Georges Moustaki im April 2008 in seinem Haus in Paris © Stephane de Sakutin/AFP/Getty Images

Langes, später weißes Haar, ein üppiger Vollbart, gern in helles, flatterndes Leinen gekleidet, Sandalen an den Füßen: Der Chansonnier Georges Moustaki verkörperte das idealtypische Abbild eines mediterranen Musikers. Das Image des sanften Machos haftete ihm an – und er stand dazu.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nach seinem Verhältnis zur Freiheit gefragt, antwortete Moustaki einmal: "Sie kommt, wenn ich meine Texte schreibe. Sie ist ein Ideal, eine Sehnsucht. Sie ist eine Frau." Es sind Sätze wie diese, die ihn charakterisieren, doch es sind seine Chansons, durch die er berühmt wurde.

Georges Moustaki wurde 1934 als Youssef Mustacchi in Alexandria geboren. Die ägyptische Hafenstadt war ein Schmelztiegel der Kulturen: Franzosen, Italiener, Griechen und Juden hatten sich hier angesiedelt. Und so lernte der Sohn eines jüdisch-griechischen Buchhändlers in seiner Kindheit neben seiner griechischen Muttersprache auch Italienisch, Französisch und natürlich die Landessprache Arabisch.

Die Familie Mustacchi gehörte zu den gebildeten Kreisen der Stadt, in ihrem Laden trafen sich Intellektuelle verschiedener Kulturen. Youssef besuchte die französische Schule. Als er 1951 sein Abitur in der Tasche hatte, ging er nach Paris.

Mentor Georges Brassens

Die Stadt an der Seine verhieß dem jungen Mann, der gerade seine Liebe zum Chanson entdeckt hatte, die Erfüllung all seiner romantischen Träume. Er verkaufte Bücher und arbeitete als Barmann, er schrieb für eine französischsprachige Zeitung in seiner ägyptischen Heimat, spielte Gitarre in den Cafés von Montparnasse und lernte dort eines seiner musikalischen Vorbilder kennen: Georges Brassens wurde ihm Freund und Mentor und ermutigte ihn, mit der Musik Geld zu verdienen. "Es war vor allem die Genauigkeit seiner Sprache, die ich mir zum Vorbild nahm", sagte Moustaki der Süddeutschen Zeitung einmal. Aus Verehrung übernahm er dessen Vornamen und nannte sich Georges Moustaki.

In den Cabarets der Pariser Bohème, in denen er in den fünfziger Jahren auftrat, traf sich in jenen Jahren die Chansonszene Frankreichs – und Moustaki war mittendrin. Zunächst komponierte er für Kollegen: Serge Reggiani, Yves Montand und der "Spatz von Paris", Edith Piaf, sangen seine Lieder. Für sie – mit der ihn trotz eines Altersunterschieds von knapp 20 Jahren zeitweilig auch eine Liebesbeziehung verband – schrieb er das Stück Milord, das in Piafs Interpretation 1959 zu einem Welthit wurde.