Lou Reed Anfang Oktober 2013 in New York Theo Wargo/Getty Images for John Varvatos

Die US-amerikanische Rocklegende Lou Reed ist tot. Der Musiker, der mit seiner Band The Velvet Underground und auch als Solokünstler Musikgeschichte geschrieben hat, sei am Sonntag im Alter von 71 Jahren gestorben, berichteten US-amerikanische und britische Medien. "Ja, ich fürchte, es ist wahr", sagte Reeds britischer Agent Andy Woolliscroft dem Guardian.

Der Sänger von Welthits wie Walk on the Wild Side und Perfect Day sei in seinem Haus in Southampton im US-Bundesstaat New York vermutlich an den Folgen einer Lebertransplantation gestorben, der er sich im Frühjahr unterzogen hatte, sagte sein US-Agent Andrew Wylie der New York Times. Zuvor hatte das US-Musikmagazin Rolling Stone über Reeds Tod berichtet. Bereits seit Monaten war er bei schlechter Gesundheit gewesen.

Auf der Facebook-Seite von Lou Reed war am Sonntag eine geschlossene Tür zu sehen mit seinem Foto und der Aufschrift "Papa Loves Baby". 

Der 1942 in Brooklyn als Lewis Allan Reed geborene Musiker erreichte zwar nie den kommerziellen Erfolg von anderen Größen seiner Zeit, wie etwa Bob Dylan, er hatte aber enormen Einfluss auf Generationen von Musikern. Mit seiner Band The Velvet Underground, die er in den 1960er Jahren zusammen mit dem Waliser John Cale gegründet hatte, öffnete er die Rockmusik in Richtung Avantgarde, zum experimentellem Theater, zur Kunst, Literatur und zum Film. Besondere Untersützung erhielten Reed und The Velvet Underground in dieser Zeit von Pop-Art-Künstler Andy Warhol. Über Warhol kam die Band auch mit der deutschen Sängerin Nico zusammen, mit der sie 1967 ihr Debütalbum und mittlerweile weltbekanntes Werk The Velvet Underground & Nico mit Warhols Coverdesign, der berühmten Banane, aufnahmen.

John Cale twitterte am Sonntag: "Die Welt hat einen großartigen Songwriter und Poeten verloren. Ich habe meinen Schulhofkumpel verloren."

Die von Großstadterfahrungen geprägten Texte Reeds über Sex, Gewalt und Drogen, kombiniert mit dem Hang des Bassisten Cale zu Klangexperimenten, ergaben den charakteristischen düster-schrägen Sound der Band. Der stand damals vollkommen konträr zu den heiteren Klängen der Flower-Power-Bewegung. 1996 wurde Reed als Mitglied von The Velvet Underground in die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland aufgenommen.

"Gerade war ich doch noch 19"

Lou Reed verkörperte wie kaum ein anderer Musiker die Kulturszene in Downtown Manhattan in den 1960er und 1970er Jahren. Massenpopularität erlangte der Gitarrist und Singer-Songwriter aber erst 1972 als Solokünstler mit dem von David Bowie produzierten Album Transformer.

Später trat Lou Reed sogar im Weißen Haus auf, veröffentlichte Texte im renommierten New Yorker und erhielt 1999 einen Grammy für das beste Langform-Musikvideo. Reeds letztes Studioalbum Hudson River Wind Meditations erschien im Jahr 2007.

Zuletzt widmete er sich verstärkt neuen Projekten und arbeitete mit Künstlern, Theater- und Filmemachern wie Robert Wilson, Wim Wenders und Julian Schnabel sowie mit der Metalband Metallica zusammen.

Die Zeit sei furchtbar schnell vergangen, hatte Reed noch jüngst in einem Interview gesagt. "Wie konnte das passieren? Das hört nie auf, mich zu verwundern. Gerade war ich doch noch 19."

"Lou Reed ist am Ende seines Songs angelangt"

Seiner Ehefrau Laurie Anderson zufolge hatte sich Reed bereits im Frühjahr einer Lebertransplantation unterziehen müssen. "Er lag im Sterben", sagte Anderson damals der britischen Zeitung The Times. Sie glaube nicht, dass ihr Mann sich "jemals vollständig erholen" werde. Laurie Anderson lebte seit 21 Jahren mit Lou Reed zusammen, seit fünf Jahren waren sie verheiratet.

1992 sprach Reed einmal über seine Alkohol- und Drogenprobleme. "Ich habe versucht, von den Drogen loszukommen, indem ich getrunken habe", sagte er damals. "Das hat nicht geklappt."    

Zahlreiche Kollegen und Prominente betrauerten den Tod des Musikers auf Twitter. "Mein Freund Lou Reed ist am Ende seines Songs angelangt", schrieb beispielsweise der Bestsellerautor Salman Rushdie.

Sie sei ihm "extrem dankbar" für alles, twitterte die Schauspielerin Mia Farrow. Reeds Musik sei genau die seiner Generation und immer noch relevant, schrieb ihr Kollege Samuel L. Jackson.

Und der Hip-Hop-Produzent Russell Simmons twitterte: "New York hat eines seiner größten Geschenke verloren."