Der Sänger und Komponist Udo Jürgens ist tot. Der Interpret von Liedern wie Griechischer Wein und Merci Chérie starb bei einem Spaziergang in der Schweiz, wie sein Management mitteilte. Der 80-Jährige sei in Gottlieben im Kanton Thurgau bewusstlos zusammengebrochen. Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen sei der Künstler im Krankenhaus von Münsterlingen um 16.25 Uhr an Herzversagen gestorben. 

Udo Jürgens' Manager Freddy Burger, Pepe Lienhard und das ganze Tourneeteam seien "geschockt und in großer Trauer", hieß es in einer Mitteilung. Nach den Konzerterfolgen der aktuellen Tournee seien alle erschüttert und fassungslos über den unerwarteten und plötzlichen Tod.

Der Entertainer gehörte zu den erfolgreichsten Chanson- und Schlagersängern des deutschsprachigen Raums. Bekannt wurde er vor allem durch seine Teilnahme am Grand Prix Eurovision de la Chanson zwischen 1964 und 1966. 1966 gewann er für Österreich mit Merci Chérie den Wettbewerb.

Jürgens komponierte in einer mehr als ein halbes Jahrhundert dauernden Erfolgskarriere mehr als 1.000 Songs, von denen etliche Superhits wurden. Er spielte mehr als 50 Alben ein und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger. Bei Tourneen durch fast ganz Europa erlebten Millionen Udo Jürgens auf der Bühne – samt seiner legendären Zugaben im weißen Bademantel. 

Der deutsche Chansonnier

In einem Interview, das er vor seinem 80. Geburtstag im Sommer dem ZEITmagazin gab, erklärte der Entertainer, dass er eigentlich gerne eine andere Stimme gehabt hätte: "Eine Stimme wie die von Elton John, die keine tiefen Resonanztöne hat, sondern nur Höhen. Das lässt sich leicht einmischen in eine Pop-Produktion. Ich musste also einen Weg finden, damit ich mit meiner Stimme etwas erzähle."

Und den fand er auch: Er erzählte Geschichten. Das einzige Manko daran sei, dass die Leute von Anfang bis Ende zuhören müssten: "Das ist für die Karriere eines Popsängers das Schlechteste." Jürgens gelang es trotzdem, das Publikum für sich und seine Lieder zu begeistern: "Die Leute haben meine Lieder wie ein Buch gelesen oder wie den Soundtrack zu einem Film wahrgenommen." In seinen Konzerten seien es die Lieder mit Geschichten, die die Leute am tiefsten berühren. "Das liegt an der Verfärbung der Stimme." 

Jürgens nutzte sein Kapital und wurde zum deutschsprachigen Chansonnier, er brachte eine Form von Literatur in die deutsche Musik. Als Vorbild diente ihm Frank Sinatra, wie er im ZEITmagazin-Interview sagte: "Frank Sinatra hat etwas erfunden, worauf ich heute aufbaue. Er hat gesagt, wenn du sprichst, verwendest du Töne. Man muss aus der Sprache heraus singen und versuchen, die Töne auf den verschiedenen Längen und in verschiedenen Lagen zu halten. Wenn das gelingt, wird ein Gesang unglaublich natürlich."   

Popmusik und geistiger Anspruch

Die Musikalität zeigte sich bei Jürgens, der 1934 als Udo Jürgen Bockelmann in Klagenfurt geboren wurde, schon früh. Als Junge spielte der Sohn einer großbürgerlichen deutsch-österreichischen Familie Mundharmonika und Akkordeon, bald auch Klavier.

Als Chansonnier deutscher Sprache bewies er, dass Popmusik und geistiger Anspruch keineswegs Gegensätze sein müssen. Dafür verlieh ihm die Republik Österreich 1985 den Berufstitel Professor – und das, obwohl Jürgens längst in die Schweiz umgezogen war, wo der Millionär zuletzt in einer Villa am Zürichsee wohnte. 

"Als Komponist und Textdichter ist es Udo Jürgens gelungen, unvergessliche Melodien mit mal heiteren, mal nachdenklichen und philosophischen Texten zu vereinen", hieß es in der Laudatio, als er 2014 in Berlin für sein Lebenswerk vom Musikrechteverwerter Gema geehrt wurde.

Große Anteilnahme

Über seinen Tod zeigten sich viele Prominente bestürzt. Bundespräsident Joachim Gauck schreibt in einem Kondolenzbrief an Jürgens Tochter Jenny: "Mit Udo Jürgens ist ein Großer des deutschen Chansons gestorben. Seit über fünfzig Jahren hat Ihr Vater sein Publikum begeistert. Seine Lieder haben uns alle begleitet und erfreut, manchmal auch getröstet und nachdenklich gemacht."

Udo Lindenberg schrieb via SMS: "Bin tief geschockt. Ein schmerzlicher Verlust. Es ist, als wäre ein Familienmitglied von uns gegangen." Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte: "Wir verlieren mit Udo Jürgens einen echten Ausnahmekünstler." Er habe es auf wunderbare Weise vermocht, sein Publikum mit seiner Musik und seinen Texten "lustige, bewegende, aber auch nachdenkliche Geschichten nahezubringen". Der Schlager habe durch ihn eine "neue Qualität" erhalten. Franz Beckenbauer twitterte: "Eine schreckliche Nachricht: Mein Freund Udo Jürgens ist tot – ich bin erschüttert und tieftraurig."