David-Bowie-AusstellungEin Popprinz unter Königen
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Besonderes für die Fans

Skizzen aus Bowies Berufsschulzeit von 1958 bis 1963, ein tonloses Video der einzigen Begegnung zwischen ihm und Andy Warhol dürften auch für gut informierte Fans etwas Neues sein. Zu den Schmankerln gehören sicherlich seine vielen handschriftlichen Notizen, Liedtexte, kommentierten Setlisten und Cut-Ups, die so echt wirken, dass man das von blauer Tusche vollgesogene Papier förmlich Geschichten erzählen hört. Bisher ungesehen ist auch die eigens für den Sänger programmierte Software Verbasizer, mit der er für Alben wie Outside und Earthling Mitte der neunziger Jahre Texte per Zufallsgenerator kreieren konnte – eine digitale Weiterführung seiner von Williams Burroughs entliehenen Cut-Up-Technik aus den siebziger Jahren. Nicht zuletzt verblüffen die vielen detaillierten Notizen, Drehpläne und Storyboards, die Bowie zwischen 1973 und 1974 für das nicht umgesetzte Filmmusical Hunger City machte.

Bowie-Retrospektive

David Bowie Is ist vom 23. März bis 11. August 2013 im Victoria & Albert Museum in London zu sehen, Eintritt: £14.

Nur gestreift oder sogar ausgespart werden hingegen weniger konsensfähige Aspekte im Leben der Popikone, wie etwa seine Angst vor dem Wahnsinn, sein spiritueller Flirt mit dem Okkultismus und seine oft missverstandene Faszination für den Faschismus des Dritten Reichs, der Einfluss seiner Kokainabhängigkeit auf sein Werk, seine langjährige Affäre mit dem Kommerz in den Achtzigern, von dem er sich selbst immer wieder vehement distanziert, sowie auch seine musikalischen Zusammenarbeiten. Obwohl sein Freund und Langzeitproduzent Tony Visconti ein spezielles Medley für den ersten der beiden Ausstellungsräume produziert hat.

Bowie selbst würde sich zwischen royalen Kunstschätzen und antiken Skulpturen sehr wohl fühlen. Ob er dort irgendwann einen dauerhaften, unstreitbaren Platz bekommt, wird der Diskurs der Zukunft zeigen. Die Ausstellung im V&A – ob nun unter Bowies eigener Ägide oder nicht – bezieht eine eindeutige Position.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Danke, die Redaktion/au

  2. Er hat in seinem Leben schon jetzt viel geschaffen und bewegt. Auf welche Ebene soll er jetzt befördert werden? Will er sowas überhaupt?

  3. der beste künstler !

    • selbon
    • 23.03.2013 um 11:12 Uhr

    Ein Gauckler, Scharlatan und Verführer, aber ein genialer.

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