Frei.Wild-Debatte"Die Sarrazinisierung des Popdiskurses ist weit verbreitet"

Wie anfällig ist die Gesellschaft für rechtes Gedankengut, das sich als Pop tarnt? Der Experte Thorsten Hindrichs spricht im Interview über Frei.Wild und deren Fans. von 

ZEIT ONLINE: Herr Hindrichs, beschäftigt man sich als Musikwissenschaftler derzeit automatisch mit dem Phänomen Frei.Wild?

Thorsten Hindrichs: Vermutlich schon. Ich jedenfalls bin seit dem vergangenen Semester dafür verantwortlich, das Projekt Musik und Jugendkulturen am Geschichts- und Kulturwissenschaftlichen Institut in Mainz auf den Weg zu bringen, da interessiert mich das Phänomen Frei.Wild nicht nur persönlich, sondern auch wissenschaftlich sehr.

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ZEIT ONLINE: Dann erklären Sie es doch bitte in aller Kürze.

Hindrichs: In aller Kürze wird das schwierig. Soweit ich es verfolge, haben Frei.Wild sehr clever und sehr erfolgreich eine Lücke deutschsprachigen Rocks gefüllt, die besonders die Böhsen Onkelz hinterlassen haben.

ZEIT ONLINE: Frei.Wild sind also vor allem ein Marketingphänomen?

Hindrichs: Nicht nur, aber sie wissen die Sehnsucht gewisser Teile des Publikums geschickter zu bedienen als viele andere Nachfolgebands der Onkelz. Dabei ist festzustellen, dass die gesellschaftliche Abwehrreaktion, insbesondere in den Feuilletons, erheblich dazu beiträgt, die Popularität der Band nochmals zu erhöhen. Es gibt offenbar ein Publikum, das einfache Antworten auf einfache Fragen sucht und entsprechend versorgt werden will.

ZEIT ONLINE: Ist diese Suche eine Folge der Verbreitung rechtsradikalen Gedankenguts oder bloß des Bedürfnisses, zu provozieren?

Hindrichs: Beides. Ein Teil des Publikums dürfte aus einer gewissen Politikverdrossenheit Lust an der Provokation entwickeln, ein anderer aus einem diffusen "Die-da-oben-wir-da-unten-Gefühl" eine latente Systemablehnung. Hinzu kommen Männlichkeitsideale, die schnell in Kategorien wie Stolz münden. Das zusammen bietet einer rechtsradikalen Ideologie durchaus Anknüpfungspunkte. Das Spektrum der Rezipienten sprengt also jedes simple Schwarzweiß-Schema.

ZEIT ONLINE: Halten Sie die Absender dennoch für verfassungsrechtlich bedenklich?

Hindrichs: Nein, Frei.Wild ist keine Naziband, aber offen nach rechts. Das wirft also eher die Frage auf, inwiefern die Mitte der Gesellschaft anfällig für diese Art der Musik geworden ist. Die hart rechte Szene ist ja relativ klein, auch wenn ihre Wirkungskreise, wie im Fall des NSU sichtbar wurde, bisweilen groß sind. Aber wie weit patriotische, tendenziell nationalistische Ressentiments vom rechten Rand nach innen vordringen, wie der Konflikt-Forscher Wilhelm Heitmeyer festgestellt hat, ist wirklich bedenklich. Da ist es fast zu begrüßen, dass der Erfolg von Frei.Wild eine Debatte über diese Entwicklung entfacht.

Thorsten Hindrichs
Thorsten Hindrichs

Seit 2002 arbeitet Thorsten Hindrichs am Musikwissenschaftlichen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Gitarrenmusik und das Musikleben der Renaissance gehören zu seinen Schwerpunkten in Forschung und Lehre. Zudem ist er für das neu eingerichtete Forschungsprojekt Musik und Jugendkulturen verantwortlich, das sich unter anderem mit rechter Popkultur beschäftigt.

ZEIT ONLINE: Angestoßen unter anderem in der Rockmusikszene selbst.

Hindrichs: Die dann wie Jupiter Jones, Mia. oder Kraftklub voll im Shitstorm der sehr engagierten Frei.Wild-Fans stehen, die zugleich allerdings in allen Foren posten, wie nett ihre Band sei und dass man noch lange kein Nazi sei, wenn man sein Land liebe.

ZEIT ONLINE: Nach dem Motto "das muss doch mal gesagt werden dürfen…"

Hindrichs: Ganz genau. Diese Sarrazinisierung des Popdiskurses ist sehr verbreitet.

ZEIT ONLINE: Sie mündet aber gelegentlich in offenen Rassismus oder Antisemitismus, in vielen Foren sogar unter Klarnamen.

Hindrichs: In der Tat. Das belegt aufs Neue, wie offen die Fanszene einerseits in alle Richtungen ist, wie sehr die gesellschaftliche Mitte aber andererseits von ihr durchdrungen wird. Da hat sich eine Tür geöffnet, durch die viele hindurch blicken, ohne ganz hindurch zu gehen. Die Kritik am "Gesinnungsterror" wird da ebenso wenig zu Ende gedacht wie die am "gleichgeschalteten Mainstream".

ZEIT ONLINE: Aber machen sechsstellige Tonträger-Verkaufszahlen inklusive Echo-Nominierung nicht ihrerseits Frei.Wild zum Mainstream?

Hindrichs: In gewisser Weise schon, was auch ein Licht auf die Mitte der Gesellschaft wirft, die sich über den Kaufakt zur Musik und deren Inhalten bekennt. Das wiederum zeigt dann, wie salonfähig bestimmte Thesen mittlerweile sind. Wobei sie gar nicht unbedingt häufiger vorkommen als früher, sondern einfach nur häufiger artikuliert werden – sei es durch Vorbilder wie Thilo Sarrazin oder den Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, sei es in den vielen Internetforen. Man fühlt sich mit keiner Meinung mehr allein, und eine Band wie Frei.Wild bedient das auch musikalisch.

ZEIT ONLINE: Wenn Sie Frei.Wild mit einer rechtsextremen Band wie Störkraft vergleichen – was ist besonders für junge Konsumenten gefährlicher: der offene Faschismus oder der unterschwellige Nationalismus?

Leserkommentare
  1. und nachdem sich die Onkelz getrennt haben, für mich einer der wenigen Ausnahmen an Deutscher Musik die ich mir zu gemüte gebe. Ich bin weder rechts eingestellt noch bin ich antisemitisch. Ich habe sogar bei der letzten Bundestagswahl 2 mal für die Linke mein Kreuz gesetzt, aber wen interessiert das schon, es ist sowieso nur das Wahr was die Medien schreiben oder ? Lächerlich.

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    Das ist praktisch so eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. Der Artikel besteht doch gerade nicht(!) darauf alles in seiner Gänze wiedergeben zu können, da dafür eine Diskussion mit allen Gruppierungen notwendig ist, die jedoch gerade von den Frei.Wild Fans nur zu gerne mit Totschlagargumenten wie "Lächerlich" gar nicht erst begonnen werden kann.
    Und wenn man von sich sagt, man sei nicht rechts, heißt es noch lange nicht, dass es so ist.

    ...schreibt jeder, der sich sich als Frei.Wild-Fan outet, extra noch dazu, weder rechts noch Antisemit zu sein? Was soll das? Ist einem das Fansein denn peinlich und will man sagen, dass man sonst ein ganz Netter ist?

    Irgendwie muss ich bei derlei Aussagen immer an den Spruch denken "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten".

    Ach ja, der Form halber: Ich bin weder rechts noch Antisemit. Und auch kein Frei.Wild-Fan ;-)

    Was konkret spricht Sie hier an, und was hören Sie sonst so?

    Äußerst bedenklich, wie weit die Diffamierung, ja Dämonisierung Sarrazins in linksliberalen Milieus wie hier bei ZO selbstverständlich geworden ist.

    • 可为
    • 08. März 2013 16:05 Uhr

    Freiwild kommt aus Italien und sieht sich Österreichischer Kulur - bzw. ja nichtmal das, sondern Tiroler Kultur angehörig.

    Das hat mit Nationalismus in Deutschland nichts zu tun! Es ist nichts anderes als eine US Band, die Patriotische Lieder singt.

    Um also nicht zu sagen die Debatte findet im Prinzip nur statt, weil sie auf deutsch singen. Wenn die Nazi-Alarmglocken schon allein wegen deutscher Sprache angehen wird es langsam übertrieben...

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    >> Um also nicht zu sagen die Debatte findet im Prinzip nur statt, weil sie auf deutsch singen. Wenn die Nazi-Alarmglocken schon allein wegen deutscher Sprache angehen wird es langsam übertrieben... <<

    Das ist Unsinn. Burger, der Sänger von Frei.Wild, sang früher mit seiner Band "Kaiserjäger" Texte wie diesen hier:

    "Ich hasse diese ganze Gesellschaft,
    diese Neger und Yugos,
    werden sesshaft,
    doch den größten Teil der Schuld
    trägt numal ihr,
    weshalb hab'n wir auch
    dieses Gesindel hier!"

    Das war offener Rassismus und Nationalismus. Zwar hat er sich inzwischen von seiner Vergangenheit distanziert, aber auf zweifelhafte Weise. Über "Kaiserjäger" sagte er:

    "Nein, das war keine Naziband, sondern eine Band von drei Jugendlichen, die darin ein dreiviertel Jahr lang Akkorde geübt hat. Es ging um Liebe, Freundschaft und Alkohol."

    Eine kritische Distanzierung sieht bei Texten wie dem zitierten anders aus. Zusammen mit den Ehre, Stolz, Blut und Boden Texten von Frei.Wild, zeigt das sehr deutlich, dass diese Distanzierung nichts ist, als ein bloßes Lippenbekenntnis, das zwar die Etiketten Rechtsextremismus, Nazismus und Faschismus ablehnt, den gesamten nationalistischen und rassistischen Unterbau aber beibehält.

    • 可为
    • 08. März 2013 16:38 Uhr

    ist das doch kein Problem - wir hatten Ostfrontoffiziere als Bundeskanzler, man gibt also hierzulande jedem die Chance sich zu ändern.

    Aber auch das macht ihn auch nicht zu einem Deutschen - er bleibt Italiener und der Begriff Kaiserjäger entstammt meines Wissens der Österreichisch - Ungarischen Geschichte, weit vor dem Nationalsozialismus.
    Wie gesagt nichts anderes als US-amerikanische Patriotische Lieder - nicht Deutsch sondern Italienisch...
    Nur eben in deutscher Sprache.

    ...und sieht sich Österreichischer Kulur - bzw. ja nichtmal das, sondern Tiroler Kultur angehörig. Das hat mit Nationalismus in Deutschland nichts zu tun!"

    Österreich, Italien und Tirol haben nichts mit Deutschland und insbesondere NS-Deutschland zu tun?!?
    Da frage ich mich, ob Ihre historischen Kentnisse wirklich so erschreckend ahnungslos sind, oder ob Sie bewusst den Dikurs durch Fehlinformation manipulieren wollen...

    ""Ich hasse diese ganze Gesellschaft,
    [...]
    weshalb hab'n wir auch
    dieses Gesindel hier!"
    Das war offener Rassismus......"

    Ich würde das nicht so sehen,es ist mit- zugegegebnermaßen einfachsten Worten- eine Kritik an der völig verfehlten Einwanderungspolitik in Europa!

    Gekürzt. Die Redaktion/ls

    2."Freiwild kommt aus Italien und sieht sich Österreichischer Kulur - bzw. ja nichtmal das, sondern Tiroler Kultur angehörig.
    Das hat mit Nationalismus in Deutschland nichts zu tun!"

    Sie haben recht,denn Freiwild sagen immer wieder und ausdrücklich,dass sie mit D und Ö nichts am Hut haben und Tiroler sind!
    Aber nun gut,es gibt ewiggestrige Deutsche,die ziehen sich doch wirklich jeden Schuh an!

    • MaxS2
    • 08. März 2013 16:10 Uhr
    3. Warum?

    Warum wird alles auch nur ansatzweise rechte immer kriminalisiert und bekämpft? Kann man nicht fair allen Bürgern ihre Meinung vertreten lassen, ohne sie wegen legaler und nicht extremistischer Ansichten zu diskriminieren und zu schikanieren?

    Ich kann ja absolut verstehen, dass man 3.Reich-Verharmloser, Hitlerverehrer, Angriffskrieg- oder Völkermordbefürworter zu Recht nicht haben will - das ist total verständlich.

    Aber die meisten, die heute mit der Nazikeule erschlagen werden, haben mit all dem gar nichts am Hut: Die singen vielleicht "patriotische Lieder", verwenden Begriffe wie "Volk", sind islamkritisch, oder wollen im eigenen Land mehr unter sich bleiben, sprich die Zuwanderung begrenzen. Wenn man diese Menschen alle zu Staatsfeinden erklärt, dann schafft man de Facto die Freiheit ab und lässt Demokratie nur noch unter dem Vorbehalt zu, dass alle mit der falschen Meinung behindert und schikaniert werden. Wer von Toleranz redet, sollte diese auch gegenüber Menschen anderer politischer Vorstellungen zeigen.

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    Wir haben aber so etwas wie ein Grundgesetz und es gibt Menschenrechte.
    Faschismus und Rassismus verstoßen gegen beides.
    Die meisten die behaupten sie seien Islamkritiker, patriotisch, etc würden noch weiter gehen wenn es erlaubt wäre. Das findet man in persöhnlichen Gesprächen meist schnell herraus. Wenn man sich demnach nicht schon gegen anfängliches rechtes Gedankengut wehrt, dann wird das irgendwann in die Mitte der Gesellschaft stoßen bis es eben nicht mehr verboten und verpönt ist auch extremere rechte Ansichten zu haben. Irgendwo muss die Grenze sein und die wird scheinbar immer weiter verschoben bzw. nicht der Zeit angepasst,

    Die Band ist rechts und wir bezeichnen sie dementsprechend als rechts.

    Wo ist das Problem? "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen."

    an diesem verharmlosenden Kommentar ist die Tatsache, dass er bis jetzt 22 *likes* bekommen hat.
    Nein...es wird ihnen nicht gelingen, den Spieß hier zumzudrehen, und Leute mit rechter und/oder menschenverachtender Gesinnung zu Opfer böser demokratischer Strömungen zu machen.

    Vergessen sie es!!!!!!! Und wenn sie 500 *likes* bekommen...Vergessen sie es!!!!

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf relativierende Beiträge. Danke, die Redaktion/jz

    "Warum wird alles auch nur ansatzweise rechte immer kriminalisiert und bekämpft? Kann man nicht fair allen Bürgern ihre Meinung vertreten lassen, ohne sie wegen legaler und nicht extremistischer Ansichten zu diskriminieren und zu schikanieren?"

    Fakten: Wo wird nur ansatzweise Rechtes bei uns kriminalisiert, Bürger mit rechten Ansichten diskriminiert, schikaniert?
    Meinungsfreiheit bedeutet, dass man sie äußern darf. Das dürfen sie. Dazu gehört aber auch, dass ich mich dagegen äußern darf.

    ", sind islamkritisch, oder wollen im eigenen Land mehr unter sich bleiben, sprich die Zuwanderung begrenzen. Wenn man diese Menschen alle zu Staatsfeinden erklärt, dann schafft man de Facto die Freiheit ab und lässt Demokratie nur noch unter dem Vorbehalt zu, dass alle mit der falschen Meinung behindert und schikaniert werden."

    Da fängt es an, interessant zu werden. Ihnen fällt offenbar nicht auf, dass in dieser Argumentation enthalten ist, dass aus Ihrer Sicht nicht alle gleich sind. Sie beklagen den Vorbehalt, fordern ihn aber in gleichem Atemzug für Menschen wegen ihrer Religion oder Herkunft.
    Es zieht sich also wie ein roter Faden durch Ihre Argumentation: Meinungsfreiheit dann, wenn sie sich äußern wollen, ihre Meinungsgegner müssen aber den Mund halten. Freiheit und andere Rechte vielleicht nicht nur, aber immerhin mehr für "unter uns".

    Erschreckend ist die Zustimmung, die Sie bekommen! Sie zeigt, wie stark rechtes GEdankengut verankert ist. Wird man ja wohl mal sagen dürfen...

    Ich halte es für reichlich schizophren, das eigene Land und die eigene Kultur derart abzulehnen, wie es viele hier in den Kommentaren tun. Immerhin ist dies eine Art von Persönlichkeitsspaltung, da man selbst zweifellos ein Teil des eigenen Landes (der „Heimat“) ist, und dieses Land auch ein Teil von einem selbst. Auch ich halte ausgrenzenden und aggressiven Nationalismus in den allermeisten Fällen für Ausdruck von Minderwertigkeitskomplexen, bei Menschen andererseits, die so gar nichts mit „Heimatliebe“ anfangen können, frage ich mich allerdings genauso: was ist das schief gegangen, in deren Persönlichkeitsentwicklung?
    Und was am Eintreten für das eigene Land so schlecht sein soll, möge man doch bitte mal mit den Soldaten von Deutscher Soldat e.V. diskutieren:
    http://www.deutschersolda...
    Und dazu auch ein gutes aktuelles Interview im Dradio:
    http://www.dradio.de/dkul...
    Und besonders gut gefällt mir dieses Zitat im Interview:
    "Sie haben vorhin das Wort Mitte irgendwo beiläufig erwähnt, und wir hatten schon das Thema, dass Rechte zwar die Uniform toll finden, aber nicht unbedingt, wenn sie ein Schwarzer trägt, dass Linke zwar den Schwarzen toll finden, aber die Uniform nicht." Mir gefällt, wie hier alle Klischees unterlaufen werden!
    Und dass ein schwarzer Deutscher natürlich auch konservativ und patriotisch sein kann. Selbstverständlich!

    "Die singen vielleicht "patriotische Lieder", verwenden Begriffe wie "Volk", sind islamkritisch, oder wollen im eigenen Land mehr unter sich bleiben, sprich die Zuwanderung begrenzen."

    Nun aber sollten Sie den anderen, die Ihre Meinung nicht teilen, doch das Recht zugestehen, ueber Ihre Aeusserungen zu diskutieren und sie auch zu kritisieren. Stilisieren Sie sich bitten nicht zum Opfer, weil Sie kritisiert werden, so wie es Rechtspopulisten a la Berlusconi tun.

    Zu Ihrer Aeusserung ueber Menschen, die "islamkritisch, oder wollen im eigenen Land mehr unter sich bleiben, sprich die Zuwanderung begrenzen": Ich kann es nicht mehr ertragen, dass Leute wie Sie nicht einsehen, dass solche Ansichten mit der Demokratie schwer zu vereinbaren sind. Solche Ansichten kommen aus einem nationalistischen Diskurs, bei dem es um eine Volksgemeinschaft gehen, in der mehr oder weniger jeder eine gemeinsame Identitaet hat. Das ist aber schier unmoeglich und in einer Demokratie ist das auch nicht zu definieren. Es gibt allerlei Individuen mit eigener Identitaet, die nichts von oben vorgeschrieben werden darf. Singen Sie also weiter Ihre Lieder und sagen, was Sie wollen, aber versuchen Sie nicht, den Staat nach einem vagen Volksprinzip zu veraendern, denn das hat mit Demokratie nichts zu tun. Ob Ihnen Menschen wegen Ihrer Herkunft missfallen, ist es Ihr Problem.

    leo prades @my-new-life-in-asia.blogspot

    • Welken
    • 10. Mai 2013 12:18 Uhr

    Haben sie sich eigentlich schon einmal gefragt wie viel Toleranz in unserer Gesellschaft verbleiben würde, wenn sich diese latent intoleranten Meinungen, die von dieser Band bedient werden, durchsetzen täten?

    Haben sie schon einmal daran gedacht, wie sich Nazis und sonstige stark rechte Gesinnungen vor fast einem Jahrhundert Eintritt in die Gesellschaft verschafft haben?

    Haben sie schon einmal daran gedacht, wie skrupellos, intolerant und menschfeindlich diese Kräfte dann letztendlich vorgangen sind, als sie an der Macht waren?

    Toleranz, Gerichtigkeit und Solidarität sind allesamt scheue Tierchen, und ich persönlich habe keinerlei Interesse daran sie in irgendeiner Weise zu verscheuchen oder gar ihre unglaublich kostbaren Leben zu gefährden. Und schon gar nicht werde ich zulassen, dass sie von irgendwelchen Dumpfbacken zertrampelt werden, die zu gern im glatten Gegenteil dieser aufwändigen Qualitäten marschieren täten - nur um ihrer eigenen, als armselig wahrgenommen Existenz auf ne billige und zerstörische Art nen naiven Wert zu geben.

    Davon abgesehen werden in den Texten dieser Band eben codierte Formulierungen und Assoziationen benutzt, wie sind sonst auch in typischer neu-rechter Ideologie anzutreffen sind.

  2. Ich denke der Grund für die ganzen Diskussionen ist, dass die Grenzen natürlich fließend sind und daher Patriotismus auch oft als Anfang von Nationalismus und dieser wiederum mit der Gefahr von Verbrechen auf Basis eines Gefühls der Abgegrenztheit einhergeht. Nichtsdestotrotz kann man Patriotismus nicht grundsätzlich als "Rechts" oder was auch immer abwatschen. Rumpelrock trifft es ganz gut und viele Leute verdienen aber gut damit gleich das Schreckgespenst "Nazi" hervorzuzehren. Derweil empfinde ich deren Attitüde wesentlich "autoritärer" als solche Bands. Auch die Fans dieser Band werden in erster Linie relativ jung sein und vielleicht ist es sogar besser sie hören sich dieses Zeug an, bevor sie sich Bushido, Sido und Co. mit deren frauenfeindlichen Texten reinziehen.

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    "und daher Patriotismus auch oft als Anfang von Nationalismus"

    Kennen Sie die Studien von Heitmeyer? Es gibt letztendlich keinen Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus. Es ist faktisch das gleiche. Auch wenn Patriotismus vielleicht der weniger ausgeprägte Nationalismus scheint (selbst darüber kann man schon streiten), bleibt es Nationalismus.

    "Nichtsdestotrotz kann man Patriotismus nicht grundsätzlich als "Rechts" oder was auch immer abwatschen."

    Kennen Sie die Studien von Heitmeyer? Steigender Nationalstolz führt zu gleichzeitiger Abwertung Anderer. Das ist kein Schmarn, das ist erwiesen.

    http://www.sueddeutsche.d...

  3. Das ist praktisch so eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. Der Artikel besteht doch gerade nicht(!) darauf alles in seiner Gänze wiedergeben zu können, da dafür eine Diskussion mit allen Gruppierungen notwendig ist, die jedoch gerade von den Frei.Wild Fans nur zu gerne mit Totschlagargumenten wie "Lächerlich" gar nicht erst begonnen werden kann.
    Und wenn man von sich sagt, man sei nicht rechts, heißt es noch lange nicht, dass es so ist.

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    ich bin rechts. Rechts im Sinne der französischen Revolution, wo im neuen Parlament die Konservativen "rechts" saßen. Also bin ich konservativ. Mir ist egal welche Hautfarbe Sie haben, welchem Glauben Sie anhängen und welche politische Überzeugung Sie haben. Ich verachte Sie allerhöchstens für schlechte Taten die Sie begehen. Ansonsten sind Sie mir gleichwertig in Allem

    Die ständige Gleichsetzung von rechts mit rechtsradikal ist grob nachlässig und fast schon boshaft.

  4. oder darf man das nicht mehr sagen? Gibt es Redeverbote in Deutschland?

    Nach Johannes Rau ist ein Patriot jemand, der sein Vaterland liebt und ein Nationalist jemand der die Vaterländer anderer verachtet.
    Ich finde diese Definition treffend und nehme für mich in Anspruch, mich in aller Öffentlichkeit Patriot zu nennen, so wie das unsere Freunde aus aller Herren Länder auch für sich in Anspruch nehmen und dabei ein gesundes Verhältnis zu sich selber und ihrer Nation haben, das vielen Deutschen leider abgeht.

    Wenn Frei.Wild das tun und nicht mehr (ich kenne diese Band nichteinmal, konnte aber noch keinen Nachweis finden, dass sie ausser Vaterlandsliebe noch die Verachtung anderer Vaterländer propagieren), dann ist es sehr gewagt sie so zu diffamieren, weil sie "nach rechts hin offen" seien.
    Nach rechts hin offen ist so gut wie alles in diesem Land. Das kommunistische Manifest findet, die Internationale abgezogen, bei Nazis Anklang, ist also nach rechts offenDie Antifa gab den Autonomen ihre Jugendkultur mit Vermummen und schwarzem Block und so weiter, ist also nach rechts offen...#

    Die ganze Diskussion ist vollkommen daneben, zumal sich wie ich hörte Frei.Wild selber deutlich von Faschismus, Nazismus und Fremdenhass distanziert haben. Meines Wissens würde das kein aufrechter Ideologe tun.
    Damit sollte das Ganze gegessen sein

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    • Muhme
    • 08. März 2013 17:30 Uhr

    ... Frei.Wild wäre absolut nicht rechts. Dann hätte man ein Feindbild weniger. Das kann man nicht zulassen. Das Schlimme an dieser "Konfrontation" ist doch, dass beide Seiten sich immer das Gegenstück suchen, damit die eigene Bewegung überhaupt noch gedeihen kann. Was würden denn die linken Extremisten machen, wenn es keine Nazis mehr gäbe? Dann gäbe es doch nichts mehr, wogegen man Steine werfen könnte.

    Wie die Antifa sau drauf ist, dass kann man sich hier mal durchlesen:
    http://www.ruhrpottforum....

    Mia. waren also auch mal rechts. Jetzt sind sie gegen rechts und gegen Frei.Wild? Inwiefern kann das möglich sein?

    Es sind immer die gleichen Rosinenpicker unterwegs. Wer sich alle Frei.Wild Texte mal anschaut, der wird erkennen, dass in entsprechenden Beiträgen mal wieder nur das selektiert wurde, was grenzwertig ist.

    Was ist mit Rammstein? Die waren auch lange als rechts verschrien - auch zu Unrecht. Weil sich die "Experten" nicht die Mühe machen, sich mal objektiv mit den Gegebenheiten zu befassen.

    Traurig ist das. Wahrlich traurig.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Musik | Thilo Sarrazin | Heinz Buschkowsky | Jupiter | Kraftklub | Mia
  • Der Autor Diedrich Diederichsen

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