Es geht sofort los mit der Jammerei. Neues Album, erster Song, erste Zeile: "Es sind nicht viele, die sich zusammen gefunden haben", heult Maxim mit schlürfender Stimme, "hier, wo wir unsere Generation begraben". Die Generation, die gerade in die Grube fährt, seine eigene Generation, so geht das Klagelied weiter, "kriegt nicht mal einen Namen". Ach, Gottchen.

Allerdings muss man Maxim und vor allem seinem neuen Album Staub zugute halten, dass erstens all das nicht so ernst gemeint ist und Selbstironie durchaus ein Stilmittel ist, das der 31-Jährige Bonner beherrscht. Und zweitens stimmt es ja auch: All die sogenannten Generationen, die Golf, X oder auch Y hießen, wirkten zwar auch ziemlich verloren, aber hatten – statt einer Agenda, Botschaft oder zumindest einem Anliegen – sich immerhin noch einen Namen zugelegt.

Nun aber, mit Maxim, hat diese Generation wenigstens schon mal eine Stimme, der man, so geschliffen ist die Sprache, so elegant die Reime, so entspannt, aber niemals langweilig sind die Beats, gerne zuhören mag. Dabei setzt sich der ehemalige Reggae-Sänger bewusst zwischen die Genres, als wollte er die Unentschiedenheit und Richtungslosigkeit seiner Altersgenossen auch musikalisch reflektieren: Halb rappt er, halb singt er, und vom Reggae ist nur mehr das Gespür für einen watteweichen Vortrag geblieben.


Der passt gut zum meist melancholischen Grundton der Texte. Immer wieder erzählen sie von einem seltsam halbseidenen Scheitern, das sich nicht einmal zu dramatischer Grandezza aufschwingen mag. Als Stellvertreter begibt sich Maxim auf die Suche nach einem Lebenszweck, aber stellt in Pfennig ohne Glück nur fest: "Ich bin ein Segel ohne Wind, ich ergebe keinen Sinn." In einem anderen Lied wünscht er sich, "ein bisschen glücklicher" zu sein oder, weil das die Sache fast ebenso erträglich macht, "wenigstens ein bisschen dümmer". Hebt er den Blick vom eigenen Bauchnabel aufs große Ganze, stellt er zwar fest, "am Ende ist alles so schön sinnlos", aber eben auch: "Das ist schon okay." Was diese resignative Haltung erträglich macht – neben der wirklich gelungenen musikalischen Umsetzung – ist die Distanz, die Maxim zu den eigenen Luxusproblemen wahrt. "Es tut mir selbst schon leid, mein verdammtes Selbstmitleid", gibt er zu in der grandiosen Bestandsaufnahme Hier, aber weiß eben auch augenzwinkernd: "Meine Zweifel und ich sind ein traumhaftes Paar".

Maxims Brüder im Geiste

Diesen Zweifeln und damit einer demographischen Gruppe eine Stimme zu geben, damit ist Maxim allerdings nicht allein. Andere, die ähnliches versuchen, nennen sich OK Kid, Muso, Gerard oder Prinz Pi. OK Kid haben sich in Gießen gefunden, leben mittlerweile in Köln und geben ganz offiziell – entgegen bisheriger Gepflogenheiten im Rap-Business – im Pressetext zu, "behütet in einer Kleinstadt" aufgewachsen zu sein. Das Trio, das sich nach zwei Alben der Miese-Laune-Großmeister Radiohead benannt hat, beklagt ähnlich wie Maxim die Vereinsamung unter Markenkopfhörern: "Du bist allein, zu zweit, zu dritt, zu viert, zu fünft, zusammen, doch Du hörst sie nicht mehr".


Bereits sehr erfolgreich ist Prinz Pi, der sich vom jugendlichen Rüpel-Rapper, der unter dem Namen Prinz Porno firmierte, zum nachdenklichen Grübler gewandelt hat. "Ich bin ein Nichts, ich suche meinen Sinn", rappt er auf seinem aktuellen, bereits 15. Album Kompass ohne Norden und kommt zu dem Schluss: "Ich weiß nicht, wer ich bin." Auf der Suche nach sich selbst forscht er in Schulzeit, Zivildienst und Studium, stößt auf Mensaessen und Facebook, die erste große Liebe und den ersten Job, den Retrowahn und schließlich sogar auf "den Geist unserer Zeit". Ganz der alte Rap-Angeber ist Prinz Pi nur, wenn er Bob Dylan als Orientierungspunkt für die eigenen Reime angibt, aber trotzdem füllt der geläuterte Porno-Rapper mittlerweile regelmäßig die mittelgroßen Hallen und zählt fünfstellige Verkaufszahlen seiner Alben.