Rechtsrock-DebatteAkademie zieht Echo-Nominierung für Frei.Wild zurück

Die Nominierung von Frei.Wild für den Musikpreis war auf heftigen Widerspruch gestoßen, Bands wie Kraftklub und Mia. drohten mit Boykott. Nun hat der Veranstalter reagiert.

Die umstrittene Rockband Frei.Wild ist nach Protesten nicht mehr für den Musikpreis Echo nominiert. Die Deutsche Phono-Akademie habe sich nach intensiven Diskussionen dazu entschlossen, in die Regularien des Preises einzugreifen und die Band von der Liste der Nominierten zu nehmen, teilte der Bundesverband Musikindustrie mit, zu dem die Akademie gehört.

Die Kontroverse um die Nominierung der Band drohte den gesamten Echo und damit auch alle anderen Künstler und Bands zu überschatten, heißt es in einer Mitteilung. Der Vorstand wolle verhindern, dass der Echo zum Schauplatz einer Debatte um die politische Gesinnung wird. Daher sei Frei.Wild von der Liste genommen worden.

Anzeige

Die Chemnitzer Band Kraftklub und die Berliner Elektro-Popgruppe Mia. hatten zuvor aus Protest gegen Frei.Wild ihre eigene Teilnahme am Echo abgesagt. Auch Die Ärzte hatten gegen die Entscheidung der Veranstalter protestiert.

Der Bundesverband Musikindustrie hatte die Nominierung von Frei.Wild in einer ersten Stellungnahme noch verteidigt. Nach den Echo-Regeln gebe es keine Chance, die Nominierung zurückzunehmen, hieß es. Die Gruppe habe im vergangenen Jahr eines der bestverkauften Alben in der Kategorie Rock/Alternative National veröffentlicht. Allein auf Grundlage der Verkaufszahlen sei die Band auf der Liste vertreten.

Kritik an nationalistischem Gedankengut von Frei.Wild

Der Südtiroler Rockband wird vorgeworfen, in ihren Songs völkisches und nationalistisches Gedankengut zu verbreiten. Die Band selbst distanziert sich zwar von Neonazis, hat aber in der rechtsextremen Szene viele Fans. Tatsächlich kokettiert Frei.Wild mit jenen Begriffen und Sprachbildern, die auch bei rechten Bands auftauchen. "Südtirol, wir tragen deine Fahnen", heißt es etwa in einem Song, in dem auch von "Ahnen", "Helden" und "Feinden" die Rede ist. In einem anderen Song wird der Untergang des "Volkes" prophezeit.

Beobachter sehen die Band daher kritisch. "Entgegen aller Beteuerungen vertreten Frei.Wild sehr wohl politische Inhalte, und zwar ultranationalistische", sagt der Politikwissenschaftler Christoph Schulze vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin. Wer einen Zusammenhang zwischen menschlicher Abstammung und dem Heimatboden behaupte, bewege sich auf "brandgefährlichem Terrain".

Ähnlich sieht das der Politikwissenschaftler Günther Pallaver von der Universität Innsbruck. "Frei.Wild besingen eine Blut-und-Boden-Ideologie und knüpfen genau dort an, wo man 1945 geglaubt hatte, einen Bruch vollzogen zu haben." Die Gruppe vertrete "typische Diskurse der Zwischenkriegszeit, die von den Deutschnationalen stammten".

Die Echos werden am 21. März in Berlin verliehen. Frei.Wild war zusammen mit Mia., Kraftklub, Unheilig und den Ärzten für einen Preis in der Kategorie Rock/Alternative National nominiert. Die Toten Hosen mit Sieben und Cro mit sechs Nominierungen gelten als Favoriten bei der Veranstaltung.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Gute Entscheidung!

    29 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist eine Medienkampagne und Mobbing gegen eine Band, die nüchtern betrachtet einfach nur Hardrock produziert. Die Texte sind nationalistisch, patriotisch und auch durchaus rechts eingeordnet. Aber sie tun niemanden weh, sind nicht antisemitisch, fordern keinen Krieg und verachten keine Frauen.
    Texte von Bushido, Sido und ähnlichen sind da wohl schlimmer.

    Ich kann mit ihrer Musik nichts anfangen und finde ihre Texte auch nicht toll, aber hier muss man ganz klar auch mal objektiv bleiben.

    Einer Band von als Nominierung zurückzusehen, nur weil sich andere Musiker beschweren, halte ich für unverschämt. Der nächste möchte nicht neben Heino stehen und startet einen ähnliche Kampagne. Wo kommen wir da hin?

  2. sehr schön jetzt ist "Heimatliebe" auch schon auf den Index. Bekommt dafür Bushido und Sido den Ehren-Echo?

    Vielleicht noch Rosenstolz den #Aufschrei Echo?

    Erinnert an die eine Werbung "wir fahren alle nur noch dieses eine Auto".

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jp

    44 Leserempfehlungen
  3. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie differenzierte Beiträge. Danke, die Redaktion/jp

  4. für den anhaltenden Gesinnungsterror.
    Da eine NÄHE!!!!!! zu Nationalistischen Gedankengut VORGEWORFEN!!!!!!! wird, bekommt eine Band ihre Nominierung nicht.
    Es werden also Leute ausgeschlossen, weil irgendwer behauptet sie würden falsch denken. Auf dauer wird das sicherlich gutgehen, da hab ich ja gar keine Bedenken.....

    59 Leserempfehlungen
  5. ... das die Deutsche Musik Industrie keine demokratische Organisation ist.
    Dennoch muss ich sagen: Man gibt sich Regeln - das die bestverkauften Bands nominiert sind - und wenn einem das Ergebnis nicht gefällt, ändert man diese ?
    Das halte ich für ein bedenkliches Verhalten, wenn man einen Großteil von Leuten aus solchen Veranstaltungen ausschließt. Das schafft nur 2 Dinge: einen Mitleideffekt und eine Steigerung des Bekanntheitsgrades.
    Wenn alle das in aller Stille und mit Würde über die Bühne gebracht hätte, wäre die Öffentlichkeit die dieser Band jetzt zuteil wird, wesentlich kleiner gewesen.
    Und bevor jetzt alle über mich herfallen: Die Band war mir bis heute nicht bekannt!

    15 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beiträge, die lediglich der Provokation dienen. Danke, die Redaktion/jp

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Mia | Band | Echo | Kraftklub | Arzt | Protest
  • Der Autor Diedrich Diederichsen

    Geist ohne Lächeln

    Deutschlands oberster Poptheoretiker hat einfach keine Lust auf ein Frühstücksei. Unser Kolumnist versteht sich mit ihm auf animierende Art irgendwie so gar nicht.

    • Der Zahn ist draußen: Kateryna Kasper in Peter Eötvös' "Der goldene Drache" in Frankfurt

      "Aua, aua – Schme-e-erzen!"

      Teuer, träge, selbstverliebt: Der Oper wirft man einiges vor. Trotzdem entstehen derzeit so viele neue Stücke wie noch nie. Warum halten sich so wenige im Repertoire?

      • Paul Kalkbrenner in China: Junge aus Ostberlin

        Junge aus Ostberlin

        Sogar in China tanzen sie jetzt nach seinen Beats: Wie kam es eigentlich, dass Paul Kalkbrenner einer der gefragtesten Techno-Musiker der Welt wurde?

        • Der britische Musiker Robert Plant auf Tour im Juli 2014

          Liebe zum Schlamm

          Alle kommen wegen Robert Plant. Nur unser Reporter ist wegen der Vorband hier, den North Mississippi All Stars. In Berlin erlebte er ein bluesgefärbtes Generationenfest.

          Service