der Duisburger Folk-Pop-Combo Mobilée. Die war zwar auch schon auf Tour mit Roxette und Tim Bendzko (der, Obacht!, in der Jury des Vorentscheids sitzt) und ist längst bei Universal unter Vertrag, bewahrt sich aber einigen Neulingscharme. Angeblich war nicht mal mit der Plattenfirma abgesprochen, was Mobilée im Sommer im biederen ZDF-Fernsehgarten inszenierten: Mit Pussy-Riot-Sturmhauben und Putin-Maske thematisierten sie die Zensur in Russland und vernachlässigten darüber die Lippenbewegungen, sodass noch dem Letzten auf dem Lerchenberg die Playbackigkeit der ganzen Chose aufging.


Ihr Beitrag Little Sister ist nett und fröhlich; Akkordeon, Ukulele und Banjo hört mancher vielleicht nicht alle Tage. Allerdings meckern ESC-Fans, der Song sei im Internet früher veröffentlicht worden, als die Regeln erlauben – ein Problem, das auch zwei weitere Beiträge betrifft. Der NDR hat es mit den ESC-Herrschenden von der European Broadcasting Union geklärt: Frühere Versionen seien das, meilenweit weg vom eigentlichen Wettbewerbsbeitrag.

Leserkommentare
  1. Man könnte die Sendung auch einfach abschaffen.

    10 Leserempfehlungen
  2. hmmmm....

    deutschland hat also keinerlei chancen einen völlig überbewerteten und musikalisch bedeutungslosen kommerzwettbewerb zu gewinnen?

    https://www.youtube.com/w...

    3 Leserempfehlungen
    • spacko
    • 14. Februar 2013 13:10 Uhr

    Könnte nicht mal ein Redaktions-Hiwi die zahlreichen Links im Artikel in die richtige Reihenfolge bringen? Die Anzahl der Fehler ist echt peinlich...

    2 Leserempfehlungen
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    • spacko
    • 14. Februar 2013 15:23 Uhr

    ..

    Redaktion

    Liebe Leser, vielen Dank für den Hinweis auf die falschen Links, die sich aufgrund einer technischen Störung in den Text eingeschlichen haben. Jetzt sollte alles funktionieren. Beste Grüße aus der Redaktion!

  3. Selbst der schwächste Song, den LaBrassBanda jemals gemacht hat, dürfte ausreichen, um den Rest um Längen zu schlagen. Wenn es im Qualität ginge. Sie sind der heißeste Live-Act zwischen Auer Mühlbach und Mississippi und der einziger Grund, warum ich mir den Schmarrn ESC nach Jahren wieder mal anschauen werde.

    2 Leserempfehlungen
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    ... wird kein guter Live-Act gesucht, denn ein Karaoke-Act - bis auf den Hauptgesang kommt alles vom Computer.

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    • Laksini
    • 14. Februar 2013 22:36 Uhr

    Grandioser Song! Super Video! Könnte im Ausland vielleicht auf Sprachbarrieren treffen ;)

    • lisal
    • 14. Februar 2013 13:37 Uhr

    Für mich wäre jemand wie Menowin, eine Alternative, zu dem was man sonst so zum ESC schickt und zwar mit Songs in seiner Sprache Romenes

    Einen deutschen Sinto dort hin zu schicken, wäre ein europäischer Beitrag zur Integration einer seit Jahrhunderten verfolgten Minderheit und er hier kann was

    http://www.youtube.com/wa...

    • TDU
    • 14. Februar 2013 14:16 Uhr

    Gut ist zumindest, dass viele Kandidaten, gesehen auf der "kleinsten Bühne der Welt" recht professionell was live bieten. Das meiste mag ich nicht und selbst eine rauchige Stimme wird in der Sudio Version zur glatt geölten.

    Ist nun mal so. Dennoch finde ich es gut, dass sie es versuchen und nicht Kommissionen oder gar der Staat die Vorauswahl in der Hand haben.

    Von Robert Johnson bis Joe Bonamassa hätte vermutlich keiner den Prix gewonnen. Vielleicht gut so, denn nur solche Musik wäre auf Dauer auch eintönig. Und von denen diese Hintergrundsoundgepoppte Musik zu hören wäre doch enttäuschend.

    Die Entschuldigung der Söhne Mannheims für ihre Teilanhme fand ich übrigens ebenso bezeichnend für mache Avantgarde.

    Um im Bild zu bleiben: Massanzüge mochte ich ja immer, wollte ich aber damals nicht (gedacht: als ich noch mangels Geld auf die Fans im Schlabberlook angewiesen war).

    Von Keith Richards, Rory Gallagher und anderen hätte man so einen Stuss nie gehört. Die hätten es gemacht oder gelassen.

    Eine Leserempfehlung
  5. Verhindern kann man da wohl nix mehr, aber ich werde nicht schauen und egal wer gewinnt, es interessiert mich auch nicht mehr. Der Hype ist vorbei. Es gibt schlicht bessere Musik, die dann auch irgendwo läuft, statt sich solche Sendungen anzuschauen. Ich wünsche da auch allen alles Gute und so, aber eben ohne mich!

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