Jetzt feiert er also dieses Jahr 20 Jahre Katzeklo, obwohl das Lied eigentlich 21 Jahre ist. Dazu bringt er eine Live-Platte heraus. Live At The Grugahalle – 20 Jahre Katzeklo (Evolution!), so heißt das Album wirklich. In Berlin gibt Helge Schneider also Interviews, im Westen, im Café Einstein Stammhaus in der Kurfürstenstraße. Tom Hanks übrigens auch, im Garten. Helge in der Bar. Und das Personal vom Einstein, das sagt einer von Helges Plattenfirma, die würden den Helge natürlich viel lieber mögen. Die Frau Doktor soundso, die Chefin vom Einstein Stammhaus, die sei sogar persönlich gekommen, weil sie so ein großer Helge-Fan sei, und weil sie sichergehen wollte, dass es dem Helge Schneider an nichts fehlt.

Helge Schneider, das kann man einfach mal so sagen und stehen lassen, Helge Schneider ist Deutschland. Schneider, 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren, wuchs zwischen Kohleöfen und Schlackebergen auf. Als Kind wollte er Clown werden. Was sollte man auch anderes werden? Clown, das ist vielleicht der ernsthafteste Beruf von der ganzen Welt. Aber selten ernst genommen. Schneider schmiss die Schule und schließlich das Konservatorium. Er rauchte Hasch und ging spazieren, versuchte sich als Gärtner, Maurer, Tierpfleger und Polsterer, ehe er seiner Berufung folgen konnte und schließlich doch Clown wurde.

Helge Schneider ist Deutschlands Clown. Er ist so was wie ein Maskottchen und Wappentier zugleich. Er ist das humoristische Gewissen unserer Nation. Auf 30-11-80, einem Rap-Album von Sido, rappte er neben dem Berliner im Stück Arbeit über faule Arbeitslose. Dabei ist Schneider seit mehr als zwanzig Jahren einer der Fleißigsten.

Im Barzimmer startet das Gespräch. Zorro, sein Spitz, und ein anderer Hund mit dem Namen Petzi sind auch dabei. Schneider im Jeanshemd, weit offen. Brusthaar, Barthaar, langes Haar. Schneider sieht gut aus. So braungebrannt gut drauf. Wir beginnen mit der Frage, die ihm Sido im Stück Arbeit gestellt hat.

ZEIT ONLINE: Yo, Helge was geht ab?

Helge Schneider: Alles klar?

ZEIT ONLINE: Sido hat sich ja ein bisschen beschwert. Er meinte, er sei überfordert mit Ihnen gewesen.

Schneider: Ach, das wusste ich gar nicht. Aber ich bin natürlich schnell. Wenn da einer so lazy ist, dann muss ich den motivieren.

ZEIT ONLINE: Schule ohne Abschluss, das Konservatorium schmeißen, bei Ihnen hätten die Chancen ja auch nicht schlecht gestanden, arbeitslos zu werden, oder?

Schneider: Auf jeden Fall.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie das denn geschafft, es nicht zu werden?

Schneider: Ist natürlich viel Arbeit. Ich konnte deshalb kein fauler Arbeitsloser werden, weil ich eigentlich gerne arbeite. Aber nur, was ich will. Nicht, was der Bauunternehmer will. Als ich meine erste Lehre gemacht hab, da hab ich so eine Mauer im Keller gebaut und der Bauunternehmer hat sie eingetreten. Das war so üblich. Auch wenn die gut war. Aber bei sowas habe ich nie mitgemacht. Ich bin immer froh und frech gewesen, deswegen bin ich auch von der Schule geflogen.

ZEIT ONLINE: Der Grund war doch die eigene Krankheitsmeldung, auf die Sie "Angina Pectoris" geschrieben haben.

Schneider: Ich dachte, das wäre so eine Erkältung.

Helge Schneider versucht eine Wasserflasche zu öffnen. Der Schraubverschluss bewegt sich nicht. Man könnte jetzt alle Wasserflaschentricks abarbeiten: Verschluss mit dem Hemd aufdrehen (größerer Hebel und mehr Reibung als in den feuchten Händen), Draufklopfen (Aberglaube), Flitschgummi rumwickeln (wieder mehr Hebel und wieder mehr Reibung). Schneider legt Hand an.

Schneider: Wat is datt denn. Gib mir mal so ein Filzding da. Auch nicht. Das ist, weil das so nass ist. Boah, Scheiße.

ZEIT ONLINE: Auch wenn man gerne arbeitet, man muss doch die Arbeit finden, die einen erfüllt. Wie haben Sie das rausgefunden?

Schneider: Ich habe ja schon früh angefangen, diese Arbeit zu machen. Auch parallel zu meinen Berufen. Ich hab ja immer Klavier gespielt auf Sessions, in Clubs, auch mal für Geld.