Nein! Wieder eine schlimme Peinlichkeit. Kaum zu ertragen, was Griechenland sich in den letzten Jahren alles geleistet hat beim Eurovision Song Contest. Überbräunte Strandbunnys, schleimigen Ethno-Pop. Schlimmer noch: 2005 gab es dafür Gold. Spinnen die alle in Europa?

Jetzt das: Alcohol is free. So heißt der Beitrag von Agathon Iakovidis & Koza Mostra für die große Chansonade am Samstag. Ist der Guildo-Horn-Moment für Griechenland gekommen? Treten DJ Ötzi und Jürgen Drews zusammen für die Griechen an? Uns geht's doch schon scheiße genug.

Moment mal. Es geht los mit einem Rembetiko-Intro, dem griechischen Blues der zwanziger Jahre, dem Sound der Knastis und Hafenarbeiter, die im Hasch-Delirium über Leid und Liebe singen. Wunderbare Musik.  

"Uns hat der Sturm erwischt auf der Via Egnatia, die Böen treiben uns so weit hinaus", hören wir jetzt. Was soll das? Greift hier jemand den Urtopos der Hellenen auf? Die Reise auf der Römerstraße von Konstantinopel immer Richtung Westen nach Europa? Die Heimkehr des Odysseus, wie sie Homer vor knapp 3.000 und Kavafis vor 100 Jahren besungen haben: "Brichst du auf gen Ithaka, wünsch' dir eine lange Fahrt, voller Abenteuer, voller Wissen."

"Schiffsbrüchige in einem Meer aus Whiskey"

Diesmal singt ein anderer: Agathonas Iakovidis, ein Kommunist, Klassenkämpfer, Rembetiko-Weise. Rein äußerlich sind wir jetzt wieder bei Guildo Horn. Aber dieser Poet sitzt in der Tonne. Er ruft: Geht mir aus der Sonne, ihr Barbaren! Der Rebell steigt plötzlich auf die große Bühne des Kommerz'. Was will er da?

Er sagt es uns: "Schiffsbrüchige in einem Meer aus Whiskey" seien wir, die Griechen. So besoffen hätten wir uns all die Jahre, dass es "nun der ganzen Welt schwindelig wird". Noch politischer geht es kaum. Wann hat es das zuletzt gegeben auf dem europäischen Sing-Sang-Fest? Vielleicht 1982 mit Nicoles Ein bisschen Frieden.

Alles schön und gut, aber wer will sich den ollen Bouzouki-Quatsch noch antun? Iakovidis war clever. Er hat sich ein trojanisches Pferd gebaut und sich eine Ethno-Ska-Band dazu geholt. Ethno muss schließlich sein beim ESC, sonst hört keiner zu. Dann noch einen maximal provokant-beknackten Titel auf Englisch drauf gesetzt. Auf Deutsch müsste der wohl lauten: Freibier für alle!

Gewonnen hat Iakovidis jetzt schon. Er hat es geschafft, in die letzte Runde nach Troja, äh, Malmö. Vielleicht kann er seine Reise sogar vergolden. Und das wäre gar nicht peinlich.