Sechs Sekunden lang wähnt man sich im falschen Film, dann ist kein Halten mehr. Ein kurzes, asiatisches Funkeln, Luftholen, Dröhöhöön! Alles auf einmal, Gittarreschlagzeugbasskeyboard prusten im Überschwang aus den Lautsprechern. Das ist Unterhaltung! Phoenix heißt die Band, Entertainment der Song. Der Fuß wippt, man beginnt zu summen. Klingt irgendwie – lustig? Exotisch?

Entertainment ist seit mehreren Wochen zu hören und eröffnet nun das Album Bankrupt! Bankrott, Ausrufezeichen. Wie ein lauer Sommerwind weht es über den Hörer hinweg, oder an ihm vorbei. Manches Lied schlüpft zwar schnell ins Ohr, hängen bleiben jedoch nur wenige. Phoenix klingen wie furchtbar nette Schwiegersöhne: gefällig, zuvorkommend, höflich. "Noch ein Schälchen Darjeeling mit fettarmer Milch, meine Liebe? First Flush, goldgelb, wie du ihn am liebsten magst…" Da sind hübsch euphorische Melodien, gebettet in wohlklingendes Gerumpel und manch modernes Fiepen, hier rockt es, dort wird geschmachtet.

Und doch hat Bankrupt vor allem den Anschein ungeheurer Anstrengung. Zwischen den Harmonien riecht man den Schweiß, den es die Band kostete, sich selbst interessant zu finden. In einem Interview erwähnten die vier Musiker kürzlich, es sei ihnen nicht leicht gefallen, sich noch einmal gegenseitig zu überraschen. So habe die Aufnahme viel länger gebraucht als erwartet. Drei Monate lang hockten sie in New York im Studio und kämpften um überzeugendes Liedgut. Herausgekommen ist damals offenbar nur Grütze. Später dann in Paris wurde es besser, aber ein richtiges Feuerwerk haben sie wohl auch dort nicht zünden können.


Auf der letzten Rakete dann stand dick "Made in China" – und schlug der Geistesblitz ein. Die Pentatonik sollte es richten! Zuerst war das im Song Entertainment zu hören, da schepperte ein blechern-elektronisches Wölbbrettzither-Imitat gleich zu Beginn, als wäre es ein Schnipsel aus einem alten chinesischen Film. Klang wie eine naive Studiodaddelei, die die vielfältigen Säuberungsprozesse einer derart perfekten Produktion glücklicherweise überlebt hat. Das war überraschend, ein bisschen lustig eben – und ließ sich prima mitsummen.

Pentatonik in allen Songs

Nun fanden aber Phoenix ihre Idee so fabelhaft, dass jedes Stück auf Bankrupt zur Pentatonik greift. Nicht, dass sie nun auf den asiatischen Markt schielen, ganz und gar nicht. Immer sind es kurze Motive, die im Hintergrund mitlaufen und sich hier und dort nach vorn arbeiten. Wenige Prisen Exotik, immer ganz brav (wer will schon die Schwiegereltern verschrecken?). Und dermaßen schematisch, dass es so schnell und so wenig nachhaltig sättigt wie eine Portion Reisnudeln.

Die Bonus-Edition zum neuen Album dokumentiert sogar, wie viel Kampf und Krampf auf dem Weg zu ein paar fluffigen Popliedern nötig war. Bankrupt Diaries versammelt mehr als siebzig Skizzen, Spielereien und Stümpereien, allesamt Versatzstücke monatelanger Studioarbeit. Kaum ein Stück ist länger als eine Minute, manche dauern nur wenige Sekunden. Der archivarische Wert der Brösel ist weit höher als der künstlerische, ganz durchhören kann man die CD nicht. Sie hätten viele Lieder weggeworfen, berichten Phoenix im oben erwähnten Interview, die Plattenaufnahme sei eigentlich ein Prozess der Zerstörung gewesen.