Berliner Rap : Käptn Peng hat's mit der Sprache

Man muss es verraten: Der filmpreisnominierte Schauspieler Robert Gwisdek hat ein Alter Ego. Als Käptn Peng macht er wunderbaren Schlanke-Hose-Hip-Hop.
Käptn Peng (zweiter von links) und die Tentakel von Delphi © Martin Dost

"Hallo Freunde! Hallo Feinde! Hallo Individuum! Hallo Gemeinde! Hallo Wölfe! Hallo Schweine! Hallo Fink, hallo Star, hallo Meise! Hallo Bäume, und hallo Fluss! Hallo Hypophyse, hallo Hypothalamus!"

So geht's los, und danach geht's weiter und weiter, und der Liedtext von Der Anfang ist nah ist glücklicherweise bereits im Internet nachzulesen, sonst wäre das Auswendiglernen eine nahezu nicht zu bewältigende Aufgabe. Und wie dumm stände man dann da beim Käptn-Peng-Record-Release-Konzert, inmitten der anderen jungen Menschen mit den anscheinend besseren Memorierungstechniken!

Bislang singen im Publikum immer alle mit: Seit 2010 rappen es Käptn Peng und Shaban, im vergangenen Jahr ist das Duo zur Band Käptn Peng & die Tentakel von Delphi angewachsen. Die vielen Arme stehen für die Zahl der Bandmitglieder, Tentakel als Orakel, absurde Offenbarung. Am Freitag erst erscheint das Debütalbum der fünf Berliner auf dem eigenen Label Kreismusik, und doch waren im vergangenen Jahr die Konzerte in ganz Deutschland pickepackevoll. Und vibrierten kollektiv vor Begeisterung, vom ersten bis zum letzten Beat, trotz der eingangs erwähnten Herausforderung. Wirklich eingängig oder mitgröltauglich ist das nämlich nicht, was der Käptn so reimt, philosophiert und dahinfließen lässt.


Das sei ihnen wohl schon aufgefallen, erzählt die Band, die sich zum Interview im Studio treffen lässt, und weist darauf hin, dass es immerhin auf dem neuen Album Expedition ins O dann doch verhältnismäßig viele, zumindest refrainähnliche Zeilen gäbe. "An vier Stellen steht Ref davor", zählt der Schlagzeuger stolz.

Er hat recht: In dem durch knackende Funkgitarren tanzbar gemachten Champagner und Schnittchen heißt es mindestens dreimal "Und dann singen wir mit tanzenden Beamten laut im Chor / und tragen diese Melodie von Ohr zu Ohr zu Ohr". Das kann man glatt schon nach dem ersten Hören mitsingen. Wenn man will.

Eine Stufe näher am Wahnsinn

Und warum sollte man nicht: Was gibt es gegen sinnig-sinnfreien Hip-Hop einzuwenden? Käptn Peng, Shaban und ihre ebenfalls um die 30-jährigen Mitmusiker Moritz (Gitarre), Peter (Percussion) und Boris (Kontrabass) sind nicht die Ersten, die Dicke-Hose-Texte und Dicke-Hose-Posen links liegen lassen. Aber sie sind noch eine Stufe weiter vom landläufigen Ich-bin-der-Größte-Rap entfernt und eine Stufe näher am Wahnsinn, am durchgeknallten Dread-Locks-Schwenken eines Busta Rhymes, an den vielschichtigen Tableaus einer Missy Elliott.

"Sprache nervt", wiederholt Peng während des Konzerts wie ein Mantra, dennoch hat er's eben mit der Sprache, und mit dem Irresein. Professionell, sozusagen: Er arbeitet in seinem anderen Leben zuweilen als Schauspieler. Unter seinem Pseudonym Robert Gwisdek ist er gerade filmpreisnominiert für eine Nebenrolle in Das Wochenende, sein Vater Michael Gwisdek übrigens in diesem Jahr ebenfalls (für eine Nebenrolle in Oh Boy), und seine Mutter Corinna Harfouch könnte mit ihren Preisen lässig zehn Flohmarktkisten füllen.

Hilft die Erfahrung mit dem Schauspieltextlernen vielleicht beim ellenlangen Rappen? Nicht wirklich, sagt Peng, beim Schauspielern müsse er sich tatsächlich oft Bilder merken. Beim Rappen unterstützen ihn Rhythmus und Urheberschaft: "Ich lerne das quasi schon beim Schreiben auswendig." Dazu übt er fleißig den Flow: "Ich habe einen Mentor", erklärt Peng, der ein unglaublicher Freestyler sei, und der ihm beibringe, in Reimen zu denken: "Man versucht, in einen Zustand zu kommen, in dem es einfach so rausfließt".

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ein Künstler der mit Worten malt

Ich habe Käptn Peng letztes Jahr entdeckt und obwohl ich sonst kein Hip Hop höre, war ich von der Art und Weise beeindruckt und gefesselt wie Peng es versteht mit Worten ganz neue Bilder zu malen und mit Paradoxien zu spielen.

Die bunten Texte beinhalten anregende Lebensphilosophien. Es sind Texte über innere Kämpfe mit einem selbst, über die Abhängigkeit von den Normen Zwängen der Gesellschaft und Texte über Beziehungen und wie man sich innerhalb von ihnen verändert und weiterentwickelt. Ich habe das Gefühl immer wieder etwas Neues zu entdecken, wenn ich die Songs höre.

Es wird nie langweilig.