Die griechische Band Imam Baildi © Promotion

Manchmal genügen schon 7.000 Euro, um ein paar Griechen sehr glücklich zu machen. Diesen Betrag sammelte die Band Imam Baildi durch Crowdfunding ein, um ihre Reise nach Austin, zum South By Southwest zu finanzieren. Nun, an einem sonnigen Nachmittag, stehen die sieben Musiker und ihr Tonmann vor einem kleinen Club namens Valhala auf dem Gehweg, mitten im Chaos, zu dem sich das größte Musikfestival der Welt mittlerweile ausgewachsen hat, und verbrüdern sich mit einem guten Dutzend Exilgriechen.

Es war ein gelungener Auftritt. Das Hinterzimmer des Valhala, eine kleine Kneipe in einer von Austins vielen Ausgehmeilen, war gut gefüllt. Das Publikum hat sich eingelassen auf die verwegene Idee, griechische Folklore mit Hip-Hop und Balkan Beats zu kreuzen. Am Ende des Auftritts hüpft der ganze Saal im Takt.

Das ist hier nicht selbstverständlich. Das South by Southwest (SXSW) ist ein Showcase-Festival, auf dem sich Bands einem Fachpublikum präsentieren können. Dazu laden die Veranstalter mehr als 2.000 Acts ein, die aber keine Gage bekommen und alle Kosten selbst tragen müssen. Ausnahmen bilden nur die Stars wie Justin Timberlake oder Depeche Mode, die von ihren Plattenfirmen zu Promotionszwecken nach Austin geschickt werden oder deren Auftritt von einem Sponsor finanziert wird. Dass Prince zum Abschluss am Samstag vor anderthalbtausend Glücklichen spielte, die ihre Eintrittskarten in einer Verlosung gewonnen hatten, war einem südkoreanischen Elektronik-Konzern zu verdanken.


Wer erst berühmt werden will, hat es nicht so leicht. Zwölf der 19 deutschen Bands, die nach Austin kamen, sind auf Reisekostenzuschüsse der Initiative Musik angewiesen. Ähnlich läuft es in Island, Großbritannien oder Korea. Imam Baildi haben weder eine Plattenfirma im Rücken, noch stammen sie aus einem halbwegs prosperierenden Land. In ihrer Heimatstadt Athen treten sie vor bis zu 3.000 Menschen auf, aber ein Label brauchen sie nicht, weil sie CDs oder Downloads nur in marginalem Umfang verkaufen. Staatliche Popmusik-Förderung gibt es in Griechenland nicht. Also initiierte die Band eine Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Am Ende hatten Imam Baildi 7.000 Euro eingesammelt – zusammen mit zusätzlichem Geld von zwei Sponsoren genug, um die ganze Truppe in die USA zu schaffen.

Amanda Palmer als Hoffnungsträgerin und Menetekel

Zwar sind die weltweiten Umsätze mit Musik, ob physisch oder digital, im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1999 nicht mehr gefallen, aber ob die Talsohle überschritten ist, bleibt abzuwarten. Auf dem zum Musikfestival gehörenden Kongress wurden freilich der Absatz und die Finanzierung von Musik in einer vernetzten Gesellschaft immer wieder thematisiert, aber Neues war kaum zu hören. Panels im Austin Convention Center befassten sich mit der Frage, ob Streaming-Dienste den Künstlern doch mal vernünftige Summen einbringen werden, wie kulturelles Branding funktioniert oder ob die sogenannte Big Data tatsächlich genau erklären kann, wie der Konsument tickt.

Die größte Aufmerksamkeit erhielt aber das Thema Crowdfunding. Das lag vor allem an Amanda Palmer. Natürlich. Dass die Musikerin im vergangenen Jahr 1,2 Millionen US-Dollar über Kickstarter einsammeln konnte, um ihr aktuelles Album Theatre Is Evil aufnehmen und auf Tour gehen zu können, ist der Branche immer noch Hoffnungszeichen und Menetekel zugleich.

In der von ihr moderierten Diskussionsrunde The Anatomy of Amanda Fucking Palmer: An Inside Look sollte die Musikerin erklären, wie ihr der sagenhafte Coup gelingen konnte. Und ob die Voraussetzung dieses Erfolgs in einer notorischen Extrovertiertheit und der ausgiebigen Kommunikation über soziale Medien begründet ist. Kann das auch anderen gelingen und wenn ja, wie? Eindeutige Rezepte gibt es offenbar nicht. Wie umfangreich die Arbeit am Kunden sein kann, erklärte Vickie Starr von der Management-Agentur Girlie Action, die auch Palmer vertritt.