Der italienische Dirigent Claudio Abbado ist im Alter von 80 Jahren in Bologna gestorben. Das teilte das Büro des Bürgermeisters der Stadt mit. Abbado gehörte zu den berühmtesten Dirigenten weltweit. Fast zwei Jahrzehnte leitete er die Mailänder Scala, bevor er unter anderem die Berliner Philharmoniker dirigierte. Im Sommer war er wegen seiner Verdienste vom italienischen Präsidenten Giorgio Napolitano zum Senator auf Lebenszeit ernannt worden.

Italiens Regierungschefs Enrico Letta sagte, Abbado habe Maßstäbe gesetzt. "Die Welt der Musik und der Kultur verliert einen absoluten Protagonisten. Uns bleiben sein Zeugnis und Beispiel, gegeben vor allem zum Vorteil der jungen Leute, für die sich Claudio Abbado sehr eingesetzt hat."

Abbado wurde am 26. Juni 1933 in Mailand als dritter Sohn einer Musikerfamilie geboren. Sein Vater, von Beruf Geiger, war von 1965 an stellvertretender Direktor des Mailänder Konservatoriums. Die Mutter spielte Klavier und schrieb Kinderbücher. Abbado lernte früh Klavier, Cello und Orgel und verdiente sich ein Taschengeld als Organist in der Kirche. Am Konservatorium Giuseppe Verdi in Mailand studierte er Orchesterleitung, Klavier und Komposition. 1960 debütierte er als Dirigent an der Mailänder Scala.

International bekannt machte ihn 1965 eine Aufführung von Mahlers Auferstehungssymphonie bei den Salzburger Festspielen. 1968 wurde Abbado leitender Dirigent der Mailänder Scala, 1971 deren Musikdirektor und 1977 künstlerischer Leiter der Scala. 1982 gründete er das Philharmonische Orchester der Scala. In Mailand war er nicht nur als Verdi- und Rossini-Spezialist geschätzt, sondern auch als engagierter Förderer von Moderne und Avantgarde.

Eine neue Aufgabe übernahm Abbado im Herbst 1986 mit der eigens für ihn geschaffenen Position eines Musikdirektors der Wiener Staatsoper und der Wiener Philharmoniker. Im Oktober 1989 wählten ihn die Berliner Philharmoniker als Nachfolger Herbert von Karajans zu ihrem Chefdirigenten und künstlerischen Leiter. Mit innovativen Programmen und zeitgemäßen Interpretationen bei gleichzeitiger Wahrung der großen Tradition schaffte es Abbado in Berlin, die Philharmoniker zu einer neuen musikalischen Hochform zu führen. Als Sensation feierte die Presse im November 1993 die konzertante Aufführung von Mussorgskis Boris Godunow in der Berliner Philharmonie.

Die Philharmoniker würdigten Abbado am Montag als außerordentlichen Musiker und Menschen. Sein Tod sei ein "unendlich schwerer Verlust", teilte das Orchester mit. "Seine Liebe zur Musik und seine unstillbare Neugier waren uns Inspiration und haben unser musikalisches Schaffen seit seinen ersten Konzerten mit uns im Jahr 1966 geprägt. Wir sind stolz, ihn zu unseren Chefdirigenten zählen zu können und Teil seines musikalischen Erbes zu sein."

2002 beendete hatte Abbado seine Zeit in Berlin beendet, später ging er nach Italien zurück. Abbado wurde 2011 in einer Umfrage des Musikmagazins Classic Voice unter 100 Dirigenten zum bedeutendsten noch lebenden Dirigenten gewählt.