Hans Peter Geerdes, Kopf der Band Scooter, bittet an einem Donnerstagmorgen zum Interview ins Berliner Schlosshotel im Grunewald. Gemeinsames Frühstück im Wintergarten, 10.30 Uhr. Es ist wohl eines der exklusivsten Häuser der Stadt. Goldener Stuck, knarrendes Parkett, Kronleuchter, Brokattapeten, Kassettenwände, dunkles Leder und ein knisternder Kamin. Hier wohnt er immer, wenn er in Berlin ist. Und wenn er in Berlin ist, muss er auch ausgehen.

ZEIT ONLINE: Und, wie lang ging's gestern?

H.P. Baxxter: (sehr belegte Stimme) Bis fünf. Ach, Wahnsinn. Wie lang will man das noch mitmachen? Heute ist es schlimm, die Nacht vorher hatte ja auch nur drei Stunden.

ZEIT ONLINE: Sie sind jetzt 47. Haben Sie keine Angst, irgendwann in die Ecke der Berufsjugendlichen gestellt zu werden?

Baxxter: Ich hoffe, dass ich irgendwann erkenne, dass es nun gut ist. Wahrscheinlich nicht. Aber wenn man einigermaßen in shape ist …

ZEIT ONLINE: Machen Sie Konditionstraining?

Baxxter: Ich laufe jeden Tag, wenn ich in Hamburg bin, und mache ein bisschen Fitness mit einem Trainer.

Er buttert seinen Toast. Sehr gründlich.

ZEIT ONLINE: Scooter gibt es jetzt seit 20 Jahren, es ist die erfolgreichste deutsche Band seit Einführung der Single-Charts. Wie konnte das passieren?

Baxxter: Ich glaube, es ist eine Mischung aus Trotz, Durchhaltevermögen und, wie soll ich sagen, Kreativität. Wir haben das immer beinhart und stur durchgezogen, trotz aller Widerstände. Aber zurückblickend finde ich es auch ungewöhnlich, dass wir so viele Hits hatten.

ZEIT ONLINE: Alle 51 Singles landeten in den Top 100. Was finden die Leute über zwei Jahrzehnte an Scooter?

Baxxter: Es gibt nichts Vergleichbares, wir haben eine Monopolstellung, und entweder man liebt uns oder man hasst uns.

ZEIT ONLINE: Wer liebt Sie?

Baxxter: Es gibt keine klar definierte Zielgruppe. Es geht durch alle Gesellschafts- und Altersschichten. Als wir den Jumpstyle aus dem holländischen Underground adaptiert haben, kamen sehr viele junge Leute dazu, die den Tanz und die Musik toll fanden. Man kann auch mal daneben liegen, zum Beispiel mit Dubstep. Das fand ich nun ganz toll, aber die Fans konnten gar nichts damit anfangen. Kann passieren. Wichtig ist mir, dass man nie stehen bleibt, dass es immer wieder frisch klingt.

ZEIT ONLINE: Mittlerweile werden Sie auch von denjenigen umarmt, die Ihre Musik hassen. Scooter sind irgendwie cool.

Baxxter: Ja, bloß kann man von denen nicht leben. Das ist schön nach den ersten Jahren, in denen wir ja wirklich nur Gegenwind hatten. Aber man muss aufpassen, dass man nicht zu Everybody's Darling oder zum Salonlöwen wird. Ich habe immer drauf geachtet, dass man den Draht zur Basis nicht ganz verliert.

ZEIT ONLINE: Wir sitzen in einem Fünf-Sterne-Hotel. Zwischen hier und der Fanbasis von Scooter liegen Welten.

Baxxter: Auch das kann man glaubhaft machen. Bei uns ist das Rock 'n' Roll. Die Stones waren ja auch damals in Südfrankreich und haben alles auseinander genommen und trotzdem war keiner böse. Klar hat man etwas mehr Luxus um die Ohren, aber wenn man sich ein bisschen treu bleibt, funktioniert das schon.

ZEIT ONLINE: Gehören Sie zu den fünf reichsten Popmillionären in Deutschland?

Baxxter: Ha! Das weiß ich nicht. Ich glaube, Bohlen hat mehr.

ZEIT ONLINE: Sonst noch jemand?

Baxxter: Schwer zu sagen. Aber da gibt's ja schon ein paar. Grönemeyer, diese ganz Großen, die eine breitere Masse von Leuten ansprechen. Man darf nie vergessen, bei uns ist es mit diesem Techno/Electro immer noch eine kleine Sparte.

ZEIT ONLINE: Aber Herbert Grönemeyer ist nicht wie Sie Werbeträger für Media Markt in Russland.

Baxxter: Gut, das stimmt. Ich will nicht sagen, dass ich an Hunger und Armut leide, aber Multimillionär bin ich auch nicht gerade. Dazu gebe ich viel zu viel Geld aus.

Er buttert weiter seinen Toast.