Die Deutsche Oper am Rhein hat die Tannhäuser-Inszenierung in Düsseldorf praktisch abgesetzt. Die Wagner-Oper werde von nun an nur noch als Konzert aufgeführt, kündigte die Rheinoper an. Damit reagiert das Konzerthaus auf die Debatte nach der Premiere, in der Nazi- und Holocaust-Szenen gezeigt wurden.

Die Zuschauer der Premiere reagierten mit Buh-Rufen und verließen teilweise den Saal. Regisseur Burkhard C. Kosminski lehnte jedoch eine Abänderung einzelner Szenen "aus künstlerischen Gründen" ab. Der jüdische Gemeindedirektor Michael Szentei-Heise sagte in Bezug auf die Premiervorstellung, Wagner sei zwar ein "glühender Antisemit" gewesen. Aber dem Komponisten dies "auf der Bühne so um die Ohren zu schlagen, halte ich für nicht legitim".

Die Opern-Leitung sei sich schon vorab darüber im Klaren gewesen, dass das Konzept und die szenische Umsetzung des Tannhäuser kontrovers aufgenommen würden, hieß es in einer Mitteilung. "Mit allergrößter Betroffenheit reagieren wir jedoch darauf, dass einige Szenen, insbesondere die sehr realistisch dargestellte Erschießungsszene, für zahlreiche Besucher sowohl psychisch als auch physisch zu einer offenbar so starken Belastung geführt haben, dass diese Besucher sich im Anschluss in ärztliche Behandlung begeben mussten." Eine so extreme Wirkung könne die Oper nicht verantworten.

Die Premiere des Tannhäuser hatte wegen der krassen Darstellung von Nazi-Morden und Tod in Gaskammern Empörung bei vielen Zuschauern ausgelöst. Die jüdische Gemeinde in Düsseldorf hatte die Inszenierung als geschmacklos kritisiert. Rheinoper-Intendant Christoph Meyer hatte sich bestürzt über die heftigen Reaktionen gezeigt, aber zunächst weiter zu der Inszenierung gestanden.