DJ Koze"Mit Jahrmarkt im Kopf brauche ich keinen Extra-Terror"

Stefan Kozalla alias Koze ist der beste, der größte DJ der Welt. Im Interview spricht er vom täglichen Wahnsinn und beantwortet Fragen von Dirk von Lowtzow und Heino. von Markus Heidingsfelder

Stefan Kozalla alias DJ Koze

Stefan Kozalla alias DJ Koze  |  © Pampa Records

ZEIT ONLINE: Ihr neues Album heißt Amygdala. Mandelkern wäre auch ein schöner Titel gewesen, deutscher ebenfalls. Warum die Fremdwortvariante?

DJ Koze: Weil ich unter anderem in Altgriechisch träume. Es klingt auch irgendwie…

ZEIT ONLINE: Geheimnisvoller?

Koze: Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund!

ZEIT ONLINE: Die Amygdala ist ja eine Art Gefahrendatenbank. Ist Ihr Album der Versuch, irgendwie bedrohliche oder gefährliche Erinnerungen in Klänge zu überführen? Angstverwaltung?

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Koze: In gewisser Weise schon. In erster Linie habe ich damit die Angst bewältigt, kein sehr gutes Album zu produzieren.

ZEIT ONLINE: Wovor haben Sie Angst?

Koze: Ich hab einen regelrechten Fuhrpark an Ängsten. Tagtäglich zum Beispiel habe ich die begründete Angst, nicht einschlafen zu können. Ich glaube, mein ganzes Leben würde komplett anders verlaufen, wenn es mir vergönnt wäre, jeden Abend vor zwölf ein- und dann durchschlafen zu können. Generellere Ängste: Ich hatte zum Beispiel Angst davor, mir eine Frau als Psychotherapeutin zu suchen, weil ich mir sicher war, dass sie sich in mich verliebt, wenn sie erst einmal merkt, was für ein komplexes, feinstoffliches Wesen ich bin. Und dann wäre alles noch viel schlimmer als vorher. Oder ich habe Angst, frühdement zu werden. Sehr häufig habe ich einfach nur Angst, irgendwo ohnmächtig zusammenzubrechen oder einen Herzinfarkt zu bekommen. Dass Leute dann eine Gasse bilden, ich auf der Trage durch die Menschenmasse getragen werde und alle raunen "Ei ei ei …" Jetzt gerade verspüre ich übrigens ein leichtes Kratzen im Hals, das mich beunruhigt. Ich glaube, ich hätte gern mehr Angst vor Dingen, vor denen es sich auch lohnt, Angst zu haben.

Zur Person
Zur Person

Stefan Kozalla alias DJ Koze alias Adolf Noise gilt als einer der besten DJs der Welt. Der 1972 geborene Flensburger ist bekannt für seine eleganten, minimalistischen Tracks und seinen schrägen Humor. Kozalla ist auch als Rapper (Deine Reime sind Schweine), Bandmitglied (Fischmob, International Pony) und Musikunternehmer (Pampa Records) erfolgreich. Gerade ist sein neues Album Amygdala erschienen.


ZEIT ONLINE: Kennen Sie Tarkus von Emerson, Lake & Palmer? Haben Sie solche Musik je gehört? King Crimson? Genesis?

Koze: Wenig, mir zu weiß und zappelrockig.

ZEIT ONLINE: Zumindest ein gewisser Zappa-Einfluss ist aus Ihrer Musik aber herauszuhören.

Koze: Der hat mich allerdings wirklich beeinflusst. Ich hatte richtige Erleuchtungsmomente mit Zappa, ich saß nachts aufrecht im Bett und mir stand der Mund offen. Zappa war wie Hunde auf einer Wiese, die in alle Richtungen laufen.

ZEIT ONLINE: Am Anfang des neuen Albums sagt eine Frauenstimme: "Wir brauchen Essen, wir brauchen Schlaf, und wir brauchen Musik." Aber ist das wirklich so? Ohne Gesetze zum Beispiel oder ohne Wirtschaft ginge es nicht – ohne Musik schon. Warum brauchen wir Musik?

Koze: Music makes us feel alive. Das kann man von Gesetzen nicht behaupten. Musik ist ein Wunder. Die einzige universelle Sprache. Und die Wirkung auf den Menschen im Gegensatz zu anderen Künsten ist ja fast schon empirisch belegbar. Dieses unsichtbare Gas, das sich ausbreitet und die Herzen bewegen, den Geist betören und die Hüften zum Schwingen bringen kann. Und wie unterschiedlich die Musik klingen kann, dabei sehen die Hüllkurven in ihrer Darstellung beinahe immer identisch aus.

ZEIT ONLINE: Dirk von Lowtzow von Tocotronic hört privat keine Musik mit Gesang. Hat er zumindest neulich behauptet. Hören Sie privat nie Musik mit Beat? Entsteht durch den Beruf eine Art Überdruss, und die schönste Musik ist dann Stille?

Leserkommentare
  1. Sehr sympathisches Interview!

    3 Leserempfehlungen
  2. mit dem Fischmob!!!

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  3. ... aber ein bisschen sehr affektiert wirkt das Interview schon.

    Liest sich aber erfrischend und zeugt von einer interessanten Persönlichkeit.

    Arvo Pärts und Samuel Barbers "deeptechnoesque Klassik" muss ich mir aber mal anhören. :D

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  4. ...hat der aber schon locker - sollte auf Blausäure in Mandeln aufpassen.

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    • mlupus
    • 25. März 2013 12:58 Uhr

    Ich kenne Koze nicht unnd vielleicht habe ich damit etwas verpasst. Nach dem Interview vor allem eine Portion Selbstgefälligkeit unter einem Mantel der herausgekehrten Unsicherheit. Wobei man bei den Fragen sich darüber nicht wundern muss. Warum man dann hier Heino bemühen muss, ist mir schleierhaft, denn den sollte man ganz bestimmt verpassen.

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    • persef
    • 25. März 2013 12:58 Uhr

    klingt wie selbst gemacht^^

  5. Was für ein erfrischender Musiker.

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    • hairy
    • 25. März 2013 13:40 Uhr

    die Aussage "Stefan Kozalla alias Koze ist der beste, der größte DJ der Welt." ist leider arg platter Superlativ-Werbejargon. ZEIT, das habt Ihr nicht nötig, oder?

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    Fischmob kennen würden (bigt´s leider nimmer...) dann würde diese Aussage auch für Sie Sinn machen...

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  • Schlagworte Gustav Mahler | Musik | Album | Klassik | Pop
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