Statement gegen Rechts: der Rapper Casper (links) und die Band Kraftklub beim Echo 2012 © Michael Kappeler/dpa

Es sind noch 14 Tage Zeit. Genug, um sich zu überlegen, wie man einer rechtsgerichteten Band am wirkungsvollsten die Stirn bieten kann. Am 21. März werden in Berlin die Echos vergeben. Zum zweiten Mal nominiert in der Kategorie "Rock/Alternative National" ist die Südtiroler Band Frei.Wild, die im Verdacht steht, in ihren Liedern nationalistisches Gedankengut zu verbreiten.

Zu der Veranstaltung, die zur besten Sendezeit von der ARD übertragen wird, sind unzählige deutschsprachige Musiker eingeladen. Die Bands Kraftklub und Mia. haben sich selbst wieder ausgeladen, weil Erstere "nicht weiter in einer Reihe" mit Frei.Wild genannt werden möchten und Zweitere "deren Weltbild zum Kotzen finden".

In den kommenden 14 Tagen sollten sich jetzt Echo-Nominierte wie Cascada, Unheilig, Cro, die Toten Hosen, Seeed, Heino, Santiano, Andreas Gabalier, Peter Maffay, Lena Meyer-Landruth, Silbermond, Michael Wendler, die Kastelruther Spatzen, Matthias Reim, Mrs. Greenbird, Rea Garvey, David Garrett und nicht zuletzt die Moderatorin und Volksmusiksängerin Helene Fischer fragen, ob sie weiterhin in dieser Reihe stehen möchten.

Sie können Ansprachen vorbereiten, T-Shirts bedrucken oder zum scheinbar drastischsten Mittel greifen und ihre Teilnahme absagen. Aber ist es die richtige Kritikform, den Nationalisten das Feld zu überlassen? Wäre ein Rückzug aus dem öffentlichen, medialen Raum mehr als bloß Imagepflege? Geht es darum, nicht beschmutzt zu werden oder geht es um ein Statement im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?

Was macht Cro?

Während der Echo-Verleihung 2012 haben Kraftklub zusammen mit Casper eines in die Kameras gerappt: "Hättest Du mich auch geküsst, Dich einfach auf mich draufgestürzt – die Welt wäre vielleicht besser, Frei.Wild endlich aufgelöst." Diesmal sind Live-Auftritte von Cro und Seeed geplant. Sollten sie an ihrem Vertrag festhalten und das Gastspiel absolvieren, so doch hoffentlich mit einem krachenden Donnerwetter gegen Rechts.

Die Ärzte haben sich gestern auf ihrer Homepage geäußert: "Beim 'Wichtigsten Deutschen Musikpreis' ist mal wieder eine politisch fragwürdige Band nominiert. Da uns der Echo sowieso nie interessiert hat und unsere politische Einstellung hinreichend bekannt sein sollte, liegt der Rest in den Händen der sicherlich weisen Juroren." Die Jury wird, wenn sie nicht auf den großen Medienskandal aus ist, Frei.Wild keinen Preis zusprechen.

Wichtige Debatte um den Echo

Wozu also die ganze Aufregung, könnte man fragen. Tatsächlich bietet doch die aktuelle Debatte einen Grund zur Freude. Es geht nicht mehr nur um Musikgeschmack, sondern um politische Haltung. In breiter Öffentlichkeit wird nun diskutiert, was ein Musikpreis wert ist, der lediglich auf Verkaufszahlen basiert. Frei.Wild wurden schließlich nominiert aufgrund eines Automatismus: Wer hoch in den Charts steht – und sie standen auf Platz 2 –, kann auf den Echo hoffen.

Der "wichtigste deutsche Musikpreis" (und diese Anführungsstriche sind wichtig) verliert nun endlich vor den Augen eines großen Publikums die Unschuld des heiteren Betriebsfests.